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Abpumpen

Was ist Abpumpen?

Abpumpen bezeichnet den Vorgang, bei dem Muttermilch mithilfe einer manuellen oder elektrischen Milchpumpe aus der Brust entnommen wird. Die abgepumpte Milch kann anschließend gelagert und dem Baby zu einem späteren Zeitpunkt gegeben werden. Diese Methode ist eine wichtige Alternative oder Ergänzung zum direkten Anlegen an der Brust und wird von vielen stillenden Müttern genutzt.

Wann wird Abpumpen eingesetzt?

Es gibt verschiedene Situationen, in denen das Abpumpen von Muttermilch sinnvoll oder notwendig ist:

  • Frühgeborene oder kranke Neugeborene: Babys, die auf der Neugeborenenintensivstation liegen und nicht direkt gestillt werden können, erhalten abgepumpte Muttermilch über eine Sonde oder Flasche.
  • Berufliche Wiedereingliederung: Wenn die Mutter wieder arbeiten geht, kann sie Milch im Voraus abpumpen, damit das Baby auch in ihrer Abwesenheit Muttermilch bekommt.
  • Aufrechterhaltung der Milchproduktion: Regelmäßiges Abpumpen stimuliert die Brust und hilft, die Milchmenge zu erhalten oder zu steigern.
  • Milchstau oder Brustentzündung (Mastitis): Abpumpen kann helfen, gestaute Milch zu lösen und Beschwerden zu lindern.
  • Wunze Brustwarzen oder Stillprobleme: Wenn das direkte Anlegen schmerzhaft ist, ermöglicht Abpumpen eine kurze Erholungspause für die Mutter.
  • Milch spenden: Manche Mütter pumpen überschuss Milch ab, um sie an Milchbanken zu spenden.

Arten von Milchpumpen

Es gibt verschiedene Typen von Milchpumpen, die je nach Bedarf und Häufigkeit des Abpumpens ausgewählt werden:

Manuelle Milchpumpen

Diese Pumpen werden per Hand betrieben und eignen sich für gelegentliches Abpumpen. Sie sind leise, preisgünstig und benötigen keinen Strom.

Elektrische Milchpumpen

Elektrische Pumpen sind effektiver und zeiteffizienter. Es gibt einseitige und doppelseitige Modelle, wobei doppelseitige Pumpen beide Brüste gleichzeitig entleeren und die Pumpdauer halbieren können. Sie eignen sich besonders für regelmäßiges oder langfristiges Abpumpen.

Klinikpumpen

Hochleistungspumpen für den medizinischen Gebrauch werden vor allem in Krankenhäusern eingesetzt, beispielsweise um bei Frühgeborenen die Milchproduktion der Mutter anzuregen und aufrechtzuerhalten.

Richtige Anwendung und Tipps

Für ein erfolgreiches Abpumpen sind einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Hygiene: Alle Teile der Milchpumpe, die mit der Milch in Berührung kommen, müssen vor und nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und regelmäßig sterilisiert werden.
  • Häufigkeit: Um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten, sollte etwa 8-12 Mal pro 24 Stunden abgepumpt werden, wenn das Baby nicht direkt gestillt wird.
  • Sauggröße (Flanschgröße): Der Trichter der Pumpe muss zur Brustwarze passen, um Verletzungen zu vermeiden und die Pumpleistung zu optimieren.
  • Entspannung: Ein ruhiges Umfeld, Gedanken an das Baby oder ein Foto können den Milchspendereflex (auch Laktationsreflex genannt) auslösen und das Abpumpen erleichtern.
  • Lagerung: Frisch abgepumpte Muttermilch kann bei Zimmertemperatur bis zu 4 Stunden, im Kühlschrank bis zu 4 Tage und im Gefrierschrank bis zu 6 Monate aufbewahrt werden.

Aufbewahrung und Umgang mit abgepumpter Muttermilch

Abgepumpte Muttermilch sollte in sauberen, speziell dafür vorgesehenen Behältern aus Glas oder lebensmittelechtem Kunststoff aufbewahrt werden. Milchbeutel für Muttermilch sind ebenfalls erhältlich. Beim Auftauen von gefrorener Muttermilch sollte diese langsam im Kühlschrank oder unter warmem Wasser aufgetaut werden. Mikrowellen sind zur Erwärmung nicht geeignet, da sie die Milch ungleichmäßig erhitzen und wichtige Antikörper zerstören können.

Vorteile des Abpumpens

Das Abpumpen bietet sowohl für die Mutter als auch für das Baby zahlreiche Vorteile:

  • Das Baby erhält weiterhin die wertvollen Inhaltsstoffe der Muttermilch, einschließlich Antikörper, Enzyme und Wachstumsfaktoren.
  • Die Mutter behält Flexibilität und kann Stillpausen einlegen.
  • Andere Bezugspersonen können das Baby füttern und so eine enge Bindung aufbauen.
  • Die Milchproduktion kann gezielt reguliert werden.

Mögliche Herausforderungen

Abpumpen kann für manche Mütter auch mit Schwierigkeiten verbunden sein. Nicht jede Mutter pumpt gleich viel Milch ab – die abgepumpte Menge spiegelt nicht unbedingt die tatsächliche Milchproduktion wider. Schmerzen beim Pumpen können auf eine falsche Flanschgröße oder eine zu hohe Saugstufe hinweisen. Bei anhaltenden Problemen empfiehlt sich die Beratung durch eine Still- und Laktationsberaterin (IBCLC).

Quellen

  1. World Health Organization (WHO) - Infant and young child feeding. Geneva: WHO Press, 2009. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241597494
  2. Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - Empfehlungen zum Stillen. Berlin, 2020. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de
  3. Geddes DT et al. - Tongue movement and intra-oral vacuum of term infants during breastfeeding and feeding from an experimental teat that released milk under vacuum only. Early Human Development, 2012.
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