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Calciumcarbonat

Was ist Calciumcarbonat?

Calciumcarbonat (chemische Formel: CaCO3) ist eine anorganische Calciumverbindung, die in der Natur in Form von Kalkstein, Marmor und Kreide vorkommt. Es ist eine der häufigsten Calciumquellen weltweit und wird vielfältig in der Medizin, der Lebensmittelindustrie sowie als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Als Lebensmittelzusatzstoff trägt es die EU-Kennzeichnung E170 und dient als Farbstoff, Säureregulator und Trägerstoff.

Biologische Funktionen und medizinische Bedeutung

Calcium ist ein lebenswichtiges Mineral, das zahlreiche Körperfunktionen unterstützt. Calciumcarbonat liefert elementares Calcium und trägt damit zu folgenden Prozessen bei:

  • Knochen- und Zahngesundheit: Calcium ist der wichtigste Baustein für Knochen und Zähne. Eine ausreichende Calciumzufuhr beugt Osteoporose (Knochenschwund) vor.
  • Muskel- und Nervenfunktion: Calcium spielt eine zentrale Rolle bei der Muskelkontraktion und der Übertragung von Nervenimpulsen.
  • Blutgerinnung: Das Mineral ist an der Aktivierung von Gerinnungsfaktoren beteiligt.
  • Säure-Basen-Haushalt: Calciumcarbonat wirkt alkalisch und kann Magensäure neutralisieren.

Anwendungsgebiete

Als Nahrungsergänzungsmittel

Calciumcarbonat wird häufig in Calcium-Präparaten eingesetzt, da es einen hohen Gehalt an elementarem Calcium aufweist (etwa 40 % des Gewichts). Es eignet sich besonders für Personen mit erhöhtem Calciumbedarf, wie ältere Menschen, Schwangere und Stillende sowie Menschen mit Laktoseintoleranz, die wenig Milchprodukte konsumieren.

Als Antazidum

Als Antazidum (magensaureneutralisierendes Mittel) wird Calciumcarbonat bei Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Magenbeschwerden eingesetzt. Es neutralisiert überschüssige Magensäure schnell und effektiv und lindert so die Beschwerden.

Als Phosphatbinder

Bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung wird Calciumcarbonat als Phosphatbinder eingesetzt. Es bindet im Darm das mit der Nahrung aufgenommene Phosphat und verhindert so eine gefährliche Überladung des Blutes mit Phosphat (Hyperphosphatämie).

Als Lebensmittelzusatzstoff (E170)

In der Lebensmittelindustrie wird Calciumcarbonat (E170) als weißer Farbstoff, Säureregulator, Backtriebmittel und Trägerstoff verwendet. Es ist in vielen Lebensmitteln wie Backwaren, Süßwaren und Getränken zugelassen.

Wirkmechanismus

Im Magen reagiert Calciumcarbonat mit der Salzsäure (HCl) und neutralisiert diese gemäß folgender chemischer Reaktion: CaCO3 + 2 HCl → CaCl2 + H2O + CO2. Dabei entstehen Calciumchlorid, Wasser und Kohlendioxid. Das freigesetzte Calcium wird im Darm, bevorzugt in Anwesenheit von Magensäure und Vitamin D, resorbiert.

Empfohlene Tageszufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Calciumzufuhr von 1.000 mg. Für Jugendliche (13–18 Jahre) sowie ältere Menschen über 70 Jahre werden 1.200 mg pro Tag empfohlen. Schwangere und Stillende haben ebenfalls einen erhöhten Bedarf. Bei der Einnahme von Calciumcarbonat-Präparaten sollten Einzeldosen von 500 mg elementarem Calcium nicht überschritten werden, da die Aufnahme bei höheren Dosen abnimmt.

Nebenwirkungen und Risiken

Calciumcarbonat ist bei bestimmungsgemäßem Gebrauch in der Regel gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen umfassen:

  • Verstopfung und Blutungen im Gastrointestinaltrakt
  • Blähungen und Aufstoßen (durch freigesetztes CO2)
  • Milch-Alkali-Syndrom: Bei übermäßig hoher Zufuhr kann es zu erhöhten Calciumwerten im Blut (Hyperkalzämie), Nierenschäden und alkalischer Stoffwechsellage kommen.
  • Nierensteine: Eine langfristig übermäßige Calciumzufuhr kann das Risiko für Calciumoxalat-Nierensteine erhöhen.

Wechselwirkungen mit anderen Stoffen

Calciumcarbonat kann die Aufnahme bestimmter Medikamente und Nährstoffe beeinflussen:

  • Eisen und Zink: Calciumcarbonat kann die Aufnahme von Eisen und Zink im Darm hemmen. Es wird empfohlen, Calcium- und Eisenpräparate zeitversetzt einzunehmen.
  • Schilddrüsenmedikamente (z. B. Levothyroxin): Calciumcarbonat kann die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen verringern. Ein zeitlicher Abstand von mindestens 4 Stunden wird empfohlen.
  • Antibiotika (Tetracycline, Fluorchinolone): Calciumcarbonat kann die Wirkung dieser Antibiotika durch Komplexbildung abschwachen.
  • Vitamin D: Fördert die Calciumaufnahme im Darm und sollte bei Calciummangel ergänzend eingenommen werden.

Risikogruppen und Kontraindikationen

Calciumcarbonat sollte bei folgenden Erkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden:

  • Hyperkalzämie (erhöhter Calciumspiegel im Blut)
  • Hyperkalziurie (erhöhte Calciumausscheidung im Urin)
  • Nephrolithiasis (Nierensteine)
  • Schwere Niereninsuffizienz
  • Sarkoidose und andere granulomatosöse Erkrankungen

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Calcium. DGE, Bonn, 2021.
  2. European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for calcium. EFSA Journal, 2015; 13(5):4101.
  3. Straub, D.A.: Calcium Supplementation in Clinical Practice: A Review of Forms, Doses, and Indications. Nutrition in Clinical Practice, 2007; 22(3):286–296.
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