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Kindbettfieber, medizinisch als Puerperalfieber oder Wochenbettfieber bezeichnet, ist eine bakterielle Infektion des weiblichen Genitaltrakts, die nach einer Entbindung oder Fehlgeburt auftritt. Historisch war Kindbettfieber eine der häufigsten Todesursachen von Wöchnerinnen. Heute ist die Erkrankung dank moderner Hygiene und Antibiotika gut behandelbar, kann aber ohne rasche Therapie noch immer lebensbedrohlich werden.
Kindbettfieber entsteht, wenn Bakterien während oder nach der Geburt in den Genitaltrakt eindringen. Besonders häufig sind folgende Erreger beteiligt:
Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
Kindbettfieber tritt typischerweise innerhalb der ersten zehn Tage nach der Entbindung auf. Charakteristische Zeichen sind:
Die Diagnose wird anhand der klinischen Symptome sowie verschiedener Untersuchungen gestellt:
Die Behandlung von Kindbettfieber muss rasch erfolgen, um schwere Komplikationen zu verhindern:
Die wichtigste Maßnahme ist die sofortige Gabe von Breitbandantibiotika, häufig intravenös im Krankenhaus. Die Auswahl der Antibiotika richtet sich nach dem vermuteten oder nachgewiesenen Erreger. Häufig eingesetzt werden Kombinationen aus Amoxicillin-Clavulansäure, Clindamycin oder Gentamicin.
Zusätzlich zur Antibiotikagabe werden folgende Malßnahmen eingeleitet:
Falls Plazentareste oder ein Abszess vorliegen, kann eine chirurgische Ausraumung (Kürettage) oder Drainage notwendig sein.
Kindbettfieber hat eine bedeutende medizinhistorische Rolle. Der österreichische Arzt Ignaz Semmelweis erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts als Erster, dass fehlende Händehygiene bei Ärzten und Hebammen Hauptursache des Kindbettfiebers war. Seine Erkenntnisse legten den Grundstein für die moderne Hygiene in der Medizin.
Moderne hygienische Maßnahmen haben die Häufigkeit von Kindbettfieber deutlich reduziert. Wichtige Präventionsstrategien umfassen:
Wöchnerinnen sollten umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn nach der Geburt Fieber, starke Unterleibsschmerzen, übel riechender Ausfluss oder allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um schwere Verläufe und Komplikationen wie eine Sepsis zu verhindern.