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Muttermilch

Was ist Muttermilch?

Muttermilch ist die von den Brustdrüsen der Mutter produzierte Flüssigkeit, die speziell auf die Bedürfnisse von Neugeborenen und Säuglingen abgestimmt ist. Sie gilt weltweit als die ideale Ernährung für Säuglinge und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als optimale Nahrungsquelle für die ersten Lebensmonate empfohlen. Muttermilch ist ein lebendiges biologisches Produkt, das sich dynamisch an den Entwicklungsstand und die Bedürfnisse des Kindes anpasst.

Zusammensetzung der Muttermilch

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist außergewöhnlich komplex und enthält eine Vielzahl wichtiger Bestandteile:

  • Proteine: Molkenproteine und Kasein in einem kindgerechten Verhältnis, leicht verdaulich und ideal für das Wachstum des Säuglings.
  • Fette: Langkettige ungesättigte Fettsäuren, insbesondere DHA (Docosahexaensäure), die für die Gehirn- und Augenentwicklung entscheidend sind.
  • Kohlenhydrate: Laktose als Hauptkohlenhydrat sowie Humanmilcholigosaccharide (HMO), die das Wachstum nützlicher Darmbakterien fördern.
  • Vitamine und Mineralstoffe: Alle für den Säugling notwendigen Mikronährstoffe, angepasst an den jeweiligen Entwicklungsstand.
  • Immunglobuline und Antikörper: Schutzstoffe, die das Immunsystem des Kindes unterstützen und vor Infektionen schützen.
  • Wachstumsfaktoren und Hormone: Fördern die gesunde Entwicklung von Organen und Geweben.
  • Lebende Immunzellen: Leukozyten und andere Immunzellen, die aktiv zum Infektionsschutz beitragen.

Phasen der Muttermilch

Die Muttermilch verändert sich in ihrer Zusammensetzung im Verlauf der Stillzeit:

Kolostrum (Erstmilch)

Kolostrum wird in den ersten Tagen nach der Geburt produziert. Es ist besonders reichhaltig an Antikörpern, Immunglobulinen und Wachstumsfaktoren. Diese goldgelbe Flüssigkeit wird oft als "erstes Vakzin" des Kindes bezeichnet, da sie einen starken Schutz gegen Infektionen bietet und die Darmreifung des Neugeborenen unterstützt.

Übergangsmilch

Etwa ab dem 4. bis 14. Tag nach der Geburt produziert der Körper die sogenannte Übergangsmilch. Der Gehalt an Immunglobulinen nimmt ab, während Fett- und Laktosegehalt zunehmen, um den steigenden Energiebedarf des Säuglings zu decken.

Reife Muttermilch

Ab etwa der dritten Woche nach der Geburt wird die reife Muttermilch produziert, die den Säugling über viele Monate optimal ernähren kann. Auch innerhalb einer Stillmahlzeit verändert sich die Zusammensetzung: Die sogenannte Vordermilch ist wässeriger und stillt den Durst, während die Hintermilch fettreicher ist und den Hunger sattigt.

Gesundheitliche Vorteile für das Kind

Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen die Vorteile des Stillens für die Gesundheit des Säuglings:

  • Verringertes Risiko für Infektionen der Atemwege, des Magen-Darm-Trakts und des Mittelohrs
  • Schutz vor dem plötzlichen Kindstod (SIDS)
  • Unterstützung einer gesunden Darmflora (Mikrobiom)
  • Niedrigeres Risiko für die Entwicklung von Allergien und Asthma
  • Bessere kognitive Entwicklung und höhere Intelligenzwerte im Kindesalter
  • Vermindertes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes im späteren Leben

Gesundheitliche Vorteile für die Mutter

Auch die stillende Mutter profitiert von der Laktation:

  • Förderung der Gebärmutterrückbildung nach der Geburt
  • Verringertes Risiko für Brustkrebs und Eierstockkrebs
  • Unterstützung bei der Gew&ichtsnormalisierung nach der Schwangerschaft
  • Emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind (Bonding)
  • Langfristig niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Empfehlungen zum Stillen

Die WHO und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) empfehlen:

  • Ausschließliches Stillen für die ersten 6 Monate nach der Geburt, ohne Ergänzung durch andere Flüssigkeiten oder Nahrungsmittel.
  • Weiterführendes Stillen bis zum Alter von 2 Jahren oder darüber hinaus, begleitend zur Einführung von Beikost ab dem 6. Monat.

Vitamin-D-Ergänzung

Muttermilch enthält nur geringe Mengen an Vitamin D. Da Säuglinge durch ihre empfindliche Haut nicht ausreichend der Sonne ausgesetzt werden sollten, empfehlen Pädiater in Deutschland die tägliche Gabe eines Vitamin-D-Präparats (400-500 IE) ab der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres, unabhängig davon, ob das Kind gestillt wird oder nicht.

Abstillen und Alternativen

Wenn Stillen nicht möglich oder nicht gewünscht ist, stehen industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrungen zur Verfügung, die auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse so zusammengesetzt sind, dass sie Muttermilch möglichst nahekommen. Dennoch kann bislang keine Formel die vollständige Komplexität der Muttermilch reproduzieren.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Breastfeeding. Verfügbar unter: https://www.who.int/health-topics/breastfeeding (Zugriff 2024).
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Stillempfehlungen für Deutschland. DGKJ, 2020.
  3. Victora CG et al.: Breastfeeding in the 21st century: epidemiology, mechanisms, and lifelong effect. The Lancet, 2016; 387(10017): 475-490.
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