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Eisensulfat

Was ist Eisensulfat?

Eisensulfat, chemisch als Eisen(II)-sulfat (FeSO₄) bekannt, ist ein anorganisches Eisensalz, das in der Medizin als orales Eisenpräparat weit verbreitet ist. Es gehört zur Gruppe der zweiwertigen Eisenverbindungen (Ferroverbindungen) und wird sowohl therapeutisch als auch prophylaktisch bei Eisenmangel und Eisenmangelanämie eingesetzt. In der Lebensmittelindustrie ist Eisensulfat unter der Bezeichnung E 520 als Zusatzstoff zugelassen.

Wirkmechanismus

Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das für die Bildung von Hämoglobin – dem sauerstofftragenden Protein in den roten Blutkörperchen – unverzichtbar ist. Eisensulfat liefert zweiwertiges Eisen (Fe²+), das im Dünndarm deutlich besser resorbiert wird als dreiwertiges Eisen (Fe³+). Nach der Aufnahme in die Darmzellen wird Eisen an das Transportprotein Transferrin gebunden und zu den Zielorganen, insbesondere dem Knochenmark, transportiert. Dort wird es in die Synthese von Hämoglobin und Myoglobin eingebaut und trägt so zur Normalisierung der roten Blutkörperchen bei.

Medizinische Anwendungsgebiete

  • Eisenmangelanämie: die häufigste Anwendung, bei der der Körper nicht genügend rote Blutkörperchen produzieren kann
  • Eisenmangel ohne Anämie: zur Auffüllung der Eisenspeicher
  • Prophylaxe in der Schwangerschaft: zur Deckung des erhöhten Eisenbedarfs
  • Prophylaxe bei Säuglingen und Kleinkindern mit erhöhtem Mangelrisiko
  • Chronische Erkrankungen mit erhöhtem Eisenverlust (z. B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)

Dosierung

Die Dosierung von Eisensulfat richtet sich nach Alter, Körpergewicht und Schwere des Eisenmangels. Typische Tagesdosen für Erwachsene liegen zwischen 100 und 200 mg elementarem Eisen, aufgeteilt auf ein bis drei Einzelgaben. Eisensulfat wird am besten auf nüchternen Magen eingenommen, da die Resorption durch gleichzeitige Nahrungsaufnahme vermindert werden kann. Die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C (Ascorbinsäure) kann die Eisenaufnahme verbessern, da Vitamin C Fe³+ zu Fe²+ reduziert.

Nebenwirkungen

Eisensulfat ist im Allgemeinen gut verträglich, kann aber insbesondere im Magen-Darm-Trakt Nebenwirkungen verursachen:

  • Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall
  • Harmlos, aber auffällig: Schwärzung des Stuhls (durch Eisensulfid)
  • Selten: allergische Reaktionen, Magenschleimhautreizung
  • Bei Überdosierung: Eisenvergiftung, besonders gefährlich bei Kindern (Symptome: Erbrechen, Bauchschmerzen, im schlimmsten Fall Organschäden)

Um Magenprobleme zu reduzieren, kann Eisensulfat mit einer kleinen Menge Nahrung eingenommen werden, auch wenn dies die Resorption leicht verringert.

Wechselwirkungen

Eisensulfat kann mit verschiedenen Substanzen in Wechselwirkung treten:

  • Antazida und Kalziumpäparate: vermindern die Eisenresorption
  • Tetracyclin-Antibiotika und Chinolone: Eisen kann deren Wirksamkeit reduzieren; Einnahmeabstand von mindestens 2 Stunden empfohlen
  • Levothyroxin (Schilddrüsenhormon): verminderte Resorption bei gleichzeitiger Einnahme
  • Phytinsäure und Tannine (aus Tee, Kaffee, Vollkorn): hemmen die Eisenaufnahme

Eisensulfat als Lebensmittelzusatzstoff (E 520)

In der Lebensmittelindustrie wird Eisensulfat als Festigungsmittel und zur Farbanreicherung eingesetzt, zum Beispiel bei bestimmten Gemüsekonserven. In der EU ist es als Zusatzstoff unter der Nummer E 520 zugelassen und gilt bei bestimmungsgemäßem Gebrauch als sicher.

Sicherheit und Kontraindikationen

Eisensulfat sollte nicht eingenommen werden bei:

  • Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) oder anderen Erkrankungen mit erhöhter Eisenspeicherung
  • Anämien, die nicht durch Eisenmangel bedingt sind (z. B. Vitamin-B12-Mangel)
  • Schwerer Niereninsuffizienz ohne ärztliche Aufsicht
  • Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Eisenverbindungen

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Haemoglobin concentrations for the diagnosis of anaemia and assessment of severity. WHO, Geneva, 2011. Verfügbar unter: https://www.who.int/
  2. Camaschella, C.: Iron-Deficiency Anemia. New England Journal of Medicine, 2015; 372:1832–1843. DOI: 10.1056/NEJMra1401038
  3. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Scientific Opinion on the safety and efficacy of iron compounds (E 520–523) as feed additives. EFSA Journal, 2016. Verfügbar unter: https://www.efsa.europa.eu/
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