BLW
Was ist BLW (Baby-led Weaning)?
BLW steht für Baby-led Weaning (auf Deutsch: babygeleitete Beikost) und bezeichnet eine Methode der Beikosteinführung, bei der das Baby ab etwa dem 6. Lebensmonat selbständig geeignete Lebensmittel greift, erkundet und isst. Anstatt Brei zu löffeln, erhält das Kind von Anfang an weich gegarte oder natürlich weiche Lebensmittel in fingergroßen Stücken und bestimmt selbst, wie viel es davon zu sich nimmt. Der Begriff wurde maßgeblich durch die britische Hebamme und Autorin Gill Rapley geprägt.
Wann ist BLW geeignet?
BLW eignet sich ab dem vollendeten 6. Lebensmonat, wenn das Baby bestimmte Entwicklungszeichen zeigt, die auf seine Bereitschaft zur Beikost hinweisen:
- Das Baby kann aufrecht sitzen (mit Unterstützung).
- Es kann Gegenstände greifen und zum Mund führen.
- Der sogenannte Zungenstoßreflex (Herausstoßen von Fremdmaterial aus dem Mund) hat sich zurückgebildet.
- Das Baby zeigt Interesse an Lebensmitteln.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt ausschließliches Stillen für die ersten 6 Monate und die anschließende Einführung von Beikost. BLW fügt sich in diesen Rahmen gut ein.
Wie funktioniert BLW?
Beim BLW wird das Baby in den Familienalltag integriert und nimmt gemeinsam mit den Eltern an den Mahlzeiten teil. Die Grundprinzipien sind:
- Fingerfoods statt Brei: Das Kind bekommt weiche, kindgerecht zubereitete Lebensmittel in handlichen Stücken angeboten.
- Selbstbestimmung: Das Baby entscheidet selbst, was und wie viel es isst. Eltern bieten an, drängen aber nicht.
- Gemeinsame Mahlzeiten: Das gemeinsame Essen am Tisch ist ein wichtiges soziales Element.
- Keine Ablenkung: Das Baby sollte beim Essen nicht allein gelassen werden und stets beaufsichtigt werden.
Geeignete Lebensmittel für BLW
Beim BLW können viele Lebensmittel angeboten werden, sofern sie altersgerecht zubereitet und weich genug sind:
- Gemüse: Weich gegarte Karotten, Brokkoli, Zucchini, Süßkartoffel
- Obst: Reife Banane, Avocado, weiches Birnenspalten, Melone
- Getreide: Weiche Pasta, weiches Brot, Haferbrei in Fingerfood-Form
- Protein: Weiches Fleisch, Fisch (ohne Gräten), Eier, Hülsenfrüchte
- Milchprodukte: Naturjoghurt, weicher Käse (ohne Rohmilch)
Lebensmittel, die im ersten Lebensjahr vermieden werden sollten:
- Honig (Botulismus-Risiko)
- Salz und Zucker in großen Mengen
- Harte, kleine, runde Lebensmittel wie ganze Nüsse oder rohe Karotten (Erstickungsrisiko)
- Rohe Eier und Rohmilchprodukte
Vorteile von BLW
Studien und klinische Beobachtungen deuten auf verschiedene potenzielle Vorteile des BLW hin:
- Förderung der Selbstregulation: Babys lernen früh, auf ihre eigenen Hunger- und Sättigungssignale zu achten, was langfristig das Risiko von Übergewicht reduzieren könnte.
- Motorische Entwicklung: Das Greifen und Essen fördert die Fein- und Grobmotorik sowie die Hand-Mund-Koordination.
- Akzeptanz verschiedener Lebensmittel: Babys, die mit BLW aufwachsen, sind möglicherweise offener gegenüber verschiedenen Texturen und Geschmacksrichtungen.
- Familienintegration: Das gemeinsame Essen stärkt soziale Bindungen und macht Mahlzeiten zu einem positiven Erlebnis.
- Zeitersparnis für Eltern: Kein separates Breizubereiten nötig.
Mögliche Herausforderungen und Sicherheit
BLW bringt auch Herausforderungen mit sich, über die Eltern informiert sein sollten:
- Würgen vs. Verschlucken: Würgen ist ein normaler Schutzreflex bei Babys und sollte nicht mit gefährlichem Verschlucken verwechselt werden. Dennoch sollten Eltern stets beaufsichtigen.
- Unordnung: BLW kann sehr unordentlich sein, da Babys das Essen erkunden.
- Nährstoffversorgung: Eltern sollten sicherstellen, dass das Baby ausreichend Eisen und andere wichtige Nährstoffe erhält, da die aufgenommene Menge anfänglich gering ist. Muttermilch oder Formulanahrung bleibt im ersten Jahr die Hauptnahrungsquelle.
- Nicht geeignet für alle Babys: Babys mit bestimmten Entwicklungsverzögerungen oder medizinischen Zuständen sollten individuell beurteilt werden.
BLW und Ernährungsempfehlungen
BLW wird von vielen Kinderernährungsexperten, Kinderernährungsgesellschaften und Pädiatern als sichere und sinnvolle Methode der Beikosteinführung anerkannt, sofern sie korrekt durchgeführt wird. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass BLW und traditionelle Breibeikost keine Gegensätze sein müssen. Viele Familien kombinieren beide Ansätze nach den Bedürfnissen ihres Kindes. Eltern sollten sich vor der Einführung von Beikost von einem Pädiater oder einer Hebamme beraten lassen.
Quellen
- Rapley, G. & Murkett, T. (2008). Baby-led Weaning: Helping Your Baby to Love Good Food. Vermilion, London.
- World Health Organization (WHO). (2023). Infant and young child feeding. Abgerufen von: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
- Cameron, S. L., Heath, A. L., & Taylor, R. W. (2012). How Feasible is Baby-led Weaning as an Approach to Infant Feeding? A Review of the Evidence. Nutrients, 4(11), 1575-1609. doi:10.3390/nu4111575