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Blasensprung

Was ist ein Blasensprung?

Als Blasensprung bezeichnet man das Reißen der Fruchtblase (Amnionblase), die das ungeborene Kind im Mutterleib umhüllt und schützt. Durch den Riss tritt Fruchtwasser (Amnionflüssigkeit) aus der Scheide aus. Der Blasensprung ist ein bedeutsames Ereignis in der Schwangerschaft und kündigt häufig den Beginn der Geburt an. Je nach Zeitpunkt des Auftretens wird zwischen verschiedenen Formen unterschieden.

Arten des Blasensprungs

  • Rechtzeitiger Blasensprung: Tritt während der Eroöffnungsphase der Geburt bei vollständig geöffnetem oder sich öffnendem Muttermund auf. Dies gilt als physiologisch normal.
  • Frühzeitiger Blasensprung: Ereignet sich vor Beginn der Wehen, jedoch nach der 37. Schwangerschaftswoche (SSW). Die Geburt setzt danach meist innerhalb von 24 Stunden ein.
  • Vorzeitiger Blasensprung (PROM – Premature Rupture of Membranes): Tritt vor der 37. SSW auf und wird auch als frühzeitiger vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Dieser Fall erfordert besondere medizinische Überwachung, da Komplikationen für Mutter und Kind entstehen können.
  • Hoher Blasensprung: Das Riss liegt weit oben, sodass das Fruchtwasser nur langsam und in kleinen Mengen austritt. Dieser kann mit einem verstärkten vaginalen Ausfluss verwechselt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Der Blasensprung ist in vielen Fällen ein natürlicher Teil des Geburtsprozesses. Dennoch gibt es Faktoren, die das Risiko eines vorzeitigen Blasensprungs erhöhen:

  • Vaginale oder gebärmutterhalsbezogene Infektionen (z. B. Bakterielle Vaginose)
  • Frühere Frühgeburten in vorherigen Schwangerschaften
  • Mehrlingsschwangerschaft oder Überdehnung der Gebärmutter
  • Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz)
  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Mangel an bestimmten Nährstoffen (z. B. Vitamin C, Zink)
  • Vorangegangene Eingriffe am Gebärmutterhals

Symptome und Erkennung

Das typische Zeichen eines Blasensprungs ist der plötzliche, unkontrollierbare Abgang von Flüssigkeit aus der Scheide. Das Fruchtwasser ist in der Regel:

  • Klar bis leicht gelblich gefärbt
  • Geruchlos oder leicht süßlich riechend
  • Nicht aufhaltbar (im Gegensatz zu Urin)

Ist das Fruchtwasser grün oder braun gefärbt, kann dies auf Mekoniumbeimengung (erstes Stuhlgäng des Kindes) hinweisen und erfordert sofortige ärztliche Abklärung. Blutbeimengungen im Fruchtwasser sind ebenfalls ein Warnsignal.

Diagnose

Die Diagnose eines Blasensprungs erfolgt durch den Frauenarzt oder die Hebamme mithilfe verschiedener Untersuchungen:

  • Spekulumuntersuchung: Sichtbare Flüssigkeit in der Scheide oder am Muttermund
  • pH-Wert-Messung: Fruchtwasser hat einen basischen pH-Wert (etwa 7,0–7,5), während das vaginale Milieu sauer ist
  • Farnkrauttest (Ferning-Test): Getrocknetes Fruchtwasser zeigt unter dem Mikroskop ein charakteristisches Farnkrautmuster
  • Amniocheck / Amnioquick-Test: Schnelltest zur Erkennung von Proteinen, die spezifisch im Fruchtwasser vorkommen (z. B. PAMG-1 oder IGFBP-1)
  • Ultraschall: Beurteilung der Fruchtwassermenge (Oligohydramnion als Hinweis auf Fruchtwasserverlust)

Behandlung und Vorgehen

Das weitere Vorgehen nach einem Blasensprung hängt stark vom Zeitpunkt der Schwangerschaft und dem Zustand von Mutter und Kind ab:

Blasensprung am Termin (ab 37. SSW)

Erfolgt kein spontaner Wehenbeginn innerhalb von 12–24 Stunden, wird in der Regel eine Geburtseinleitung empfohlen, um das Infektionsrisiko (Chorioamnionitis) zu minimieren.

Vorzeitiger Blasensprung (vor 37. SSW)

Bei einem Blasensprung vor dem errechneten Geburtstermin stehen folgende Maßnahmen im Vordergrund:

  • stationäre Überwachung in einer Klinik mit geburtshilflicher Intensivstation
  • Gabe von Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen
  • Gabe von Kortikosteroiden (z. B. Betamethason) zur Lungenreifung des Kindes bei Schwangerschaften vor der 34. SSW
  • Wehenhemmende Medikamente (Tokolytika) bei Bedarf
  • Engmaschige Kontrolle mittels CTG und Ultraschall

Mögliche Komplikationen

  • Chorioamnionitis: Infektion der Fruchtblase und des Fruchtwassers, die für Mutter und Kind gefährlich sein kann
  • Nabelschnurvorfall: Die Nabelschnur gleitet vor den kindlichen Körperteil, was die Versorgung des Kindes gefährdet
  • Frühgeburt mit möglichen Folgen für die kindliche Entwicklung
  • Plazentaabloesung

Wann sofort ärztliche Hilfe aufsuchen?

Schwangere sollten sofort eine Klinik aufsuchen oder den Notarzt rufen, wenn:

  • Flüssigkeit aus der Scheide austritt (auch wenn nur geringe Mengen)
  • Das Fruchtwasser grün, braun oder blutig verfärbt ist
  • Fieber, Schmerzen oder unwohlsein besteht
  • Die Kindsbewegungen nachlassen

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie zum vorzeitigen Blasensprung, 2020. Verfügbar unter: www.dggg.de
  2. World Health Organization (WHO): WHO Recommendations for Induction of Labour. Geneva: WHO Press, 2011.
  3. Medis Fachverlag: Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage. De Gruyter, 2020.
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