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Dammriss

Was ist ein Dammriss?

Ein Dammriss (medizinisch: Perinealriss) ist eine Verletzung des Damms – dem Gewebebereich zwischen dem Scheidenausgang und dem After. Diese Verletzung entsteht am häufigsten während der Geburt, wenn der kindliche Kopf oder Körper durch den Geburtskanal tritt und das umliegende Gewebe dabei stark gedehnt wird oder einreißt. Dammrisse zählen zu den häufigsten geburtshilflichen Verletzungen und betreffen einen großen Anteil aller Frauen, die vaginal entbinden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die primäre Ursache eines Dammrisses ist die mechanische Belastung des Gewebes während der Austreibungsphase der Geburt. Verschiedene Faktoren können das Risiko erhöhen:

  • Erstgebärende: Das Gewebe hat sich noch nie zuvor gedehnt, was es anfälliger macht.
  • Großes Geburtsgewicht des Kindes: Ein großer kindlicher Kopfumfang erhöht die Dehnung des Damms erheblich.
  • Schnelle Entbindung: Wenn das Kind sehr schnell geboren wird, hat das Gewebe keine Zeit, sich langsam anzupassen.
  • Einstellungsanomalien: Zum Beispiel, wenn der Kopf des Kindes in einer ungünstigen Position liegt (z. B. Hinterhauptseinstellung).
  • Operative vaginale Entbindung: Zangengeburt oder Vakuumextraktion (Saugglocke) erhöhen das Risiko.
  • Frühere Dammrisse: Narbengewebe aus einer vorherigen Geburt kann erneut einreißen.
  • Langandauerndes Pressen: Erhöhter Druck über längere Zeit belastet das Gewebe stärker.

Einteilung nach Schweregrad

Dammrisse werden in vier Grade eingeteilt, je nachdem, wie tief die Verletzung reicht:

  • Grad I: Nur die Haut und das oberflächliche Schleimhautgewebe sind betroffen. Diese Risse heilen oft ohne Nähte ab.
  • Grad II: Die Verletzung reicht in die darunter liegenden Muskelschichten des Damms, ohne den Schließmuskel des Afters zu betreffen. Eine Naht ist in der Regel erforderlich.
  • Grad III: Der Musculus sphincter ani externus (Schließmuskel des Afters) ist mitbetroffen. Dieser Grad wird weiter unterteilt in IIIa (weniger als 50 % des Schließmuskels betroffen), IIIb (mehr als 50 %) und IIIc (der innere Schließmuskel ist ebenfalls verletzt).
  • Grad IV: Schwerste Form – die Verletzung reicht durch alle Schichten einschließlich der Rektumschleimhaut. Dieser Riss erfordert eine sofortige operative Versorgung.

Symptome

Die typischen Zeichen eines Dammrisses sind:

  • Schmerzen und Brennen im Dammbereich direkt nach der Geburt
  • Blutungen aus der Wunde
  • Schwellung und Blutergüsse im Bereich des äußeren Genitales
  • Schwierigkeiten beim Sitzen oder Laufen in den Tagen nach der Geburt
  • Bei höhergradigen Rissen: Stuhlinkontinenz oder Probleme bei der Darmkontrolle
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Diagnose

Die Diagnose eines Dammrisses erfolgt direkt nach der Geburt durch eine klinische Untersuchung des Damms und des anorektalen Bereichs. Die Hebamme oder der Arzt bzw. die Ärztin inspiziert die Wunde sorgfältig, um Tiefe und Ausdehnung des Risses zu beurteilen. Bei Verdacht auf einen Grad-III- oder Grad-IV-Riss kann zusätzlich eine rektale Untersuchung erforderlich sein, um eine Beteiligung des Schließmuskels oder der Darmschleimhaut auszuschließen.

Behandlung

Grad-I-Risse

Oberflächliche Risse des ersten Grades heilen häufig spontan ab und benötigen keine Nähte, sofern die Wundränder gut aneinander liegen und die Blutung gestillt ist.

Grad-II-Risse

Risse des zweiten Grades werden in der Regel mit resorbierbaren Nähten versorgt, die sich nach einigen Wochen von selbst auflösen. Die Naht erfolgt schichtweise, um eine gute Heilung zu gewährleisten.

Grad-III- und Grad-IV-Risse

Höhergradige Risse erfordern eine operative Versorgung, die häufig im Operationssaal unter Regional- oder Vollnarkose stattfindet. Der Schließmuskel und die Rektumschleimhaut werden anatomisch korrekt genäht. Anschließend erhalten Patientinnen in der Regel eine Antibiotikatherapie zur Vorbeugung von Infektionen sowie Abführmittel, um starkes Pressen beim Stuhlgang zu vermeiden.

Allgemeine Maßnahmen zur Nachsorge

  • Schmerztherapie: Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen, die Beschwerden zu lindern.
  • Kühlung: Kühlpads können Schwellungen und Schmerzen reduzieren.
  • Beckenbodengym nastik: Nach der Heilung sollte frühzeitig mit Beckenbodentraining begonnen werden, um die Muskulatur zu stärken und Inkontinenz vorzubeugen.
  • Reguläre Wundkontrolle: Die Wundheilung sollte ärztlich überwacht werden.

Vorbeugung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die das Risiko eines Dammrisses verringern können:

  • Perinealmassage in den letzten Wochen der Schwangerschaft: Regelmäßiges Dehnen des Dammgewebes kann es geschmeidiger und widerstandsfähiger machen.
  • Warme Kompressen auf den Damm während der Austreibungsphase können die Elastizität verbessern.
  • Kontrolliertes, langsames Pressen unter Anleitung der Hebamme reduziert die mechanische Belastung.
  • Aufrechte Geburtspositionen können die Belastung des Damms verringern.
  • Ein Dammschnitt (Episiotomie) wird heute nicht mehr routinemäßig empfohlen, kann aber in bestimmten Situationen (z. B. drohender Grad-III-Riss) gezielt eingesetzt werden.

Quellen

  1. Leitlinienprogramm der DGGG, OEGGG und SGGG: S3-Leitlinie „Dammriss und Episiotomie“, AWMF-Registernummer 015-079, 2023.
  2. Sultan AH, Thakar R, Fenner DE (Hrsg.): Perineal and Anal Sphincter Trauma. Springer, London, 2009.
  3. World Health Organization (WHO): „Care of the mother and baby at the health facility during childbirth“. WHO Press, Genf, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int
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