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Eingefallene Fontanelle

Was ist eine eingefallene Fontanelle?

Die Fontanelle ist ein weicher, nicht verknöcherter Bereich auf dem Schädel eines Neugeborenen oder Säuglings, an dem die Schädelknochen noch nicht vollständig zusammengewachsen sind. Beim gesunden Kind tastet sich die Fontanelle leicht weich und ist in der Regel auf gleicher Höhe mit der umgebenden Kopfhaut oder minimal pulsierend. Wenn die Fontanelle deutlich nach innen eingefallen oder eingesunken erscheint, spricht man von einer eingefallenen Fontanelle (medizinisch: deprimierte oder eingesunkene Fontanelle). Dies ist ein wichtiges klinisches Zeichen, das auf einen Flüssigkeitsmangel oder andere Erkrankungen hinweisen kann.

Beim Säugling gibt es mehrere Fontanellen, von denen die vordere Fontanelle (Fonticulus anterior) die größte und klinisch bedeutsamste ist. Sie liegt an der Scheitelmitte des Kopfes und schließt sich normalerweise zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat.

Ursachen einer eingefallenen Fontanelle

Die häufigste Ursache einer eingefallenen Fontanelle ist Dehydration (Flüssigkeitsmangel). Wenn ein Säugling zu wenig Flüssigkeit aufnimmt oder übermäßig viel verliert, sinkt der Gewebedruck im Schädel, was zu einer sichtbaren Einbuchtung der Fontanelle führt. Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Erbrechen und Durchfall: Akute Magen-Darm-Erkrankungen führen zu raschem Flüssigkeitsverlust.
  • Ungeneügende Nahrungsaufnahme: Ernährungsprobleme beim Stillen oder bei der Fläschenfütterung können zu einem Mangel führen.
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur steigert den Flüssigkeitsbedarf und kann bei unzureichender Zufuhr zur Dehydration beitragen.
  • Starkes Schwitzen: Besonders bei hohen Außentemperaturen oder Überhitzung des Kindes.
  • Seltene Stoffwechselerkrankungen: In seltenen Fällen können Störungen des Elektrolyt- oder Wasserhaushalts beteiligt sein.

Symptome und Begleitsymptome

Eine eingefallene Fontanelle ist selbst ein Symptom und kein eigenständiges Krankheitsbild. Sie tritt häufig gemeinsam mit weiteren Zeichen einer Dehydration auf, die Eltern kennen sollten:

  • Trockene Mundschleimhäute und weniger Speichelfluss
  • Verminderter oder ausbleibender Tränenfluss beim Weinen
  • Seltenes Wasserlassen und dunkelgelber, konzentrierter Urin
  • Allgemeine Müdigkeit, Teilnahmslosigkeit oder Reizbarkeit des Kindes
  • Trockene, wenig elastische Haut (verminderter Hautturgor)
  • Eingesunkene Augen

Bei schwerer Dehydration können zusätzlich schneller Herzschlag, flache Atmung und Bewusstseinsveränderungen auftreten. Diese Zeichen stellen einen medizinischen Notfall dar.

Diagnose

Die Beurteilung der Fontanelle gehört zur Routineuntersuchung bei Säuglingen. Der Kinderarzt bewertet dabei:

  • Die Form und Spannung der Fontanelle (eingefallen, normal, vorgewölbt)
  • Den Allgemeinzustand des Kindes (Aktivität, Hautfarbe, Schleimhäute)
  • Die Trinkmenge und Ausscheidung (Angaben der Eltern)
  • Das Körpergewicht im Vergleich zu früheren Messungen (Gewichtsverlust als Hinweis auf Dehydration)

Je nach klinischem Befund können zusätzliche Blut- oder Urinuntersuchungen durchgeführt werden, um das Ausmaß der Dehydration und mögliche Ursachen zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung einer eingefallenen Fontanelle richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Im häufigsten Fall der Dehydration steht die Flüssigkeitszufuhr im Vordergrund:

  • Leichte Dehydration: Erhöhte Zufuhr von Muttermilch, adaptierter Nahrung oder Elektrolytlösungen (z.B. orale Rehydrationslösungen nach WHO-Standard) zu Hause.
  • Mäßige bis schwere Dehydration: Stationäre Behandlung mit Flüssigkeitsgabe über eine Infusion (intravenös) im Krankenhaus.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei Infektionen, Erbrechen oder Durchfall werden entsprechende Therapie- und Ernährungsmaßnahmen eingeleitet.

Eltern sollten bei einem Säugling mit eingefallener Fontanelle und gleichzeitigen Zeichen von Krankheit oder Trinkschwäche umgehend einen Kinderarzt oder eine Notaufnahme aufsuchen, da eine schwere Dehydration im Säuglingsalter lebensbedrohlich sein kann.

Wann zum Arzt?

Eine eingefallene Fontanelle sollte immer ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn zusätzlich folgende Symptome bestehen:

  • Das Kind trinkt deutlich weniger als sonst oder verweigert die Nahrung
  • Seltenes Wasserlassen oder fehlende Windelfüllung über mehrere Stunden
  • Hohes Fieber, starkes Erbrechen oder häufiger Durchfall
  • Das Kind wirkt sehr müde, teilnahmslos oder nicht ansprechbar
  • Sichtbar eingesunkene Augen oder sehr trockene Schleimhäute

Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig zum Arzt gehen, da Säuglinge sehr schnell dehydrieren können.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO) - The Treatment of Diarrhoea: A Manual for Physicians and Other Senior Health Workers. WHO Press, Genf, 4. Auflage, 2005.
  2. Mayefsky JH, Sarnaik AP, Postellon DC. Fontanelle assessment: a clinical tool. Pediatrics, 1987; 80(2): 220-222.
  3. Lissauer T, Carroll W. Illustrated Textbook of Paediatrics. 5. Auflage. Elsevier, 2017.
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