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Nicotinamid

Was ist Nicotinamid?

Nicotinamid, auch als Niacinamid bekannt, ist eine wassserlösliche Form des Vitamins B3 (Niacin). Im Gegensatz zur anderen Niacin-Form, der Nikotinsäure, verursacht Nicotinamid keinen sogenannten Flush (Hautрötung und Wärmegefühl). Es ist ein essenzieller Mikronährstoff, der an zahlreichen Stoffwechselprozessen im Körper beteiligt ist und in der Medizin sowie in der Dermatologie breite Anwendung findet.

Biologische Funktionen

Nicotinamid ist ein zentraler Baustein für die Synthese der Coenzyme NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) und NADP+, die in fast allen Zellen des Körpers vorkommen. Diese Coenzyme sind unentbehrlich für:

  • Die Energiegewinnung in den Zellen (Zellatmung und Glykolyse)
  • Die DNA-Reparatur und den Schutz des Erbguts
  • Den Fett-, Kohlenhydrat- und Eiweißstoffwechsel
  • Die Regulation von Enzymen und Signalwegen
  • Antioxidative Schutzprozesse in der Zelle

Nahrungsquellen

Nicotinamid und Niacin kommen in zahlreichen Lebensmitteln vor. Der Körper kann Niacin außerdem aus der essentiellen Aminosäure Tryptophan selbst herstellen. Gute Nahrungsquellen sind:

  • Fleisch (insbesondere Geflügel und Rind)
  • Fisch (z. B. Thunfisch, Lachs)
  • Hülsenfrüchte (z. B. Linsen, Bohnen)
  • Vollkornprodukte
  • Nüsse und Samen
  • Milchprodukte und Eier

Empfohlene Tagesdosis

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehlen folgende tägliche Zufuhr an Niacinäquivalenten (NE), die Nicotinamid einschließt:

  • Erwachsene Männer: ca. 16 mg NE/Tag
  • Erwachsene Frauen: ca. 13 mg NE/Tag
  • Schwangere: ca. 14–16 mg NE/Tag
  • Stillende: bis zu 16 mg NE/Tag

Therapeutische Dosen, etwa bei Hauterkrankungen oder zur NAD+-Unterstützung, können deutlich höher liegen und sollten ärztlich begleitet werden.

Medizinische Anwendungsgebiete

Dermatologie

In der Dermatologie wird Nicotinamid sowohl topisch (auf der Haut) als auch oral eingesetzt. Es wirkt entzündungshemmend, reguliert die Talgproduktion und stärkt die Hautbarriere. Es wird eingesetzt bei:

  • Akne: Nicotinamid reduziert Entzündungen und Talgproduktion
  • Rosazea: Linderung von Hautrötungen und Entzündungen
  • Hyperpigmentierung: Aufhellung von Altersflecken und unregelmäßiger Pigmentierung
  • Hautbarrierstörungen: Verbesserung der Feuchtigkeitsretention der Haut

Pellagra-Prävention und -Behandlung

Pellagra ist eine schwere Vitamin-B3-Mangelerkrankung, die durch die klassischen "3 Ds" gekennzeichnet ist: Dermatitis (Hautentzündung), Diarrhoe (Durchfall) und Demenz (kognitive Beeinträchtigung). Nicotinamid ist das Mittel der Wahl zur Behandlung und Vorbeugung von Pellagra.

Unterstützung des NAD+-Stoffwechsels

Aktuelle Forschungen untersuchen den Einsatz von Nicotinamid als Vorläufer von NAD+, dessen Spiegel im Alter natürlich sinken. Ein ausreichender NAD+-Spiegel wird mit besserer Zellgesundheit, höherer Energie und möglicherweise verlangsamtem Alterungsprozess in Verbindung gebracht.

Diabetes und Nierenerkrankungen

Nicotinamid wird in wissenschaftlichen Studien auch im Zusammenhang mit der Prävention von Typ-1-Diabetes bei Risikogruppen sowie bei der Behandlung von chronischer Nierenerkrankung (zur Senkung erhöhter Phosphatwerte) untersucht.

Mangelerscheinungen

Ein Mangel an Nicotinamid bzw. Vitamin B3 kann folgende Beschwerden verursachen:

  • Müdigkeit und Schwache
  • Hautveränderungen (besonders an lichtexponierten Stellen)
  • Verdauungsstörungen (Durchfall, Übelkeit)
  • Kognitive Beeinträchtigungen und depressive Verstimmungen
  • Im fortgeschrittenen Stadium: Pellagra

Risikogruppen für einen Mangel sind Menschen mit einseitiger Ernährung, Alkoholabhängigkeit, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder bestimmten genetischen Stoffwechselstörungen.

Sicherheit und Nebenwirkungen

Nicotinamid gilt in empfohlenen Dosen als gut verträglich und sicher. Im Gegensatz zur Nikotinsäure verursacht es keinen Flush-Effekt. In sehr hohen Dosen (ab ca. 3 g/Tag) können jedoch Nebenwirkungen auftreten:

  • Übelkeit und Magenprobleme
  • Leberwertveränderungen (bei sehr hoher Dosierung)
  • Müdigkeit und Schwindel

Die European Food Safety Authority (EFSA) hat einen tolerierbaren oberen Aufnahmewert (UL) von 900 mg/Tag für Erwachsene festgelegt. Eine Ärztäin oder ein Arzt sollte vor der Einnahme höherer Dosierungen konsultiert werden.

Wechselwirkungen

Nicotinamid kann Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten haben, darunter:

  • Antiepileptika (z. B. Carbamazepin): erhöhte Niacin-Ausscheidung möglich
  • Isoniazid (Tuberkulose-Medikament): kann Vitamin-B3-Spiegel senken
  • Immunsuppressiva: mögliche Wechselwirkungen bei hohen Nicotinamid-Dosen

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Vitamin and Mineral Requirements in Human Nutrition, 2. Auflage, Genf, 2004.
  2. Braidy N et al.: Role of Nicotinamide Adenine Dinucleotide and Related Precursors as Therapeutic Targets for Age-Related Degenerative Diseases. Antioxidants & Redox Signaling, 2019.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Niacin, Bonn, 2022. Verfügbar unter: www.dge.de
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