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Fructo-Oligosaccharide (FOS) sind kurzkettige Kohlenhydrate, die aus mehreren Fructoseeinheiten bestehen und natürlicherweise in vielen Lebensmitteln vorkommen. Sie gehören zur Gruppe der Präbiotika – also Substanzen, die das Wachstum und die Aktivität gesundheitsfördernder Darmbakterien gezielt anregen. Chemisch gesehen handelt es sich um Oligosaccharide, also kurze Zuckerketten, die aus zwei bis zehn Fructosemolekülen bestehen und häufig an ein Glucosemolekül gebunden sind.
Da der menschliche Körper keine Enzyme besitzt, die FOS vollständig aufschließen können, gelangen diese unverdaut in den Dickdarm, wo sie als Substrat für Mikroorganismen dienen.
Fructo-Oligosaccharide kommen natürlich in einer Vielzahl von pflanzlichen Lebensmitteln vor. Besonders reichhaltige Quellen sind:
Industriell werden FOS durch enzymatische Hydrolyse von Inulin aus Chicoréewurzel gewonnen oder durch mikrobielle Synthese aus Saccharose hergestellt und als Nahrungsergänzungsmittel sowie Lebensmittelzusatz eingesetzt.
Der gesundheitliche Nutzen von FOS beruht auf ihrer Fähigkeit, selektiv das Wachstum bestimmter Bakteriengattungen im Dickdarm zu fördern. Im Wesentlichen läuft dieser Prozess wie folgt ab:
Dieser Mechanismus wird als präbiotischer Effekt bezeichnet und ist wissenschaftlich gut belegt.
FOS gehören zu den am besten untersuchten Präbiotika. Zahlreiche klinische Studien belegen, dass eine regelmäßige Zufuhr die Zusammensetzung des Darmmikrobioms positiv beeinflusst. Insbesondere die Anzahl von Bifidobakterien nimmt nachweislich zu, während potenziell schädliche Bakterienarten zurückgedrängt werden können.
FOS wirken als lösliche Ballaststoffe und können bei regelmäßiger Einnahme die Stuhlfrequenz und -konsistenz verbessern sowie Verstopfung lindern. Die empfohlene Tagesdosis liegt je nach Quelle zwischen 3 und 8 Gramm pro Tag für einen präbiotischen Effekt.
Da etwa 70 Prozent des Immunsystems im Darm lokalisiert ist, trägt ein gesundes Mikrobiom indirekt zur Immunabwehr bei. FOS können über die Förderung nützlicher Bakterien immunmodulatorische Effekte entfalten.
FOS haben einen sehr niedrigen glykämischen Index, da sie nicht als Zucker im Dünndarm aufgenommen werden. Sie können dazu beitragen, den Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten zu stabilisieren und werden daher als Zuckerersatz in Lebensmitteln für Menschen mit Diabetes mellitus eingesetzt. Die Süßkraft von FOS beträgt etwa 30 bis 50 Prozent der Süßkraft von Haushaltszucker.
Es gibt Hinweise aus Studien, dass FOS die Aufnahme von Calcium und Magnesium im Dickdarm verbessern können. Dies ist möglicherweise auf die durch kurzkettige Fettsäuren bedingte pH-Wert-Senkung im Dickdarm zurückzuführen, was die Mineralstofflöslichkeit erhöht.
Für einen gesundheitlichen Nutzen werden im Allgemeinen folgende Mengen empfohlen:
Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat keinen offiziellen Tagesbedarf festgelegt, da FOS als Ballaststoffe und nicht als essentielle Nährstoffe eingestuft werden.
FOS sind für die meisten Menschen sicher und gut verträglich. Bei höheren Dosen oder empfindlichem Darm können jedoch folgende Beschwerden auftreten:
Personen mit Reizdarmsyndrom oder bekannter FODMAP-Empfindlichkeit sollten FOS nur in kleinen Mengen und unter ärztlicher Rücksprache konsumieren.
Fructo-Oligosaccharide werden in der Lebensmittelindustrie als natürlicher Süßungsmittelersatz und Ballaststoffzusatz eingesetzt. In Nahrungsergänzungsmitteln werden sie häufig in Kombination mit Probiotika angeboten, um einen synergistischen Effekt auf das Darmmikrobiom zu erzielen – solche Kombinationsprodukte werden als Synbiotika bezeichnet. In Babynahrung werden FOS gezielt eingesetzt, um die Darmflora von Neugeborenen zu unterstützen und die nährungsbedingte Immunentwicklung zu fördern.