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DL-α-Tocopherylacetat

Was ist DL-α-Tocopherylacetat?

DL-α-Tocopherylacetat ist eine synthetisch hergestellte Esterform von Vitamin E, genauer gesagt von α-Tocopherol. Die Bezeichnung DL weist darauf hin, dass es sich um ein Racemat handelt – also ein Gemisch aus der natürlichen D-Form und der synthetischen L-Form des Moleküls. Im Gegensatz zur rein natürlichen Form (D-α-Tocopherol) wird DL-α-Tocopherylacetat vollständig chemisch synthetisiert und ist daher günstiger in der Herstellung. Es findet breite Anwendung in der Lebensmittelindustrie, in Nahrungsergänzungsmitteln sowie in der Kosmetik und Pharmazie.

Wirkmechanismus

Nach der Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt wird DL-α-Tocopherylacetat durch Esterasen – spezifische Enzyme im Dünndarm – in freies α-Tocopherol gespalten. Diese aktive Form wirkt im Körper als fettlösliches Antioxidans: Sie schützt Zellmembranen vor oxidativem Stress, indem sie freie Radikale neutralisiert und die Lipidperoxidation hemmt. Darüber hinaus ist Vitamin E an der Regulation von Immunfunktionen, der Genexpression sowie der Signaltransduktion beteiligt.

Ein wichtiger Unterschied zwischen der DL- und der D-Form liegt in der biologischen Verfügbarkeit: Die natürliche D-Form (RRR-α-Tocopherol) wird vom Körper bevorzugt aufgenommen und transportiert. Die synthetische DL-Form besitzt daher eine geringere biologische Aktivität – sie entspricht nach Schätzungen etwa 50–74 % der Wirksamkeit der natürlichen Form.

Medizinische Anwendung und Indikationen

DL-α-Tocopherylacetat wird eingesetzt bei:

  • Vitamin-E-Mangel: Zustände, die durch ungenügende Zufuhr oder Resorptionsstörungen entstehen (z. B. bei Erkrankungen wie Mukoviszidose oder Morbus Crohn)
  • Präventiver Ergänzung: In Multivitaminpräparaten zur Abdeckung des täglichen Bedarfs
  • Anreicherung von Lebensmitteln: Als Lebensmittelzusatzstoff (E 307 entspricht dem synthetischen α-Tocopherol) zur Stabilisierung und Nährstoffanreicherung
  • Kosmetische Produkte: Als hautpflegender und antioxidativer Wirkstoff in Cremes und Lotionen
  • Frühgeborenenvers orgung: Zur Unterstützung bei Vitamin-E-Mangel bei Neugeborenen

Empfohlene Zufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Vitamin-E-Zufuhr von 11–15 mg α-Tocopheroläquivalenten, abhängig von Alter und Geschlecht. Bei der Einnahme von synthetischen Präparaten ist zu beachten, dass aufgrund der geringeren biologischen Aktivität höhere Mengen benötigt werden, um dieselbe Wirkung wie bei der Naturform zu erzielen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die European Food Safety Authority (EFSA) haben den tolerierbaren oberen Aufnahmewert für Vitamin E auf 300 mg pro Tag für Erwachsene festgesetzt.

Nahrungsquellen

Während DL-α-Tocopherylacetat ausschließlich synthetisch hergestellt wird, kommt die natürliche Form des Vitamin E in zahlreichen Lebensmitteln vor:

  • Pflanzenöle (z. B. Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl)
  • Nüsse und Samen (z. B. Mandeln, Haselnüsse, Sonnenblumenkerne)
  • Grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Mangold)
  • Avocado und Fisch

Mangelsymptome

Ein Vitamin-E-Mangel ist bei gesunden Menschen mit ausgewogener Ernährung selten. Risikogruppen sind Personen mit Fettresorptionsstörungen, Neugeborene – insbesondere Frühgeborene – sowie Menschen mit bestimmten genetischen Erkrankungen. Typische Mangelsymptome umfassen:

  • Neuromuskuläre Störungen (z. B. Muskelschwäche, Koordinationsstörungen)
  • Periphere Neuropathie
  • Hämolytische Anämie, insbesondere bei Neugeborenen
  • Seh- und Immunsystemstörungen bei längerem Mangel

Nebenwirkungen und Risiken

In normalen Dosierungen gilt DL-α-Tocopherylacetat als gut verträglich und sicher. Bei übermäßiger Einnahme hoher Dosen können jedoch unerwünschte Wirkungen auftreten:

  • Erhöhtes Blutungsrisiko durch Hemmung der Thrombozytenaggregation
  • Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten (z. B. Warfarin)
  • Mögliche Beeinträchtigung der Aufnahme anderer fettlöslicher Vitamine (A, D, K) bei sehr hoher Dosierung
  • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall

Einige größere Studien haben bei sehr hohen Vitamin-E-Dosen (über 400 IE/Tag) potenzielle Risiken diskutiert, weshalb eine Hochdosierung ohne ärztliche Rücksprache nicht empfohlen wird.

Quellen

  1. European Food Safety Authority (EFSA): Scientific Opinion on Dietary Reference Values for Vitamin E as α-tocopherol. EFSA Journal, 2015. Verfügbar unter: https://www.efsa.europa.eu
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Vitamin E. Bonn, 2021. Verfügbar unter: https://www.dge.de
  3. Traber, M. G.: Vitamin E Inadequacy in Humans: Causes and Consequences. Advances in Nutrition, 5(5), 503–514, 2014. PubMed PMID: 25469384.
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