Was ist das Geburtsgewicht?
Das Geburtsgewicht bezeichnet das Gewicht eines Neugeborenen, das unmittelbar nach der Geburt gemessen wird. Es ist einer der wichtigsten klinischen Parameter zur Beurteilung des Gesundheitszustands und der Entwicklung eines Neugeborenen. Weltweit gilt ein Geburtsgewicht zwischen 2.500 und 4.500 Gramm bei einem reifen Neugeborenen (nach der 37. Schwangerschaftswoche) als normal.
Das Geburtsgewicht wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter die Schwangerschaftsdauer, die Ernährung der Mutter, genetische Faktoren sowie mögliche Erkrankungen während der Schwangerschaft.
Klassifikation des Geburtsgewichts
Medizinisch wird das Geburtsgewicht in verschiedene Kategorien eingeteilt:
- Makrosomie: Geburtsgewicht über 4.500 g (auch als hohes Geburtsgewicht bezeichnet)
- Normgewicht: Geburtsgewicht zwischen 2.500 g und 4.500 g
- Niedriges Geburtsgewicht (Low Birth Weight, LBW): Geburtsgewicht unter 2.500 g
- Sehr niedriges Geburtsgewicht (Very Low Birth Weight, VLBW): Geburtsgewicht unter 1.500 g
- Extrem niedriges Geburtsgewicht (Extremely Low Birth Weight, ELBW): Geburtsgewicht unter 1.000 g
Einflussfaktoren auf das Geburtsgewicht
Das Geburtsgewicht wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst:
Mütterliche Faktoren
- Ernährungszustand und Gewicht der Mutter vor und während der Schwangerschaft
- Erkrankungen wie Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) oder Präeklampsie
- Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum während der Schwangerschaft
- Alter der Mutter
- Anzahl vorheriger Schwangerschaften
Fetale und genetische Faktoren
- Genetische Veranlagung und Körpergröße der Eltern
- Geschlecht des Kindes (Jungen sind im Durchschnitt etwas schwerer als Mädchen)
- Chromosomale Anomalien oder angeborene Fehlbildungen
Plazentare und uterine Faktoren
- Funktion der Plazenta (Mutterkuchen) und Versorgung des Fetus mit Nährstoffen
- Mehrlingsschwangerschaften (Zwillinge, Drillinge etc.)
Soziodemografische Faktoren
- Sozioökonomischer Status der Familie
- Zugang zu medizinischer Versorgung und Vorsorgeuntersuchungen
- Geografische Herkunft und ethnische Zugehörigkeit
Niedriges Geburtsgewicht: Ursachen und Risiken
Ein niedriges Geburtsgewicht (unter 2.500 g) entsteht entweder durch eine Frühgeburt (vor der 37. Schwangerschaftswoche) oder durch eine intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR), bei der das Kind trotz ausgetragener Schwangerschaft zu wenig zugenommen hat.
Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht haben ein erhöhtes Risiko für:
- Atemprobleme und Atemnotsyndrom
- Unterkühlung (Hypothermie) durch geringen Körperfettanteil
- Unterzuckerung (Hypoglykämie)
- Infektanfälligkeit durch ein noch unreifes Immunsystem
- Langfristige Entwicklungsverzögerungen und chronische Erkrankungen im späteren Leben
Hohes Geburtsgewicht: Ursachen und Risiken
Ein hohes Geburtsgewicht (Makrosomie, über 4.500 g) tritt häufig bei Kindern diabetischer Mütter auf, wenn der erhöhte Blutzucker der Mutter das Wachstum des Kindes übermäßig anregt. Risiken bei der Geburt umfassen:
- Geburtskomplikationen, z. B. Schulterdystokie (Einklemmen der Schulter unter dem Schambein der Mutter)
- Erhöhter Bedarf an operativen Entbindungen (Kaiserschnitt)
- Erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit und Stoffwechselerkrankungen im späteren Leben des Kindes
Messung und Beurteilung des Geburtsgewichts
Das Geburtsgewicht wird unmittelbar nach der Geburt durch Wiegen des Neugeborenen bestimmt. Zur klinischen Einordnung werden sogenannte Perzentilenkurven verwendet, die das Gewicht des Kindes in Relation zur Schwangerschaftsdauer und zum Geschlecht setzen. Liegt das Gewicht:
- unter der 10. Perzentile, spricht man von einem Small for Gestational Age (SGA)-Kind,
- zwischen der 10. und 90. Perzentile, gilt das Kind als appropriate for gestational age (AGA) (normgewichtig für das Gestationsalter),
- über der 90. Perzentile, bezeichnet man es als Large for Gestational Age (LGA).
Langzeitfolgen des Geburtsgewichts
Das Geburtsgewicht hat nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit des Neugeborenen, sondern kann auch langfristige Konsequenzen für die Gesundheit im Erwachsenenalter haben. Die sogenannte fetale Programmierung beschreibt, wie Bedingungen im Mutterleib und das Geburtsgewicht das Risiko für spätere Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Übergewicht beeinflussen können.
Prävention und Unterstützung eines gesunden Geburtsgewichts
Um ein gesundes Geburtsgewicht zu fördern, empfehlen Fachgesellschaften folgende Maßnahmen:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft
- Ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung der Mutter
- Verzicht auf Rauchen, Alkohol und Drogen
- Optimale Einstellung von Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck
- Vermeidung von extremem Stress und ausreichend Ruhe
Quellen
- World Health Organization (WHO): Born too soon: The global action report on preterm birth. WHO Press, Genf, 2012. Verfügbar unter: https://www.who.int
- Steer, P.J.: The epidemiology of preterm labour. BJOG: An International Journal of Obstetrics and Gynaecology, 112(s1), 1-3, 2005. PubMed PMID: 15715587.
- Newnham, J.P. et al.: Fetal growth restriction. In: Creasy and Resnik's Maternal-Fetal Medicine: Principles and Practice, 8. Auflage. Elsevier, Philadelphia, 2019.