21 SSW
Die 21. Schwangerschaftswoche (21 SSW) im Überblick
Die 21. Schwangerschaftswoche (21 SSW) gehört zum zweiten Trimester der Schwangerschaft und liegt kurz hinter der Mitte der gesamten Schwangerschaftsdauer. Das Ungeborene hat zu diesem Zeitpunkt eine Scheitel-Steiß-Länge von etwa 26–27 cm und wiegt rund 350–400 Gramm. Viele werdende Mütter erleben die 21 SSW als eine besonders schöne Phase, da Beschwerden des ersten Trimesters meist nachlassen und der Bauch sichtbar wächst.
Entwicklung des Babys in der 21 SSW
In der 21. Schwangerschaftswoche macht das Baby beeindruckende Entwicklungsfortschritte. Die wichtigsten Meilensteine sind:
- Bewegungen: Die meisten Schwangeren spüren nun deutlich die Kindsbewegungen, die sogenannten Kindsbewegungen oder "Quickening". Das Baby streckt sich, dreht sich und tritt.
- Sinnesorgane: Die Augen sind zwar noch geschlossen, aber das Baby kann bereits auf Licht reagieren. Das Gehör ist ebenfalls gut entwickelt – das Ungeborene nimmt Stimmen und Geräusche aus der Umgebung wahr.
- Haut: Die Haut ist noch dünn und durchsichtig. Sie wird von einer weißlichen Schutzschicht, dem sogenannten Vernix caseosa (Käseschmiere), bedeckt, die die Haut vor dem Fruchtwasser schützt.
- Verdauungssystem: Das Verdauungssystem reift weiter. Das Baby schluckt Fruchtwasser und übt so die Funktion des Magen-Darm-Trakts.
- Gehirn: Die Gehirnentwicklung schreitet rasch voran. Nervenzellen werden gebildet und verknüpft.
- Geschlecht: Das Geschlecht des Kindes ist bei einem Ultraschall in der Regel gut erkennbar, sofern das Baby eine günstige Lage einnimmt.
Veränderungen im Körper der Mutter
Auch der Körper der Mutter verändert sich in der 21 SSW weiter spürbar:
- Bauchumfang: Der Bauch ist nun klar sichtbar. Der Uterus reicht etwa bis in Höhe des Bauchnabels.
- Gewichtszunahme: Eine Gewichtszunahme von insgesamt 5–7 kg bis zur 21. SSW ist typisch und medizinisch unbedenklich.
- Rückenschmerzen: Durch das wachsende Gewicht können leichte Rückenschmerzen auftreten. Leichte Bewegung und rückenschonende Haltung helfen.
- Schwangerschaftsstreifen: Die Haut dehnt sich aus, was bei manchen Frauen zu Schwangerschaftsstreifen (Striae gravidarum) führen kann.
- Sodbrennen: Der wachsende Uterus drückt auf den Magen, was Sodbrennen verstärken kann.
- Schwindel: Kreislaufbeschwerden und gelegentlicher Schwindel sind in dieser Phase nicht ungewöhnlich.
Vorsorgeuntersuchungen in der 21 SSW
Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge sind in dieser Phase folgende Untersuchungen relevant:
- Großer Ultraschall (2. Screening, ca. 19.–22. SSW): Das sogenannte Feinultraschall oder Organscreening wird in der Regel zwischen der 19. und 22. SSW durchgeführt. Dabei werden die inneren Organe des Kindes, die Plazenta, die Fruchtwassermenge sowie das Wachstum des Babys detailliert beurteilt.
- Blutdruckmessung: Regelmäßige Blutdruckkontrollen sind wichtig, um frühzeitig eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) zu erkennen.
- Urinuntersuchung: Kontrolle auf Eiweiß, Zucker und Keime im Urin.
- Gewichts- und Bauchumfangskontrolle: Zur Überwachung der regelmäßigen Gewichtszunahme und des Wachstums des Uterus.
Ernährung und Lebensstil in der 21 SSW
Eine ausgewogene Ernährung ist in der Schwangerschaft besonders wichtig. Folgende Nährstoffe sind in der 21 SSW besonders relevant:
- Folat (Folsäure): Weiterhin wichtig für die Entwicklung des Nervensystems des Kindes.
- Eisen: Das Blutvolumen der Mutter steigt, weshalb der Eisenbedarf erhöht ist. Empfohlen werden eisenreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Hülsenfrüchte und Spinat.
- Kalzium: Für den Knochenaufbau des Babys essenziell. Gute Quellen sind Milchprodukte, grünes Gemüse und Nüsse.
- Omega-3-Fettsäuren: Fördern die Gehirnentwicklung des Kindes. Enthalten in fettem Fisch, Leinsamen und Walnussöl.
- Jod: Wichtig für die Schilddrüsenfunktion und die Gehirnentwicklung des Kindes.
Auf Alkohol, Nikotin und rohe oder nicht durchgegarte Lebensmittel sollte weiterhin konsequent verzichtet werden. Regelmäßige, moderate Bewegung wie Schwimmen, Spazierengänge oder Schwangerschaftsyoga ist empfehlenswert.
Mögliche Beschwerden und wann zum Arzt
Manche Beschwerden in der 21 SSW sind normal, andere können auf Komplikationen hinweisen. Sofort ärztliche Hilfe sollte in folgenden Fällen gesucht werden:
- Starke oder anhaltende Unterleibsschmerzen
- Vaginale Blutungen
- Plötzliches Nachlassen der Kindsbewegungen
- Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder plötzliche Schwellungen (mögliche Zeichen einer Präeklampsie)
- Flüssigkeitsaustritt aus der Scheide (möglicher frühzeitiger Blasensprung)
- Fieber über 38 °C
Quellen
- Stiefel, A. et al. (Hrsg.) - Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf, 5. Auflage, Hippokrates Verlag, Stuttgart 2013.
- World Health Organization (WHO) - WHO recommendations on antenatal care for a positive pregnancy experience, WHO Press, Genf 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549912
- Schneider, H. et al. (Hrsg.) - Die Geburtshilfe, 5. Auflage, Springer Medizin Verlag, Berlin 2016.