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Welche Babymilch für welches Alter? Pre, 1er-, 2er-, 3er- und Kindermilch im Vergleich Welche Babymilch für welches Alter? Pre, 1er-, 2er-, 3er- und Kindermilch im Vergleich 2026-08-03T08:17:37+00:00 2026-08-07T12:43:33+00:00

Welche Babymilch für welches Alter? Pre, 1er-, 2er-, 3er- und Kindermilch im Vergleich

Für Säuglinge ist Muttermilch die von Fachgesellschaften empfohlene natürliche Ernährung und enthält alle wichtigen Nährstoffe sowie bioaktive Komponenten, die die Entwicklung des Kindes unterstützen. Dennoch gibt es zahlreiche Situationen, in denen Mütter nicht oder nicht ausschließlich stillen können oder möchten. Wer vor den Regalen im Supermarkt oder in der Drogerie steht, sieht sich hier schnell mit einer schier endlosen Auswahl an Milchpulvern konfrontiert. Dieser Artikel gibt einen fundierten Überblick über die verschiedenen Arten von Babymilch und deren Einsatzbereiche. 

Pre-Nahrung: Babymilch ab der Geburt

Die Pre-Nahrung ist die am stärksten an die Zusammensetzung der Muttermilch angepasste Säuglingsanfangsnahrung. Sie ist direkt ab der Geburt geeignet und kann während des gesamten ersten Lebensjahres gegeben werden.

Was zeichnet Pre-Nahrung aus?

Das entscheidende Merkmal der Pre-Nahrung liegt in der Kohlenhydratquelle: Als einziges enthaltenes Kohlenhydrat dient ausschließlich Laktose (Milchzucker), genau wie in der natürlichen Muttermilch. Pre-Nahrung enthält keinerlei andere Kohlenhydrate wie Stärke, Maltodextrin oder Saccharose. Zudem wurde der Eiweißgehalt moderner Säuglingsnahrungen reduziert, um die Zusammensetzung stärker an die Muttermilch anzupassen und eine übermäßig hohe Proteinzufuhr zu vermeiden (EFSA, 2014).

Wann ist Pre-Nahrung geeignet?

Wissenschaftliche Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie das Netzwerk „Gesund ins Leben” empfehlen Pre-Nahrung als bevorzugte Anfangsnahrung, wenn kein Stillen möglich ist. Da Laktose der einzige enthaltene Zucker ist, kann Pre-Nahrung wie Muttermilch ganz nach Bedarf gefüttert werden. Eltern können sich dabei an den Hunger- und Sättigungssignalen ihres Babys sowie an den Zubereitungs- und Dosierungshinweisen des Herstellers orientieren.

1er-Nahrung: Unterschiede zur Pre-Nahrung

Neben der Pre-Nahrung gehört auch die 1er-Milch zur Kategorie der Säuglingsanfangsnahrung und kann grundsätzlich ebenfalls ab der Geburt gefüttert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Pre- und 1er-Milch?

Der zentrale Unterschied zwischen Pre- und 1er-Milch betrifft die Kohlenhydrate. Während Pre-Nahrung ausschließlich Laktose enthält, darf 1er-Nahrung zusätzlich andere Kohlenhydrate enthalten – im Wesentlichen glutenfreie Stärke. Durch den Zusatz von Stärke wird die Milch etwas sämiger und verändert ihr Fließverhalten in der Flasche. Der Gesamtkaloriengehalt von 1er-Nahrung unterscheidet sich kaum von Pre-Nahrung, da die Europäische Union die maximale Energiedichte für Säuglingsanfangsnahrung strikt eingrenzt (60 bis 70 kcal/100 ml). 

2er-Nahrung: Folgenahrung für die Beikostphase

Ab dem sechsten Lebensmonat rückt neben Pre- und 1er-Nahrung auch die sogenannte 2er-Milch, also Folgenahrung, in den Fokus vieler Eltern. Sie wird als Milchoption für die Beikostphase angeboten.

