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Erucasäure (englisch: erucic acid) ist eine einfach ungesättigte Fettsäure mit der chemischen Bezeichnung cis-13-Docosensäure (C22:1). Sie gehört zur Gruppe der langkettigen Fettsäuren und kommt natürlicherweise in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütengewachse (Brassicaceae) vor. Bekannte Quellen sind Raps, Senf, Meerrettich und Kapuzinerkresse. In herkömmlichem Rapsöl war Erucasäure früher in hohen Mengen enthalten; durch züchterische Maßnahmen wurden moderne Rapssorten (00-Raps) entwickelt, die nur noch geringe Mengen dieser Fettsäure enthalten.
Erucasäure findet sich hauptsächlich in folgenden Lebensmitteln und Pflanzenölen:
Modernes Rapsöl (Canola-Öl), das heute im Handel erhältlich ist, enthält durch gezielte Züchtung weniger als 2 % Erucasäure und gilt als unbedenklich.
Erucasäure wird nach der Aufnahme im Dünndarm absorbiert und in die Blutbahn aufgenommen. Im Körper wird sie über die sogenannte Beta-Oxidation in den Mitochondrien abgebaut – also in den Kraftwerken der Zellen. Problematisch ist jedoch, dass langkettige Fettsäuren wie Erucasäure von säugern deutlich langsamer abgebaut werden als kürzere Fettsäuren. Tierexperimentelle Studien zeigten, dass hohe Zufuhrmengen zu einer Anreicherung im Herzmuskelgewebe führen können, was als lipidose-artige Herzschädigung bezeichnet wird. Der genaue Mechanismus der Toxizität beim Menschen ist noch nicht vollständig geklärt.
Auf Basis von Tierversuchen wurden folgende mögliche Risiken identifiziert:
Wichtig: Die beobachteten Schäden in Tierversuchen traten bei sehr hohen Dosen auf, die weit über der normalen Nahrungsaufnahme beim Menschen liegen. Direkte Belege für schwere Herzschäden beim Menschen durch übliche Nahrungsmengen liegen bisher nicht vor.
Aufgrund der möglichen gesundheitlichen Risiken hat die Europäische Union den Erucasäure-Gehalt in Lebensmitteln reguliert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) von 7 mg pro kg Körpergewicht und Tag festgelegt. Die EU-Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 legt Höchstgehalte für Erucasäure in Speiseölen und -fetten fest:
In der Medizin spielt Erucasäure als Bestandteil von Lorenzo-Öl eine besondere Rolle. Dieses spezielle Ölgemisch, das aus Erucasäure und Ölsäure gewonnen wird, wird bei der seltenen neurologischen Erkrankung Adrenoleukodystrophie (ALD) eingesetzt. ALD ist eine genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung, bei der sich sehr langkettige Fettsäuren im Körper anreichern. Lorenzo-Öl kann den Anstieg dieser Fettsäuren im Blut verlangsamen, obwohl seine klinische Wirksamkeit noch diskutiert wird.
Erucasäure findet in der Industrie breite Anwendung:
Für eine gesunde Ernährung empfiehlt es sich, im Handel erhältliche 00-Rapsöle oder als Canola-Öl bezeichnete Produkte zu verwenden, da diese durch gezielte Züchtung einen sehr niedrigen Erucasäuregehalt aufweisen. Traditionelle Senföle, die außerhalb der EU teilweise noch höhere Erucasäuregehalte aufweisen, sollten insbesondere von Schwangeren, Stillenden und Kleinkindern nur in geringen Mengen konsumiert werden. Bei einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung ist eine Überschreitung des tolerierbaren Aufnahmewertes in der Regel nicht zu erwarten.