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Inositol

Was ist Inositol?

Inositol (auch bekannt als Inosit oder myo-Inositol) ist eine zuckerähnliche Verbindung, die zur Gruppe der Polyole gehört und chemisch als Cyclohexanhexol beschrieben wird. Obwohl es oft als "Vitamin B8" bezeichnet wird, handelt es sich nicht um ein klassisches Vitamin, da der Körper es selbst synthetisieren kann. Inositol kommt in neun verschiedenen Formen (Stereoisomeren) vor, wobei myo-Inositol die biologisch bedeutsamste und am häufigsten vorkommende Form ist.

Biologische Funktionen

Inositol erfüllt im menschlichen Körper zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:

  • Zellmembranstruktur: Als Bestandteil von Phosphoinositiden trägt Inositol zur Stabilität und Integrität von Zellmembranen bei.
  • Signaltransduktion: Inositolphosphate, insbesondere Inositol-1,4,5-trisphosphat (IP3), wirken als wichtige second messenger und vermitteln Signale von Hormonen und Neurotransmittern in das Zellinnere.
  • Insulinsensitivität: Inositol ist an der intrazellulären Insulinsignalkette beteiligt und kann die Empfindlichkeit der Zellen gegenüber Insulin verbessern.
  • Neurotransmitter-Regulation: Es beeinflusst die Aktivität von Serotonin- und Dopaminrezeptoren und kann damit Stimmung und Wohlbefinden unterstützen.
  • Fettstoffwechsel: Inositol unterstützt den Transport von Fetten in der Leber und kann einer Fettleber vorbeugen.

Vorkommen in Lebensmitteln

Inositol ist in vielen Lebensmitteln enthalten, besonders in:

  • Vollkorngetreide (z. B. Haferflocken, Weizenkleie)
  • Hülsenfrüchte (z. B. Bohnen, Linsen, Kichererbsen)
  • Nüsse und Samen (z. B. Walnüsse, Sesam)
  • Zitrusfrüchte (z. B. Orangen, Grapefruits)
  • Fleisch und Fisch (in geringeren Mengen)

Der menschliche Körper kann Inositol zudem aus Glukose selbst produzieren, sodass ein isolierter Inositol-Mangel bei ausgewogener Ernährung selten ist.

Medizinische Anwendungsgebiete

Polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS)

Das am besten belegte Anwendungsgebiet von Inositol ist das polyzystische Ovar-Syndrom (PCOS). Klinische Studien zeigen, dass die Kombination aus myo-Inositol und D-Chiro-Inositol (einer weiteren Inositolform) die Insulinresistenz verbessern, den Hormonhaushalt regulieren und die Ovulation fördern kann. Die typisch eingesetzte Dosierung beträgt 4 g myo-Inositol pro Tag, oft kombiniert mit 400 µg Folsäure.

Psychische Gesundheit

Es gibt Hinweise aus klinischen Studien, dass hochdosiertes Inositol (12–18 g/Tag) bei Zwangsstörungen (OCD), Panikstörungen und Depressionen wirksam sein kann, indem es die Serotonin-Signalwege moduliert. Die Evidenz gilt als vielversprechend, aber noch nicht ausreichend für eine breit etablierte klinische Empfehlung.

Schwangerschaft

Inositol wird in der Schwangerschaftsvorsorge untersucht, insbesondere zur Prävention von Gestationsdiabetes bei Risikogruppen sowie zur Unterstützung der fötalen Entwicklung.

Metabolisches Syndrom

Aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Insulinsensitivität wird Inositol auch bei Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom erforscht, wobei erste Ergebnisse eine Senkung von Blutzucker- und Blutfettwerten zeigen.

Empfohlene Dosierung

Es gibt keine offiziell festgelegten Tagesreferenzwerte für Inositol durch die WHO oder die EFSA. In Nahrungsergänzungsmitteln werden je nach Anwendungsgebiet unterschiedliche Mengen verwendet:

  • PCOS: 2–4 g myo-Inositol täglich
  • Psychische Erkrankungen: 12–18 g täglich (nur unter ärztlicher Aufsicht)
  • Allgemeine Unterstützung: 500–2.000 mg täglich

Nebenwirkungen und Sicherheit

Inositol gilt bei üblichen Dosierungen als gut verträglich und sicher. Bei höheren Dosen können folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Gastrointestinale Beschwerden (z. B. Übelkeit, Blähungen, Durchfall)
  • Schwindel oder leichte Kopfschmerzen

Schwangere und Stillende sowie Personen mit bestehenden Erkrankungen sollten vor der Einnahme von Inositol-Präparaten stets einen Arzt konsultieren. Wechselwirkungen mit Antidepressiva (z. B. SSRIs) sind möglich und sollten ärztlich abgeklärt werden.

Wechselwirkungen

Inositol kann die Wirkung von Lithium beeinflussen, da beide Substanzen den Inositol-Stoffwechsel im Gehirn modulieren. Auch bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva oder Medikamenten zur Blutzuckerkontrolle ist Rücksprache mit einem Arzt empfehlenswert.

Quellen

  1. Dinicola S. et al. (2021): "Inositols: From Established Knowledge to Novel Approaches." International Journal of Molecular Sciences. PubMed PMID: 34208621.
  2. Unfer V. et al. (2016): "Effects of myo-inositol in women with PCOS: a systematic review of randomized controlled trials." Gynecological Endocrinology, 32(7), 509–515.
  3. Benjamin J. et al. (1995): "Inositol treatment in psychiatry." Psychopharmacology Bulletin, 31(1), 167–175.
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