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Riboflavin

Was ist Riboflavin?

Riboflavin, auch als Vitamin B2 bekannt, ist ein essentielles, wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Es wurde erstmals in den 1920er-Jahren als wachstumsfördernder Faktor in Lebensmitteln identifiziert. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort flavus (gelb) ab, da reine Riboflavinlösungen eine charakteristische gelb-grüne Fluoreszenz aufweisen. Da der Körper Riboflavin nicht selbst herstellen kann, muss es täglich über die Nahrung zugeführt werden.

Biologische Funktionen

Riboflavin erfüllt im menschlichen Organismus zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:

  • Energiestoffwechsel: Als Vorstufe der Coenzyme FAD (Flavinadenindinukleotid) und FMN (Flavinmononukleotid) ist Riboflavin an der Gewinnung von Energie aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen beteiligt.
  • Elektronentransport: FAD und FMN spielen eine Schlüsselrolle in der mitochondrialen Atmungskette und damit bei der Produktion von ATP, dem zellulären Energieträger.
  • Antioxidativer Schutz: Riboflavin unterstützt die Regeneration von Glutathion, einem der wichtigsten antioxidativen Schutzstoffe im Körper.
  • Stoffwechsel anderer Vitamine: Es ist notwendig für die Aktivierung von Vitamin B6 und Folat sowie für den Homocystein-Stoffwechsel.
  • Wachstum und Gewebeerneuerung: Riboflavin ist für die normale Entwicklung und Erhaltung von Haut, Schleimhäuten und Nervengewebe unentbehrlich.

Nahrungsquellen

Riboflavin kommt in einer Vielzahl von Lebensmitteln vor. Besonders reich an Vitamin B2 sind:

  • Tierische Quellen: Leber, Nieren, Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte (Milch, Käse, Joghurt)
  • Pflanzliche Quellen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Brokkoli), Pilze und angereicherte Getreideprodukte

Da Riboflavin lichtempfindlich ist, sollten Lebensmittel nicht über längere Zeit direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden, um den Vitamingehalt zu erhalten.

Empfohlene Tageszufuhr

Die empfohlene Tageszufuhr für Riboflavin variiert je nach Alter, Geschlecht und Lebenssituation. Gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten folgende Richtwerte:

  • Erwachsene Männer: ca. 1,4 mg/Tag
  • Erwachsene Frauen: ca. 1,1 mg/Tag
  • Schwangere: ca. 1,4 mg/Tag
  • Stillende: ca. 1,6 mg/Tag
  • Kinder: 0,6–1,1 mg/Tag (altersabhängig)

Mangelerscheinungen

Ein Riboflavinmangel (Ariboflavinose) ist in Industrieländern selten, kann aber bei einseitiger Ernährung, Alkoholabusus, Malabsorptionssyndromen oder bestimmten Medikamenten auftreten. Typische Symptome sind:

  • Mundwinkelrisse (Cheilosis) und Entzündungen der Mundschleimhaut
  • Rötung und Schwellung der Zunge (Glossitis)
  • Seborrhoische Dermatitis (schuppende Hautentzündung, insbesondere im Gesicht)
  • Lichtempfindlichkeit der Augen und Bindehautentzündung
  • Allgemeine Müdigkeit und Leistungsschwäche

Risikogruppen für einen Mangel

  • Veganer und Vegetarier mit geringer Milchprodukt- und Eizufuhr
  • Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Malabsorption
  • Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum
  • Schwangere und Stillende mit unzureichender Ernährung
  • ältere Menschen mit einseitiger Ernährung

Diagnostik

Ein Riboflavinmangel kann durch die Messung der Erythrozyten-Glutathionreduktase-Aktivität (EGR-Aktivitätskoeffizient) im Blut nachgewiesen werden. Dieser Wert gibt an, in welchem Ausmaß die Enzymaktivität von der Riboflavinzufuhr abhängt. Zusätzlich kann die Riboflavin-Konzentration im Urin oder im Serum gemessen werden.

Supplementierung und medizinische Anwendung

Riboflavin wird als Nahrungsergänzungsmittel und in angereicherten Lebensmitteln eingesetzt. Darüber hinaus wird es in höheren Dosen (bis zu 400 mg/Tag) zur Migräneprophylaxe eingesetzt, wobei klinische Studien eine signifikante Reduktion der Migränehäufigkeit belegen. Als Lebensmittelzusatzstoff wird Riboflavin unter der Bezeichnung E 101 als natürlicher Farbstoff verwendet.

Toxizität und Sicherheit

Riboflavin gilt als sehr gut verträglich. Da es wasserlöslich ist, werden überschüssige Mengen über den Urin ausgeschieden, was die Toxizität erheblich begrenzt. Hohe Zufuhrmengen führen zu einer charakteristischen, harmlosen Gelbfärbung des Urins. Bisher sind keine gesundheitsschädlichen Wirkungen durch sehr hohe Riboflavindosen beim Menschen bekannt. Ein offizieller tolerierbarer oberer Aufnahmewert (UL) wurde von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bisher nicht festgelegt.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Riboflavin (Vitamin B2). www.dge.de
  2. World Health Organization (WHO) & Food and Agriculture Organization (FAO): Human Vitamin and Mineral Requirements. Geneva: WHO, 2004.
  3. Zempleni J, Rucker RB, McCormick DB, Suttie JW (Hrsg.): Handbook of Vitamins, 4. Auflage. CRC Press, Boca Raton, 2007.
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