Wassergeburt
Was ist eine Wassergeburt?
Bei einer Wassergeburt verbringt die gebärende Frau einen Teil oder die gesamte Geburt in einem speziellen Geburtsbecken oder einer großen Badewanne, die mit warmem Wasser gefüllt ist. Das Wasser hat dabei in der Regel eine Temperatur zwischen 36 und 37 Grad Celsius, was der Körpertemperatur entspricht und als besonders angenehm empfunden wird. Die Wassergeburt zählt zu den sanften, naturnahen Geburtsmethoden und wird in vielen Geburtskliniken sowie Geburtshäusern angeboten.
Es kann unterschieden werden, ob die Frau lediglich die Wehen im Wasser verbringt und das Becken für die eigentliche Entbindung verlässt, oder ob das Kind tatsächlich unter Wasser geboren wird. Beide Varianten werden häufig als Wassergeburt bezeichnet.
Wie funktioniert eine Wassergeburt?
Das warme Wasser hat mehrere positive Auswirkungen auf den Geburtsverlauf:
- Schmerzlinderung: Die Wärme des Wassers entspannt die Muskulatur und kann Wehenschmerzen deutlich lindern, ähnlich wie ein warmes Bad bei Muskelschmerzen wirkt.
- Auftrieb und Bewegungsfreiheit: Das Wasser erleichtert Positionswechsel und gibt der Frau mehr Bewegungsfreiheit, was eine aktivere Beteiligung am Geburtsgeschehen ermöglicht.
- Entspannung: Die ruhige, warme Umgebung fördert die Ausschüttung von Endorphinen und kann Stress sowie Ängste reduzieren.
- Schutz des Dämmbereichs: Das Wasser macht das Gewebe elastischer und kann das Risiko von Dämmrissen verringern.
Wann ist eine Wassergeburt geeignet?
Eine Wassergeburt eignet sich für gesunde Schwangere mit einer unkomplizierten, termingerechten Schwangerschaft und einem Kind in Schädellage. Die Entscheidung wird immer gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal getroffen.
Mögliche Vorteile
- Natürliche Schmerzlinderung ohne Medikamente
- Vermöglichung eines selbstbestimmten Geburtserlebnisses
- Geringerer Einsatz von Schmerzmitteln oder Oxytocin möglicherweise erforderlich
- Sanfterer Übergang für das Neugeborene durch die wasserangehnahme Umgebung
Kontraindikationen
Nicht jede Geburt eignet sich für eine Wassergeburt. Es gibt bestimmte Situationen, in denen von einer Wassergeburt abgeraten wird:
- Frühgeburt (vor der 37. Schwangerschaftswoche)
- Beckenendlage oder andere Fehllagen des Kindes
- Mehrlingsschwangerschaft
- Präeklampsie oder andere schwangerschaftsbedingte Erkrankungen der Mutter
- Infektionen der Mutter, die durch das Wasser übertragen werden könnten
- Starke fetale Herztonveränderungen, die eine kontinuierliche Überwachung erfordern
- Mekoniumhaltiges Fruchtwasser
Sicherheit für das Neugeborene
Ein häufig genanntes Bedenken betrifft die Sicherheit des Neugeborenen beim Eintauchen in das Wasser. Medizinisch ist bekannt, dass Neugeborene beim Geburtsvorgang keinen eigenständigen Atemreflex unter Wasser auslösen, solange sie noch im Geburtskanal sind oder kurz nach dem Austritt noch keine Luft geatmet haben. Das Kind wird unmittelbar nach der Geburt an die Wasseroberfläche gehoben.
Studien zeigen, dass bei sorgfältiger Auswahl der geeigneten Fälle und Überwachung durch geschultes medizinisches Personal die Wassergeburt eine sichere Option darstellt. Dennoch empfehlen einige Fachgesellschaften, sie nur unter strikten Bedingungen durchzuführen.
Praktische Hinweise zur Vorbereitung
Schwangere, die eine Wassergeburt in Betracht ziehen, sollten frühzeitig mit ihrer Hebamme oder ihrem Geburtsmediziner sprechen. Folgende Punkte sind bei der Planung wichtig:
- Verfügbarkeit eines Geburtsbeckens in der gewünschten Einrichtung klären
- Anwesenheit einer erfahrenen Hebamme sicherstellen
- Möglichkeit eines schnellen Wechsels zur konventionellen Entbindung besprechen
- Geburtsplan entsprechend anpassen
Quellen
- Cluett ER, Burns E, Cuthbert A. Immersion in water during labour and birth. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2018;5:CD000111. Verfügbar unter: https://www.cochranelibrary.com
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / Bundesministerium für Gesundheit: Leitlinien zur Geburtsbegleitung. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG): Immersion in Water During Labour and Birth. Joint Statement with the Royal College of Midwives, 2023. Verfügbar unter: https://www.rcog.org.uk