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Als Langzeitstillen wird das Stillen eines Kindes über das erste Lebensjahr hinaus bezeichnet. Während in manchen Kulturen und Ländern Stillen nach dem ersten Geburtstag als ungewöhnlich gilt, ist es aus medizinischer Sicht gut belegt und wird von führenden Gesundheitsorganisationen aktiv empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, Kinder bis zum Alter von mindestens zwei Jahren zu stillen, sofern Mutter und Kind dies wünschen. In vielen Teilen der Welt ist Langzeitstillen die biologische Norm.
Die WHO und UNICEF empfehlen ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten, gefolgt von fortgesetztem Stillen zusammen mit altersgerechter Beikost bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) unterstützt das Stillen so lange, wie Mutter und Kind es gemeinsam als positiv empfinden. Das Langzeitstillen ist kein Zeichen einer verzögerten Entwicklung, sondern eine bewusste Entscheidung mit gesundheitlichen Vorteilen.
Muttermilch bleibt auch nach dem ersten Lebensjahr eine nährstoffreiche Nahrungsquelle. Sie liefert weiterhin wichtige Immunstoffe, Antikörper, Vitamine und Hormone, die das Immunsystem des Kindes stärken und das Wachstum unterstützen. Zu den nachgewiesenen Vorteilen des Langzeitstillens für das Kind gehören:
Auch stillende Mütter profitieren langfristig vom Langzeitstillen. Studien zeigen, dass längeres Stillen mit folgenden Vorteilen verbunden ist:
Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich dem Alter und den Bedürfnissen des Kindes an. Untersuchungen zeigen, dass Muttermilch im zweiten Lebensjahr besonders reich an Immunglobulinen, Lactoferrin und Wachstumsfaktoren ist. Der Fettgehalt steigt im Verhältnis zur getrunkenen Menge an, sodass das Kind weiterhin wertvolle Energie und Schutzfaktoren erhält, auch wenn die Stillmahlzeiten seltener werden.
Langzeitstillen ist in vielen westlichen Gesellschaften mit Vorurteilen verbunden. Häufige Bedenken sind:
Das Abstillen nach einer langen Stillzeit kann schrittweise oder auf Wunsch des Kindes (kind-geführtes Abstillen) erfolgen. Experten empfehlen einen sanften, behutsamen Übergang, der die emotionalen Bedürfnisse von Mutter und Kind berücksichtigt. Plötzliches Abstillen kann bei der Mutter zu Milchstau oder Mastitis (Brustdruse nentzündung) führen und sollte möglichst vermieden werden.
In bestimmten medizinischen Situationen kann Stillen – unabhängig vom Alter des Kindes – nicht ratsam sein. Dazu gehören:
Bei Unsicherheiten sollte immer eine ärztliche oder hebammenkundliche Beratung in Anspruch genommen werden.