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Eingesunkene Fontanelle

Was ist eine eingesunkene Fontanelle?

Die Fontanelle ist eine weiche, noch nicht vollständig verknocherte Stelle am Schädel eines Säuglings. Die größte davon, die sogenannte vordere Fontanelle (Fonticulus anterior), befindet sich am Scheitelpunkt des Kopfes und schließt sich in der Regel zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat. Im Normalzustand ist die Fontanelle leicht gewölbt oder flach und pulsiert schwach im Rhythmus des Herzschlags.

Von einer eingesunkenen Fontanelle spricht man, wenn die weiche Stelle am Schädel des Babys sichtbar nach innen eingezogen wirkt. Dies ist ein klinisch relevantes Zeichen, das in den meisten Fällen auf einen Flüssigkeitsmangel des Kindes hinweist und ärztlich abgeklärt werden sollte.

Ursachen einer eingesunkenen Fontanelle

Die häufigste Ursache für eine eingesunkene Fontanelle ist Dehydration, also ein Mangel an Flüssigkeit im Körper des Säuglings. Weitere mögliche Ursachen umfassen:

  • Durchfall und Erbrechen: Wenn ein Baby durch eine Magen-Darm-Erkrankung viel Flüssigkeit verliert, kann die Fontanelle einsinken.
  • Ungendügende Flüssigkeitszufuhr: Zu seltenes Stillen oder ungenügende Trinkmenge bei fläschcngenährten Kindern.
  • Fieber: Erhöhte Körpertemperatur führt zu vermehrtem Flüssigkeitsverlust über die Haut.
  • Starkes Schwitzen: Zum Beispiel bei übermäßiger Wärme oder bei Erkrankungen.
  • Mangelernährung oder Untergewicht: In seltenen Fällen kann auch ein allgemeiner Mangel an Nährstoffen und Flüssigkeit eine Rolle spielen.

Symptome und Begleitsymptome

Eine eingesunkene Fontanelle tritt selten allein auf. Häufig zeigen sich gleichzeitig weitere Zeichen der Dehydration oder einer zugrunde liegenden Erkrankung:

  • Trockene Schleimhäute (z.B. trockene Lippen und Mundschleimhaut)
  • Verminderte Urinmenge oder dunklerer Urin
  • Weniger feuchte Windeln als üblich
  • Hautfaltentest positiv: Die Haut springt nach dem Zusammendrücken nur langsam zurück
  • Weinen ohne Tränen
  • Allgemeine Schwäche, Unruhe oder verminderte Aktivität des Babys
  • Eingefallene Augen

Im Gegensatz dazu weist eine vorspringende oder vorgebuchtete Fontanelle auf einen erhöhten Hirndruck hin und ist ebenfalls ein Alarmsignal, das sofortige ärztliche Behandlung erfordert.

Diagnose

Die Diagnose einer eingesunkenen Fontanelle erfolgt durch körperliche Untersuchung beim Kinderarzt oder in der Notaufnahme. Der Arzt beurteilt dabei:

  • Den Grad der Einziehung der Fontanelle
  • Den allgemeinen Hydrationszustand des Kindes (Schleimhäute, Hautturgor)
  • Vitalzeichen wie Herzfrequenz und Blutdruck
  • Urinausscheidung und Gewichtsverlust im Vergleich zur letzten Messung

Je nach Schweregrad können Blutuntersuchungen (z.B. Elektrolyte, Nierenwerte) oder eine Urinanalyse angeordnet werden, um das Ausmaß der Dehydration und mögliche Ursachen zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Dehydration:

Leichte Dehydration

Bei leichter Dehydration empfiehlt der Arzt in der Regel, die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen. Gestillte Babys sollten häufiger angelegt werden. Bei fläschchengenährten Kindern kann die Trinkmenge angepasst werden. Spezielle orale Rehydrationslösungen (z.B. mit Elektrolyten) können helfen, den Flüssigkeits- und Salzhaushalt wiederherzustellen.

Mittelschwere bis schwere Dehydration

Bei ausgepragter Dehydration ist eine stationäre Behandlung im Krankenhaus notwendig. Dabei wird dem Kind Flüssigkeit intravenous (direkt in die Vene) zugeführt. Gleichzeitig werden Elektrolyte wie Natrium und Kalium ausgeglichen.

Behandlung der Grunderkrankung

Falls eine zugrunde liegende Ursache wie eine Infektion, Durchfall oder Erbrechen vorliegt, wird diese gezielt behandelt. Antibiotika, Antiemetika oder andere Medikamente können je nach Diagnose eingesetzt werden.

Wann sofort zum Arzt?

Eltern sollten umgehend ärztliche Hilfe suchen, wenn ihr Baby:

  • eine deutlich sichtbar eingesunkene Fontanelle aufweist,
  • seit mehr als sechs Stunden keine nasse Windel hatte,
  • ohne Tränen weint oder sehr teilnahmslos wirkt,
  • hohes Fieber, wiederholtes Erbrechen oder starken Durchfall hat,
  • sich nicht wie gewohnt trinken lässt.

Eine eingesunkene Fontanelle bei einem Neugeborenen oder Säugling ist immer als ernst zu nehmendes Warnsignal zu werten und sollte nie abgewartet werden.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): The treatment of diarrhoea: a manual for physicians and other senior health workers. WHO Press, Genf, 2005.
  2. Gauer, R., Moran, J.: Acute Diarrheal Disease in Children: Epidemiology, Prevention, and Treatment. American Family Physician, 2022.
  3. Larsen, R., Gratz, I.: Pädiatrie Grundlagen und Praxis. Springer Verlag, 2020.
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