Laut Gesetzgeber darf 2er-Milch frühestens ab dem 5. Lebensmonat (nach dem vollendeten 4. Monat) eingesetzt werden, während medizinische Leitlinien den Start meist erst ab dem vollendeten 6. Lebensmonat empfehlen – und zwar in beiden Fällen ausdrücklich nur im Zusammenhang mit einer bereits eingeführten Beikost (EU, 2016; EFSA, 2014).

Zusammensetzung und Eigenschaften von 2er-Folgemilch

Im Vergleich zur Anfangsnahrung unterscheidet sich 2er-Folgenahrung in mehreren Aspekten:

  • Höherer Gehalt an Mikronährstoffen (wie Eisen): 2er-Folgemilch weist im Vergleich zu Anfangsnahrung (Pre/1) eine gesetzlich vorgeschriebene höhere Mindestkonzentration an Eisen auf. Damit ist ihre Zusammensetzung auf die Ernährungsphase nach Einführung der Beikost abgestimmt.
  • Zusatz von Stärke und weiteren Kohlenhydraten: Während Pre-Nahrung ausschließlich Milchzucker (Laktose) enthält, können Folgemilchprodukte je nach Rezeptur weitere Kohlenhydrate wie Stärke oder Maltodextrin enthalten.

Entscheiden sich Eltern für eine Folgemilch, lohnt sich daher ein genauer Blick auf die jeweilige Zusammensetzung und die individuellen Bedürfnisse des Kindes.

3er-Nahrung: Milchoption ab dem 10. Monat

3er-Nahrungen schließen typischerweise ab dem 10. bis 12. Lebensmonat an die 2er-Folgenahrung an. Ihre Zusammensetzung ist auf eine Phase abgestimmt, in der Beikost beziehungsweise Familienkost bereits einen zunehmenden Anteil der Ernährung ausmacht. Je nach Produkt kann 3er-Milch neben Laktose weitere Kohlenhydrate wie Stärke oder Maltodextrin enthalten.

Ist 3er-Milch notwendig oder sinnvoll?

Ein wissenschaftlicher Vorteil von 3er-Nahrung gegenüber anderen geeigneten Milchoptionen ist allgemein nicht belegt. Fachgesellschaften sehen daher keinen allgemeinen Bedarf für den routinemäßigen Einsatz. Das bedeutet jedoch nicht, dass 3er-Nahrung grundsätzlich ungeeignet ist. Sie stellt vielmehr eine optionale Milchlösung für Familien dar, die nach dem 10. Lebensmonat eine altersgerechte Folgemilch verwenden möchten.

Unabhängig von der jeweiligen Milchstufe können sich Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen in ihrer Rezeptur unterscheiden. Je nach Produkt können beispielsweise Lactoferrin, MFGM, GOS/FOS, Nukleotide oder weitere Milchbestandteile enthalten sein. Solche Zusätze sind nicht gesetzlich für alle Produkte vorgeschrieben und stellen daher mögliche Unterscheidungsmerkmale einzelner Rezepturen dar.

Kindermilch ab 1 Jahr: Zusammensetzung und Einsatz

Für Kleinkinder ab dem ersten Geburtstag wird im Handel eine Vielzahl sogenannter Kindermilch-Produkte angeboten, die häufig als Kindermilch 1+ ab einem Jahr oder 2+ ab zwei Jahren gekennzeichnet sind.

Kindermilch ab 1 Jahr ist keine Säuglingsnahrung mehr, sondern fällt unter die Kategorie der Lebensmittel für Kleinkinder. Im Vergleich zu herkömmlicher Kuhmilch wird Kindermilch industriell verändert: Der Eiweißgehalt wird abgesenkt, während Mikronährstoffe wie Eisen, Vitamin D, Jod und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3) angereichert werden.

Ist Kindermilch ab 1 Jahr notwendig?

Kindermilch ist für ein gesundes Kleinkind bei einer abwechslungsreichen, ausgewogenen Familienkost nicht notwendig (Theurich et al., 2016). Kleinkinder ab einem Jahr können ihren Nährstoffbedarf vollständig über die normale Familienernährung und gewöhnliche Kuhmilch, Muttermilch oder gegebenenfalls weiterhin verwendete Säuglingsanfangsnahrung decken. Ob sie im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt unter anderem von der übrigen Ernährung und der Versorgung mit einzelnen Nährstoffen ab.

