Hinterwandplazenta
Was ist eine Hinterwandplazenta?
Die Hinterwandplazenta beschreibt die Lage der Plazenta (Mutterkuchen) an der hinteren Wand der Gebärmutter (Uterus), also der Seite, die der Wirbelsäule der Mutter zugewandt ist. Die Plazenta ist ein lebenswichtiges Organ während der Schwangerschaft: Sie versorgt das ungeborene Kind mit Sauerstoff und Nährstoffen und gibt Abfallstoffe an den mütterlichen Kreislauf ab. Ihre genaue Lage in der Gebärmutter wird routinemäßig per Ultraschall bestimmt und dokumentiert.
Häufigkeit und Entstehung
Die Hinterwandplazenta ist eine der häufigsten Plazentapositionen und gilt medizinisch als normale Variante. Die Einnistung der befruchteten Eizelle und damit die Lage der späteren Plazenta ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
- Zufällige Stelle der Einnistung des Embryos in die Gebärmutterschleimhaut
- Anatomische Gegebenheiten der Gebärmutter
- Durchblutungsverhältnisse der Gebärmutterwand
- Vorherige Operationen oder Narben an der Gebärmutter
Neben der Hinterwandplazenta gibt es weitere Plazentapositionen: die Vorderwandplazenta (an der vorderen Gebärmutterwand), die Fundusplazenta (am oberen Pol der Gebärmutter) sowie die Seitenwandplazenta.
Symptome und Besonderheiten für die Schwangere
Die Hinterwandplazenta verursacht in der Regel keine Beschwerden. Es gibt jedoch einige Besonderheiten, die Schwangere bemerken können:
- Kindsbewegungen: Schwangere mit einer Hinterwandplazenta spüren die Bewegungen des Kindes oft früher und deutlicher, da zwischen dem Kind und der Bauchdecke der Mutter keine Plazenta liegt, die die Bewegungen dämpft.
- Herztonmessung: Die Herztöne des Kindes können von außen gut abgehört werden.
- Lage des Kindes: Die Position der Plazenta kann die bevorzugte Lage des Kindes in der Gebärmutter beeinflussen, hat jedoch in der Regel keinen negativen Einfluss auf die Schwangerschaft.
Diagnose
Die Lage der Plazenta wird im Rahmen der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft per Ultraschall (Sonografie) festgestellt. Dabei wird auch der Abstand der Plazenta zum inneren Muttermund gemessen, um eine Placenta praevia (Vorstufe des Muttermunds durch die Plazenta) auszuschließen. Bei einer Hinterwandplazenta ist das Risiko einer Placenta praevia gering.
Klinische Bedeutung und mögliche Komplikationen
Eine Hinterwandplazenta ist in den meisten Fällen unkompliziert und erfordert keine besondere Behandlung. Dennoch gibt es einige klinische Aspekte, die ärztlich beobachtet werden:
- Lage des Kindes: Kinder mit einer Hinterwandplazenta neigen etwas häufiger zur Vorderhauptslage, was jedoch selten klinische Relevanz hat.
- Kaiserschnitt: Bei einer geplanten Sectio caesarea (Kaiserschnitt) erleichtert die Hinterwandlage der Plazenta den Eingriff, da die vordere Gebärmutterwand frei von Plazentagewebe ist.
- Ablatio placentae: Eine vorzeitige Plazentaablösung kann bei jeder Plazentaposition auftreten, ist aber bei der Hinterwandplazenta aufgrund ihrer Lage unter Umständen schlechter zu diagnostizieren.
Unterschied zur Vorderwandplazenta
Im Vergleich zur Vorderwandplazenta bietet die Hinterwandplazenta einige Vorteile:
- Kindsbewegungen werden früher und intensiver gefühlt
- Herztöne des Kindes sind von außen leichter zu erfassen
- Geringere Dämpfung beim Doppler-Ultraschall
- Kein zusätzliches Plazentagewebe zwischen Bauchdecke und Kind bei einem Kaiserschnitt
Wann zum Arzt?
Die Hinterwandplazenta selbst erfordert keine zusätzlichen ärztlichen Maßnahmen. Schwangere sollten jedoch bei folgenden Beschwerden unverzüglich ärztliche Hilfe suchen:
- Vaginale Blutungen in der Schwangerschaft
- Starke Bauchschmerzen oder Druckgefühl
- Nachlassen oder Ausbleiben der Kindsbewegungen
- Vorzeitige Wehen
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Hebamme sind essenziell, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M.: Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Medizin, Berlin, 2016.
- AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften): Leitlinie Ultraschallscreening in der Schwangerschaft, AWMF-Registernummer 085-002, 2021. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
- World Health Organization (WHO): WHO recommendations on antenatal care for a positive pregnancy experience. WHO Press, Genf, 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int