-
DE
Lactoferrin ist ein eisenbindendes Glykoprotein – also ein Eiweißmolekül, das mit Zuckerketten verbunden ist – das natürlicherweise in verschiedenen Körpersekreten vorkommt. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in der Muttermilch, vor allem in der Erstmilch (Kolostrum), aber auch in Speichel, Tränen, Blut und im Darm. Lactoferrin gehört zur Familie der Transferrine und ist ein wesentlicher Bestandteil des angeborenen Immunsystems des Menschen.
Lactoferrin übernimmt im Körper mehrere wichtige Aufgaben:
Lactoferrin ist in geringen Mengen in Kuhmilch enthalten, in deutlich höheren Konzentrationen jedoch in der Muttermilch. Als Nahrungsergänzungsmittel wird Lactoferrin häufig aus Kuhmilch (bovines Lactoferrin) gewonnen und in Kapsel- oder Pulverform angeboten.
Zahlreiche präklinische Studien und klinische Untersuchungen belegen die immunstärkenden und antimikrobiellen Eigenschaften von Lactoferrin. Besonders gut untersucht ist seine Rolle bei der Prävention von Atemwegsinfektionen sowie seine positive Wirkung auf den Eisenstoffwechsel. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020 zeigte, dass bovines Lactoferrin die Dauer und Schwere von Atemwegsinfektionen bei Kindern und Erwachsenen reduzieren kann. Die Forschung zu weiteren Anwendungsgebieten, etwa bei COVID-19 oder Krebserkrankungen, befindet sich noch in einem frühen Stadium.
Es gibt keine einheitliche offizielle Empfehlung für die tägliche Zufuhr von Lactoferrin als Nahrungsergänzungsmittel. In klinischen Studien wurden häufig Dosierungen zwischen 100 mg und 300 mg pro Tag eingesetzt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat bovines Lactoferrin als sicher eingestuft. Bei spezifischen Erkrankungen oder in der Schwangerschaft sollte die Einnahme mit einem Arzt abgesprochen werden.
Lactoferrin gilt allgemein als gut verträglich. Leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen oder weicher Stuhlgang können bei höheren Dosen auftreten. Personen mit einer Kuhmilchallergie sollten bovines Lactoferrin meiden. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind bisher kaum beschrieben, jedoch sollte bei der gleichzeitigen Einnahme von Eisenpräparaten Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden, da Lactoferrin die Eisenaufnahme beeinflussen kann.
In der Säuglingsnahrung wird bovines Lactoferrin häufig zugesetzt, um die Zusammensetzung der Muttermilch besser nachzuahmen. Studien deuten darauf hin, dass Lactoferrin in Säuglingsnahrung das Infektionsrisiko senken und die Darmreifung unterstützen kann. Die WHO empfiehlt das Stillen als optimale Ernährungsform für Säuglinge, da Muttermilch natürlich hohe Mengen an Lactoferrin enthält.