Fieberkrampf Kind
Was ist ein Fieberkrampf?
Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall bei Kindern, der in Zusammenhang mit erhöhter Körpertemperatur auftritt. Er gehört zu den häufigsten neurologischen Ereignissen im Kindesalter und betrifft etwa 2 bis 5 Prozent aller Kinder in den westlichen Ländern. Obwohl ein Fieberkrampf für Eltern extrem beunruhigend wirkt, ist er in den meisten Fällen harmlos und hinterlässt keine dauerhaften Schäden.
Typischerweise tritt ein Fieberkrampf bei Kindern im Alter zwischen 6 Monaten und 5 Jahren auf, am häufigsten zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat. Nach dem 6. Lebensjahr sind Fieberkrämpfe sehr selten.
Ursachen und Risikofaktoren
Ein Fieberkrampf entsteht, wenn das noch unreife Gehirn eines Kindes auf einen raschen Temperaturanstieg überempfindlich reagiert. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen folgende Faktoren eine Rolle:
- Hohes Fieber: Meist ab einer Körpertemperatur von 38,5 °C oder höher, oft zu Beginn eines fieberhaften Infekts
- Genetische Veranlagung: Kinder mit Eltern oder Geschwistern, die Fieberkrämpfe hatten, haben ein erhöhtes Risiko
- Virusinfektionen: Häufige Auslöser sind Infekte durch Viren wie Humanes Herpesvirus 6 (HHV-6, Auslöser des Drei-Tage-Fiebers), Influenza oder Rotaviren
- Impfreaktionen: In seltenen Fällen kann ein Fieberkrampf nach Schutzimpfungen auftreten, die Fieber verursachen (z. B. nach Masern-Mumps-Röteln-Impfung)
Arten von Fieberkrämpfen
Einfacher (unkomplizierter) Fieberkrampf
Dies ist die häufigste Form. Ein einfacher Fieberkrampf dauert in der Regel weniger als 15 Minuten, betrifft den gesamten Körper (generalisierter Anfall) und tritt innerhalb von 24 Stunden nicht erneut auf. Nach dem Anfall erholt sich das Kind vollständig.
Komplizierter (komplexer) Fieberkrampf
Ein komplizierter Fieberkrampf liegt vor, wenn mindestens eines der folgenden Merkmale zutrifft:
- Dauer länger als 15 Minuten
- Wiederholung des Anfalls innerhalb von 24 Stunden
- Anfall betrifft nur eine Körperhälfte oder einzelne Gliedmaßen (fokaler Anfall)
Komplizierte Fieberkrämpfe erfordern eine genauere ärztliche Abklärung.
Symptome
Während eines Fieberkrampfes können folgende Zeichen auftreten:
- Plötzlicher Bewusstseinsverlust
- Steife Muskeln, gefolgt von rhythmischen Zuckungen der Arme und Beine
- Verdrehte Augen oder starrer Blick
- Bläuliche Verfärbung der Lippen (Zyanose) durch kurzzeitigen Atemstillstand
- Unkontrollierter Urin- oder Stuhlabgang
- Tiefe Schlafphase oder Benommenheit nach dem Anfall (postiktale Phase)
Was tun während eines Fieberkrampfes?
Für Eltern und Betreuungspersonen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Das Kind sicher auf den Boden oder eine weiche Unterlage legen
- Das Kind in die stabile Seitenlage bringen, um ein Verschlucken zu verhindern
- Nichts in den Mund des Kindes stecken – weder Finger noch Gegenstände
- Den Notruf (112) rufen, wenn der Anfall länger als 5 Minuten dauert, das Kind sich nicht erholt oder weitere Anfälle folgen
- Uhrzeit und Dauer des Anfalls notieren
Diagnose
Die Diagnose eines Fieberkrampfes erfolgt in erster Linie durch die klinische Untersuchung und die Schilderung der Eltern. Ziel ist es, andere Ursachen auszuschließen:
- Blutuntersuchungen: Ausschluss von Elektrolytstörungen, Infektionen (z. B. Blutbild, CRP)
- Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis)
- EEG (Elektroenzephalogramm): Nur bei kompliziertem Verlauf oder Verdacht auf Epilepsie
- MRT des Gehirns: In ausgewählten Fällen bei komplizierten Fieberkrämpfen
Behandlung
Ein einfacher Fieberkrampf erfordert in der Regel keine spezifische medikamentöse Behandlung. Die wichtigsten Maßnahmen sind:
- Fiebersenkende Mittel: Ibuprofen oder Paracetamol können das Wohlbefinden des Kindes verbessern, verhindern jedoch nachweislich keine weiteren Fieberkrämpfe
- Notfallmedikation: Bei länger anhaltenden Anfällen wird Diazepam rektal oder Midazolam bukkal verabreicht, um den Krampf zu beenden
- Krampfanfall-Prophylaxe: Eine vorbeugende Dauertherapie mit Antiepileptika ist bei einfachen Fieberkrämpfen nicht empfohlen
Prognose und Wiederholungsrisiko
Die Prognose ist bei einfachen Fieberkrämpfen sehr gut. Wichtige Informationen für Eltern:
- Etwa 30 bis 35 Prozent der Kinder haben einen weiteren Fieberkrampf
- Das Risiko ist besonders hoch, wenn der erste Krampf vor dem 18. Lebensmonat auftrat oder Fieberkrämpfe in der Familie bekannt sind
- Das Risiko, später an einer Epilepsie zu erkranken, ist bei einfachen Fieberkrämpfen nur leicht erhöht (ca. 1–2 Prozent)
- Kognitive Entwicklung und schulische Leistungen werden durch einfache Fieberkrämpfe nicht beeinträchtigt
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) – Leitlinie Fieberkrämpfe (2023)
- Steering Committee on Quality Improvement and Management, Subcommittee on Febrile Seizures, American Academy of Pediatrics – Febrile Seizures: Clinical Practice Guideline. Pediatrics, 2011
- Shinnar S, Glauser TA – Febrile seizures. Journal of Child Neurology, 2002