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Phasen der Geburt

Überblick: Die drei Phasen der Geburt

Die Geburt eines Kindes ist ein komplexer physiologischer Prozess, der in drei klar definierte Phasen unterteilt wird. Diese Einteilung hilft medizinischem Fachpersonal, den Geburtsverlauf zu überwachen und bei Bedarf gezielt einzugreifen. Für werdende Mütter ist das Wissen über die einzelnen Phasen eine wichtige Vorbereitung auf die Geburt.

Erste Phase: Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt und beginnt mit dem Einsetzen regelmäßiger, wehenbedingter Kontraktionen. Ziel dieser Phase ist die vollständige Eröffnung des Muttermundes auf 10 Zentimeter.

Latenzphase (Frühphase)

Die Latenzphase dauert bei Erstgebärenden oft viele Stunden. Der Muttermund öffnet sich langsam bis auf etwa 6 Zentimeter. Die Wehen sind noch unregelmäßig und weniger intensiv. Frauen können diese Phase häufig zu Hause verbringen.

Aktive Phase

In der aktiven Phase nehmen Intensität, Häufigkeit und Dauer der Wehen deutlich zu. Der Muttermund eröffnet sich rasch von 6 auf 10 Zentimeter. Typischerweise treten die Wehen alle 2 bis 3 Minuten auf und dauern jeweils 45 bis 60 Sekunden. Bei Erstgebärenden dauert diese Phase durchschnittlich 4 bis 8 Stunden, bei Mehrpersonen kürzer.

Zweite Phase: Die Austreibungsphase

Die Austreibungsphase beginnt, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, und endet mit der Geburt des Kindes. In dieser Phase setzen starke Presswehen ein, die das Kind durch den Geburtskanal treiben.

Ablauf der Austreibungsphase

  • Das Kind dreht sich durch den Geburtskanal (sog. Einstellung des Kindes).
  • Der kindliche Kopf tritt zuerst aus – man spricht vom Durchschneiden des Kopfes.
  • Nach dem Kopf folgen Schultern und Körper des Kindes rasch nach.
  • Bei Erstgebärenden dauert diese Phase bis zu 2 Stunden, bei Mehrfachgebärenden oft nur wenige Minuten.

Das medizinische Fachpersonal überwacht während dieser Phase engmaschig die Herzfrequenz des Kindes mittels Kardiotokographie (CTG), um das Wohlbefinden des Ungeborenen sicherzustellen.

Dritte Phase: Die Nachgeburtsphase (Plazentarphase)

Die Nachgeburtsphase beginnt unmittelbar nach der Geburt des Kindes und endet mit der vollständigen Ausstoung der Plazenta (Mutterkuchen) sowie der Fötalmembranen. Diese Phase dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten.

Ablauf der Nachgeburtsphase

  • Die Gebärmutter zieht sich weiter zusammen, was die Plazenta von der Gebärmutterwand löst.
  • Die Frau verspurt leichte Wehen oder Druck im Unterleib.
  • Die Hebamme oder der Arzt kontrolliert, ob die Plazenta vollständig ausgestossen wurde, um Nachblutungen zu vermeiden.
  • In dieser Phase wird häufig das Medikament Oxytocin gegeben, um die Gebärmutterkontraktion zu fördern und Blutungen zu reduzieren.

Besondere Situationen und Komplikationen

Nicht alle Geburten verlaufen nach dem klassischen Muster. In bestimmten Fällen kann es zu Abweichungen oder Komplikationen kommen, die medizinische Interventionen erfordern:

  • Vorzeitiger Blasensprung: Die Fruchtblase platzt, bevor regelmäßige Wehen einsetzen.
  • Geburtsstillstand: Der Geburtsfortschritt kommt zum Erliegen, was einen Eingriff wie eine Saugglocken- oder Zangengeburt oder einen Kaiserschnitt (Sectio caesarea) notwendig machen kann.
  • Schulterdystokie: Die Schulter des Kindes bleibt nach der Geburt des Kopfes im Geburtskanal stecken.
  • Prolongierte Nachgeburtsphase: Wird die Plazenta nicht innerhalb von 30 Minuten vollständig ausgestossen, spricht man von einer verzögerten Plazentaentbindung.

Schmerzmanagement während der Geburt

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzlinderung während der einzelnen Geburtsphasen:

  • Periduralanästhesie (PDA): Die wirksamste Form der medikamentösen Schmerzlinderung unter der Geburt.
  • Lachgas (Distickstoffmonoxid): Leichte Sedierung, die von der Gebärenden selbst angewendet werden kann.
  • Nichts-medikamentöse Methoden: Atemtechniken, Wassergeburt, Massage, TENS-Geräte und Bewegung.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): WHO Recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
  2. Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Berlin: Springer, 2016.
  3. American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG): Obstetric Care Consensus: Safe Prevention of the Primary Cesarean Delivery. Obstetrics & Gynecology, 2014. DOI: 10.1097/AOG.0000000000000235
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