Muttermilch einfrieren
Was bedeutet Muttermilch einfrieren?
Das Einfrieren von Muttermilch ist eine gängige und empfohlene Methode, um abgepumpte Frauenmilch über einen längeren Zeitraum aufzubewahren. Viele stillende Mütter pumpen Milch ab, um Vorräte anzulegen – etwa für die Rückkehr zur Arbeit, bei Überproduktion oder wenn das Baby zeitweise nicht direkt gestillt werden kann. Durch korrektes Einfrieren bleiben die meisten wertvollen Inhaltsstoffe der Muttermilch, darunter Nährstoffe, Antikörper und Wachstumsfaktoren, weitgehend erhalten.
Warum Muttermilch einfrieren?
Muttermilch ist die optimale Ernährung für Neugeborene und Säuglinge. Es gibt verschiedene Gründe, warum Mütter Milch einfrieren möchten:
- Aufbau eines Milchvorrats für Abwesenheitszeiten
- Frühgeburten oder Krankenhausaufenthalte des Babys
- Stillprobleme oder temporäre Stillpausen
- Überschüssige Milchproduktion
- Wiederaufnahme der Berufstätigkeit
Richtig vorbereiten: Hygiene und Behälter
Für das sichere Einfrieren von Muttermilch ist Hygiene das wichtigste Gebot. Folgende Punkte sollten beachtet werden:
- Hände vor dem Abpumpen gründlich waschen
- Sterilisierte oder gründlich gereinigte Behälter verwenden
- Spezielle Muttermilchbeutel oder BPA-freie Kunststoffbehälter oder Glasgefäße nutzen
- Keine Einwegbeutel verwenden, die nicht speziell für Muttermilch geeignet sind
Portionsgrößen und Beschriftung
Es empfiehlt sich, die Milch in kleinen Portionen von 60 bis 120 ml einzufrieren. So kann immer nur die benötigte Menge aufgetaut werden, ohne Milch zu verschwenden. Jeder Behälter sollte mit Datum und Uhrzeit des Abpumpens beschriftet werden, damit ältere Vorräte zuerst verwendet werden können.
Lagerungsdauer im Gefrierschrank
Die empfohlene Lagerungsdauer von eingefrorener Muttermilch variiert je nach Lagerungsort:
- Tiefkühlfach im Kühlschrank (ca. −15 °C): bis zu 2 Wochen
- Separates Tiefkühlfach (ca. −18 °C): bis zu 6 Monate
- Tiefkühlschrank (ca. −20 °C): bis zu 12 Monate (Qualität kann nachlassen)
Aus Qualitätsgründen wird empfohlen, die Milch innerhalb von 3 bis 6 Monaten zu verbrauchen.
Muttermilch auftauen und erwärmen
Beim Auftauen von Muttermilch sollten folgende Regeln beachtet werden:
- Muttermilch niemals in der Mikrowelle auftauen oder erwärmen – dies zerstört wichtige Nährstoffe und erzeugt heiße Stellen
- Langsames Auftauen im Kühlschrank über Nacht ist die schonendste Methode
- Schnelleres Auftauen durch Stellen des Behälters in warmes Wasser (nicht kochend)
- Aufgetaute Muttermilch kann im Kühlschrank bis zu 24 Stunden aufbewahrt werden
- Einmal aufgetaute Muttermilch darf nicht erneut eingefroren werden
Veränderungen der Muttermilch durch Einfrieren
Durch das Einfrieren können sich einige Eigenschaften der Muttermilch verändern:
- Die Milch kann sich in Fett- und Wasserphase trennen – dies ist normal und harmlos. Durch sanftes Schwenken lässt sie sich wieder vermischen.
- Der Geschmack kann sich leicht verändern, da das Enzym Lipase Fette abbaut. Manche Babys lehnen die Milch dann ab.
- Ein Teil der Immunfaktoren kann durch das Einfrieren leicht reduziert werden, die Milch bleibt jedoch wertvoller als Ersatznahrung.
Tipps für den Alltag
- Frisch abgepumpte Milch nicht zu bereits eingefrorener Milch hinzufügen
- Milch im Gefrierschrank nicht in der Tür lagern – dort schwankt die Temperatur stärker
- Milch im hinteren Bereich des Gefrierschranks lagern, wo die Temperatur konstanter ist
- Einen klaren Überblick über vorhandene Vorräte führen und nach dem Prinzip „first in, first out“ handeln
Quellen
- World Health Organization (WHO) – Infant and Young Child Feeding: Model Chapter for Textbooks for Medical Students and Allied Health Professionals. WHO Press, Genf, 2009.
- Academy of Breastfeeding Medicine – ABM Clinical Protocol #8: Human Milk Storage Information for Home Use for Full-Term Infants. Breastfeeding Medicine, 2017.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Stillen und Muttermilch. Ratgeber für Eltern, Köln, aktualisierte Auflage 2021.