Wehenschreiber
Was ist ein Wehenschreiber?
Der Wehenschreiber, medizinisch als Cardiotokograph (CTG) bezeichnet, ist ein diagnostisches Gerät, das in der Geburtshilfe und Prenätalmedizin eingesetzt wird. Es zeichnet gleichzeitig zwei wichtige Parameter auf: die Herzfrequenz des ungeborenen Kindes (Kardiotokogramm) und die Wehentätigkeit der Mutter (Tokogramm). Die dabei entstehende grafische Aufzeichnung wird ebenfalls als CTG bezeichnet und liefert wertvolle Informationen über den Zustand des Kindes im Mutterleib.
Wie funktioniert ein Wehenschreiber?
Der Wehenschreiber arbeitet in der Regel mit zwei Messsonden, die mit einem Gurt auf dem Bauch der Schwangeren befestigt werden:
- Ultraschallsonde (Doppler-Sonde): Diese Sonde sendet Ultraschallwellen aus, die vom Herzen des Kindes reflektiert werden. Aus den reflektierten Signalen berechnet das Gerät die Herzfrequenz des Kindes, ausgedrückt in Schlägen pro Minute (bpm).
- Drucksonde (Tokosensor): Diese Sonde misst den Druck auf der Bauchdecke der Mutter und erfasst so die Stärke und Häufigkeit der Wehen.
Beide Messwerte werden in Echtzeit auf einem Papierstreifen oder einem digitalen Bildschirm als Kurven dargestellt und können vom medizinischen Fachpersonal ausgewertet werden.
Wann wird ein Wehenschreiber eingesetzt?
Der Wehenschreiber kommt in verschiedenen Situationen zum Einsatz:
- Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft: Ab der 28. bis 32. Schwangerschaftswoche wird das CTG im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge regelmäßig durchgeführt, um das Wohlbefinden des Kindes zu überwachen.
- Risikoschwaangerschaften: Bei Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, Mehrlingsschwangerschaften oder einer Wachstumsverzögerung des Kindes wird das CTG häufiger eingesetzt.
- Während der Geburt: Unter der Geburt wird das CTG kontinuierlich oder in regelmäßigen Abständen angewendet, um sicherzustellen, dass das Kind den Geburtsvorgang gut toleriert.
- Übertragene Schwangerschaft: Nach dem errechneten Geburtstermin wird das CTG zur Überwachung des Kindes intensiver eingesetzt.
Was zeigt das CTG-Ergebnis?
Das medizinische Fachpersonal bewertet das CTG anhand mehrerer Kriterien:
- Basalfrequenz: Die durchschnittliche Herzfrequenz des Kindes in Ruhe (normal: 110–160 bpm).
- Variabilität: Die natürlichen Schwankungen der Herzfrequenz, die auf ein aktives und gesundes Nervensystem des Kindes hinweisen.
- Akzelerationen: Vorübergehende Anstiege der Herzfrequenz, meist als Zeichen eines wachen und aktiven Kindes.
- Dezelerationen: Vorübergehende Abfälle der Herzfrequenz, die je nach Art und Häufigkeit auf eine Belastung des Kindes hinweisen können.
- Wehenmuster: Häufigkeit, Stärke und Dauer der Wehen.
Ein unauffälliges CTG gilt als Zeichen des Wohlbefindens des Kindes. Ein auffälliges CTG erfordert eine weiterführende Abklärung durch das medizinische Team.
Vorteile und Grenzen des Wehenschreibers
Vorteile
- Nicht-invasive, schmerzlose Untersuchungsmethode
- Kontinuierliche Überwachung des kindlichen Wohlbefindens möglich
- Sofortige Erkennung von Sauerstoffmangel oder Stresssituationen beim Kind
- Einfache Handhabung und schnelle Auswertung
Grenzen
- Interpretationsunterschiede zwischen verschiedenen Beobachtern möglich
- Falsch-positive Befunde können zu unnötigen Eingriffen führen
- Bewegungen des Kindes oder der Mutter können die Aufzeichnung beeinflussen
- Kein vollständiger Ersatz für andere diagnostische Methoden wie Ultraschall oder Blutgasanalyse
Externes und internes CTG
Es gibt zwei Varianten der CTG-Messung:
- Externes CTG: Die Sonden werden auf dem Bauch der Mutter befestigt. Dies ist die gängigste und nicht-invasive Methode.
- Internes CTG: Eine Elektrode wird direkt an der Kopfhaut des Kindes befestigt (nur unter der Geburt möglich, wenn die Fruchtblase bereits geplatzt ist). Diese Methode liefert präzisere Messwerte der kindlichen Herzfrequenz.
Quellen
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Mutterschafts-Richtlinien. Bundesanzeiger Verlag, aktuell gültige Fassung. Verfügbar unter: https://www.g-ba.de
- Schneider H., Husslein P., Schneider K.T.M.: Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg, 2016.
- World Health Organization (WHO): WHO recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int