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Natriumselenat (chemische Formel: Na²SeO&sup4;) ist ein anorganisches Salz der Selensäure und eine der wichtigsten Selenverbindungen, die in der Medizin, der Nahrungsergänzung sowie in der Landwirtschaft Verwendung finden. Selen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann und deshalb über die Nahrung oder Ergänzungsmittel aufnehmen muss. Natriumselenat gehört neben Natriumselenit zu den am häufigsten verwendeten anorganischen Selenverbindungen.
Nach der Aufnahme im Darm wird Natriumselenat im Körper zu Selenocystein und Selenomethionin umgewandelt, den biologisch aktiven Formen des Selens. Diese werden in Selenoproteine eingebaut, die für zahlreiche physiologische Funktionen unentbehrlich sind:
Natriumselenat wird in verschiedenen medizinischen und ernährungstherapeutischen Kontexten eingesetzt:
Ein Selenmangel kann zu ernsthaften Erkrankungen führen, darunter die Keshan-Krankheit (eine Herzerkrankung, die vor allem in selenarmen Regionen Chinas vorkommt) sowie die Kaschin-Beck-Krankheit (eine Gelenkerkrankung). Natriumselenat wird zur Behandlung und Prävention solcher Mangelzustände eingesetzt, insbesondere bei Risikogruppen wie Patienten mit Malabsorptionssyndromen, Patienten unter parenteraler Ernährung sowie Menschen aus selenarmen Regionen.
Klinische Studien haben gezeigt, dass eine Selensupplementierung bei Hashimoto-Thyreoiditis die Konzentration von Schilddr¨senantikörpern (Anti-TPO) reduzieren und die Lebensqualität von Betroffenen verbessern kann. Ebenso wird Selen im Rahmen der Graves-Erkrankung (Morbus Basedow) und der damit verbundenen endokrinen Orbitopathie untersucht.
Bei Patienten, die über eine Infusion ernährt werden (z. B. auf Intensivstationen), wird Natriumselenat als Bestandteil von Spurenelementlösungen zugeführt, um einem Selenmangel vorzubeugen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Selenzufuhr von 60–70 Mikrogramm (µg) pro Tag (Frauen 60 µg, Männer 70 µg). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt für Erwachsene eine Zufuhr von etwa 55 µg pro Tag. Bei therapeutischer Supplementierung kann die Dosis unter ärztlicher Aufsicht höher ausfallen. Der obere tolerable Zufuhrwert (UL) liegt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei 300 µg pro Tag für Erwachsene. Eine eigenmächtige Überschreitung dieser Menge ist zu vermeiden.
Natriumselenat und Natriumselenit sind beides anorganische Selenquellen, unterscheiden sich jedoch in ihrer chemischen Struktur und Bioverfügbarkeit. Natriumselenat gilt als gut resorbierbar, wird jedoch weniger effizient in Selenoproteine eingebaut als organische Selenverbindungen wie Selenomethionin. In Studien werden beide Verbindungen häufig verglichen; organische Formen werden für die langfristige Supplementierung oft bevorzugt, während anorganische Formen wie Natriumselenat in medizinischen Präparaten und der parenteralen Ernährung verbreitet sind.
Bei übermäßiger Zufuhr von Natriumselenat kann es zu Selentoxizität (Selenose) kommen. Typische Symptome einer Überdosierung sind:
Bei therapeutischer Anwendung sollte Natriumselenat stets unter ärztlicher Aufsicht und mit regelmäßiger Kontrolle der Selenspiegel im Blut eingesetzt werden.
Natriumselenat kann mit verschiedenen Substanzen in Wechselwirkung treten: