Was ist das Wochenbett?
Das Wochenbett (medizinisch: Puerperium) bezeichnet den Zeitraum nach der Entbindung, in dem sich der weibliche Körper schrittweise von den Veränderungen durch Schwangerschaft und Geburt erholt. Diese Phase beginnt unmittelbar nach der Geburt des Kindes und dauert üblicherweise sechs bis acht Wochen. Während dieser Zeit finden zahlreiche körperliche und hormonelle Veränderungen statt, die die Rückbildung des Uterus (der Gebärmutter), die Wundheilung und die Einleitung der Milchproduktion umfassen.
Phasen des Wochenbetts
Frühes Wochenbett
Die ersten zwei bis drei Tage nach der Geburt werden als frühes Wochenbett bezeichnet. In dieser Phase setzt die Ausscheidung des sogenannten Wochenflusses (Lochia) ein, einer blutigen Absonderung aus der Gebärmutter. Die Gebärmutter beginnt sich zusammenzuziehen und verkleinert sich rasch. Auch die ersten Schmerzen nach einem Kaiserschnitt oder einem Dämmrissnäht werden in dieser Zeit erlebt.
Mittleres Wochenbett
Zwischen dem dritten und zwölften Tag normalisiert sich die Lochia zunehmend und wird heller. Die Milchproduktion (Laktation) setzt vollständig ein, und der Körper passt sich an die neuen Anforderungen des Stillens an. Viele Mütter erleben in dieser Phase den sogenannten Babyblues, eine vorübergehende emotionale Verstimmung, die durch den raschen Hormonabfall nach der Geburt ausgelöst wird.
Spätes Wochenbett
Das späte Wochenbett umfasst den Zeitraum vom 13. Tag bis zum Ende der sechsten bis achten Woche nach der Geburt. Die Rückbildung der inneren Organe schreitet fort, und der Körper stabilisiert sich hormonal. Am Ende dieser Phase wird eine Wochenbett-Nachuntersuchung beim Frauenarzt oder bei der Frauenärztin empfohlen.
Körperliche Veränderungen im Wochenbett
- Rückbildung der Gebärmutter: Die Gebärmutter zieht sich nach der Geburt zusammen und erreicht nach etwa sechs Wochen wieder ihre ursprüngliche Größe.
- Wochenfluss (Lochia): Die Absonderung von Blut, Schleimhautresten und Sekret dauert bis zu vier bis sechs Wochen und verändert im Verlauf Farbe und Konsistenz von rot über rosa bis weißlich.
- Milcheinschuss: Etwa zwei bis vier Tage nach der Geburt setzt die intensive Milchproduktion ein, was zu Brustspannen führen kann.
- Hormonelle Umstellung: Der Abfall von Östrogen und Progesteron nach der Geburt kann Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Haarausfall verursachen.
- Wundheilung: Nähte nach einem Dämmriss, einer Episiotomie oder einem Kaiserschnitt heilen in dieser Phase.
Häufige Beschwerden im Wochenbett
- Nachwehen: Schmerzhafte Kontraktionen der Gebärmutter, besonders beim Stillen, die bei Mehrgeburtigkeit stärker auftreten können.
- Brustprobleme: Milchstau, Brustentzündung (Mastitis puerperalis) oder wunde Brustwarzen können das Stillen erschweren.
- Hämorrhoiden und Verstopfung: Häufige Begleiterscheinungen nach der Geburt, die durch ausreichend Flüssigkeit und Ballaststoffe gelindert werden können.
- Babyblues: Vorübergehende emotionale Tiefs in den ersten Tagen nach der Geburt, die sich von der ernsteren postpartalen Depression unterscheiden.
- Harninkontinenz oder Blasenschwierigkeiten: Durch die Belastung des Beckenbodens während der Geburt können vorübergehende Blasenproblemen auftreten.
Postpartale Depression
Von einem Babyblues abzugrenzen ist die postpartale Depression, eine klinisch relevante psychische Erkrankung, die bis zu 15 Prozent aller Mütter nach der Geburt betreffen kann. Symptome umfassen anhaltende Traurigkeit, Rückzug, Erschöpfung, Schlafstörungen und in schweren Fällen Gedanken, sich selbst oder dem Kind zu schaden. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung und Behandlung ist bei diesen Beschwerden unbedingt erforderlich.
Empfehlungen und Betreuung im Wochenbett
Während des Wochenbetts ist eine engmaschige Betreuung durch eine Hebamme besonders wichtig. In Deutschland besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Hebammenhilfe im Wochenbett. Die Hebamme unterstützt bei folgenden Bereichen:
- Kontrolle der Rückbildung und des Wochenflusses
- Stillberatung und Unterstützung beim Anlegen des Babys
- Pflege von Wunden und Nähten
- Psychische Unterstützung und Früherkennung einer postpartalen Depression
- Beratung zur Beckenbodengymsnastik und Rückbildung
Ernährung und Erholung im Wochenbett
Eine ausgewogene Ernährung spielt im Wochenbett eine wichtige Rolle. Stillende Mütter haben einen erhöhten Bedarf an Kalorien, Eisen, Kalzium, Jod und Omega-3-Fettsäuren. Ausreichend Schlaf und Ruhepausen sind ebenso wichtig wie soziale Unterstützung durch Partner, Familie und Freunde. Auf intensive sportliche Aktivitäten sollte in den ersten Wochen verzichtet werden; leichte Bewegung und gezielte Beckenbodenübungen sind jedoch empfehlenswert.
Wann ärztliche Hilfe erforderlich ist
Bestimmte Symptome im Wochenbett erfordern umgehend ärztliche Aufmerksamkeit:
- Hohes Fieber (über 38,5 Grad Celsius) als Hinweis auf eine Infektion
- Stark riechender oder verkäster Wochenfluss
- Starke Schmerzen im Unterleib oder an Wunden
- Anzeichen einer Thrombose (Schmerzen, Schwellung oder Rötung in einem Bein)
- Anzeichen einer postpartalen Psychose (schwere Verwirrtheit, Halluzinationen)
- Anhaltende gedrückte Stimmung, die länger als zwei Wochen besteht
Quellen
- Stiefel, A., Geist, C., Harder, U. (Hrsg.): Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 5. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart 2013.
- World Health Organization (WHO): Postnatal care for mothers and newborns. Highlights from the 2013 WHO guidelines. WHO Press, Genf 2015. Verfügbar unter: https://www.who.int/maternal_child_adolescent/documents/postnatal-care-recommendations/en/
- Reck, C., Stehle, E., Reinig, K., Mundt, C.: Maternity blues as a predictor of DSM-IV depression and anxiety disorders in the first three months postpartum. In: Journal of Affective Disorders, 113(1-2), 2009, S. 77-87.