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Cholinchlorid

Was ist Cholinchlorid?

Cholinchlorid ist die Chloridsalzform des essenziellen Nährstoffs Cholin. Es handelt sich um eine wasserbewegliche, quaternäre Ammoniumverbindung, die im Körper wichtige physiologische Aufgaben erfüllt. Cholinchlorid wird sowohl als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen als auch als Futtermittelzusatz in der Tierhaltung weit verbreitet eingesetzt. Als synthetisch hergestellte Form des Cholins ist es gut wasserlöslich und biologisch verfügbar.

Biologische Funktionen

Cholin, und damit auch Cholinchlorid, übernimmt im menschlichen und tierischen Organismus zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:

  • Zellmembranaufbau: Cholin ist ein Bestandteil von Phosphatidylcholin und Sphingomyelin, zwei wichtigen Phospholipiden, die in jeder Zellmembran vorkommen.
  • Neurotransmittersynthese: Cholin dient als Vorläufer des Neurotransmitters Acetylcholin, der für Muskelkontraktion, Gedächtnis und Lernprozesse unverzichtbar ist.
  • Fettstoffwechsel der Leber: Cholin ist essenziell für den Transport von Fetten aus der Leber. Ein Mangel kann zur Fettleber (hepatischen Steatose) führen.
  • Methylgruppenstoffwechsel: Cholin liefert Methylgruppen, die für zahlreiche Stoffwechselreaktionen, darunter die DNA-Methylierung, benötigt werden.
  • Embryonale Entwicklung: Cholin spielt eine wichtige Rolle bei der Gehirnentwicklung des Ungeborenen und der Bildung des Neuralrohrs.

Nahrungsquellen und Bedarf

Cholin kommt natürlich in verschiedenen Lebensmitteln vor. Besonders reiche Quellen sind:

  • Eier (vor allem Eigelb)
  • Leber und andere Innereien
  • Fleisch und Fisch
  • Sojabohnen und Sojalecithin
  • Kreuzblütengemüse wie Brokkoli

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt eine tägliche Cholinzufuhr von 400 mg für Erwachsene, 480 mg für Schwangere und 520 mg für Stillende. Da der Körper Cholin nur in begrenzten Mengen selbst synthetisieren kann, muss der größte Teil über die Nahrung aufgenommen werden.

Mangelsymptome

Ein Cholinmangel kann verschiedene gesundheitliche Probleme verursachen:

  • Fettleber und erhöhte Leberwerte
  • Muskelschäden und Muskelschmerzen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme
  • Erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen durch veränderten Homocysteinstoffwechsel
  • Bei Schwangeren: erhöhhtes Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind

Anwendung als Nahrungsergänzungsmittel

Cholinchlorid wird als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, wenn die Cholinzufuhr über die Ernährung nicht ausreichend ist. Typische Anwendungsgebiete sind:

  • Unterstützung der Leberfunktion bei Fettleberkrankheit
  • Förderung der kognitiven Funktion und des Gedächtnisses
  • Einsatz in der Schwangerschaft zur Vorbeugung von Entwicklungsstörungen beim Kind
  • Sportmedizinischer Einsatz zur Muskelregeneration

Als Futtermittelzusatzstoff ist Cholinchlorid in der Landwirtschaft weit verbreitet und wird insbesondere in der Geflügel- und Schweinehaltung eingesetzt, um Leistungsfähigkeit und Lebergesundheit der Tiere zu fördern.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Cholinchlorid gilt bei sachgemäßer Anwendung als sicher. Bei sehr hohen Dosen können jedoch Nebenwirkungen auftreten:

  • Fischiger Körpergeruch durch vermehrte Produktion von Trimethylamin (TMA) im Darm
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Vermehrter Speichelfluss und Schweißausbrüche
  • Blutdruckabfall bei sehr hohen Dosen

Die EFSA hat für Cholin einen tolerablen Obergrenzen-Wert (Tolerable Upper Intake Level, UL) von 3,5 g pro Tag für Erwachsene festgelegt. Eine Überschreitung dieses Wertes sollte vermieden werden.

Wechselwirkungen

Cholinchlorid kann mit bestimmten Medikamenten und Nährstoffen interagieren:

  • Anticholinerge Medikamente: Cholin kann die Wirkung von Medikamenten, die den Acetylcholinstoffwechsel beeinflussen, verändern.
  • Methotrexat: Das Medikament kann den Cholinbedarf erhöhen.
  • Folsäure und Vitamin B12: Diese Nährstoffe arbeiten eng mit Cholin im Methylgruppenstoffwechsel zusammen.

Quellen

  1. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Dietary Reference Values for choline. EFSA Journal, 2016; 14(8):4484. doi:10.2903/j.efsa.2016.4484
  2. Zeisel SH, da Costa KA: Choline: an essential nutrient for public health. Nutrition Reviews, 2009; 67(11):615-623. doi:10.1111/j.1753-4887.2009.00246.x
  3. Institute of Medicine (US) Standing Committee on the Scientific Evaluation of Dietary Reference Intakes: Dietary Reference Intakes for Thiamin, Riboflavin, Niacin, Vitamin B6, Folate, Vitamin B12, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. National Academies Press, Washington (DC), 1998.
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