Pre-, 1er-, 2er-, 3er- und Kindermilch im Vergleich

Zur besseren Übersicht fasst die folgende Tabelle die wichtigsten Eigenschaften aller Milcharten im Vergleich zusammen:

Produktart
Alter
Hauptmerkmale
Einordnung
Pre-Nahrung
Ab Geburt (0+ Monate), gesamtes 1. Lebensjahr
Ausschließlich Laktose als Kohlenhydrat; dünnflüssig; Eiweißgehalt stark an Muttermilch angepasst.
Von Fachgesellschaften bevorzugte Anfangsnahrung; kann nach Bedarf gefüttert werden und auch während der Beikostphase beibehalten werden.
1er-Nahrung
Ab Geburt (0+ Monate), gesamtes 1. Lebensjahr
Enthält Laktose plus je nach Rezeptur zugesetzte Stärke; etwas sämiger; gleicher Energierahmen wie Pre.
Zulässige Alternative zur Pre-Nahrung.
2er-Milch
Nach Einführung der Beikost; gemäß Anbieterangabe und gesetzlichen Altersvorgaben
Enthält Laktose und je nach Rezeptur Stärke oder weitere Kohlenhydrate; höherer Eisengehalt; verändertes Eiweißprofil.
Optionale Folgenahrung für die Beikostphase; Pre-Nahrung kann alternativ weitergegeben werden.
3er-Milch
Ab ca. 10. Lebensmonat
Auf die spätere Beikost- und Übergangsphase ausgerichtet; kann je nach Rezeptur weitere Kohlenhydrate und ergänzende Nährstoffe enthalten.
Optionale Folgemilch; ein allgemeiner ernährungsphysiologischer Zusatznutzen gegenüber anderen geeigneten Milchoptionen ist bislang nicht belegt.
Kindermilch
Ab 1 Jahr (12+ Monate)
Proteingehalt im Vergleich zu Kuhmilch gesenkt; angereichert mit Vitamin D, Eisen, Omega-3.
Bei ausgewogener Familienkost in der Regel nicht erforderlich, aber je nach Ernährungssituation als ergänzende Option erhältlich.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., & Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V. (2025). S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung (AWMF-Registernummer 027-072, Version 1.0). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072

EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). (2014). Scientific Opinion on the essential composition of infant and follow-on formulae. EFSA Journal, 12(7), 3760. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2014.3760 

European Commission. (2016). Commission Delegated Regulation (EU) 2016/127 of 25 September 2015 supplementing Regulation (EU) No 609/2013 of the European Parliament and of the Council as regards the specific compositional and information requirements for infant formula and follow-on formula and as regards requirements on information relating to infant and young child feeding. Official Journal of the European Union, L 25, 1–29. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0127

Koletzko, B., Bauer, C.-P., Cierpka, M., Cremer, M., Flothkötter, M., Graf, C., Heindl, I., Hellmers, C., Kersting, M., Krawinkel, M., Przyrembel, H., Vetter, K., Weißenborn, A., & Wöckel, A. (2016). Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen: Aktualisierte Handlungsempfehlungen von „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“, eine Initiative von IN FORM. Monatsschrift Kinderheilkunde, 164(9), 771–798. https://doi.org/10.1007/s00112-016-0147-2

Netzwerk Gesund ins Leben. (2024). Säuglingsernährung: Handlungsempfehlungen für die Ernährung von Säuglingen und Stillenden. Bundeszentrum für Ernährung. https://www.gesund-ins-leben.de

Theurich, M. A., Grote, V., Koletzko, B., & ESPGHAN Committee on Nutrition. (2016). Young child formula: A position paper by the ESPGHAN Committee on Nutrition. Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 62(1), 177–182. https://doi.org/10.1097/MPG.0000000000000971

World Health Organization. (2023). WHO guideline for complementary feeding of infants and young children 6–23 months of age. World Health Organization. https://www.who.int/publications/i/item/9789240081864

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