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Langzeitstillen

Was ist Langzeitstillen?

Als Langzeitstillen wird das Stillen eines Kindes über das erste Lebensjahr hinaus bezeichnet. Während in manchen Kulturen und Ländern Stillen nach dem ersten Geburtstag als ungewöhnlich gilt, ist es aus medizinischer Sicht gut belegt und wird von führenden Gesundheitsorganisationen aktiv empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, Kinder bis zum Alter von mindestens zwei Jahren zu stillen, sofern Mutter und Kind dies wünschen. In vielen Teilen der Welt ist Langzeitstillen die biologische Norm.

Empfehlungen führender Gesundheitsorganisationen

Die WHO und UNICEF empfehlen ausschließliches Stillen in den ersten sechs Lebensmonaten, gefolgt von fortgesetztem Stillen zusammen mit altersgerechter Beikost bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus. Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) unterstützt das Stillen so lange, wie Mutter und Kind es gemeinsam als positiv empfinden. Das Langzeitstillen ist kein Zeichen einer verzögerten Entwicklung, sondern eine bewusste Entscheidung mit gesundheitlichen Vorteilen.

Gesundheitliche Vorteile für das Kind

Muttermilch bleibt auch nach dem ersten Lebensjahr eine nährstoffreiche Nahrungsquelle. Sie liefert weiterhin wichtige Immunstoffe, Antikörper, Vitamine und Hormone, die das Immunsystem des Kindes stärken und das Wachstum unterstützen. Zu den nachgewiesenen Vorteilen des Langzeitstillens für das Kind gehören:

  • Verstärkter Schutz vor Infektionskrankheiten wie Durchfall, Atemwegsinfektionen und Mittelohrentzündungen
  • Verringertes Risiko für die Entwicklung von Allergien und Asthma
  • Positive Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung und Intelligenz
  • Unterstützung der emotionalen Bindung und des Sicherheitsgefühls
  • Reduziertes Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes später im Leben
  • Förderung einer gesunden Kieferentwicklung und Zahnstellung

Gesundheitliche Vorteile für die Mutter

Auch stillende Mütter profitieren langfristig vom Langzeitstillen. Studien zeigen, dass längeres Stillen mit folgenden Vorteilen verbunden ist:

  • Verringertes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs
  • Schutz vor Osteoporose (Knochenschwund) nach der Stillzeit
  • Natürliche Verzögerung der Rückkehr der Menstruation (sogenannte Laktationsamenorrhö), die als natürliche Verhütungsmethode wirken kann
  • Unterstützung der Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt
  • Positive Auswirkungen auf das emotionale Wohlbefinden und Bonding
  • Unterstützung bei der Gewichtsregulation nach der Schwangerschaft

Nährstoffzusammensetzung der Muttermilch im zweiten Lebensjahr

Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich dem Alter und den Bedürfnissen des Kindes an. Untersuchungen zeigen, dass Muttermilch im zweiten Lebensjahr besonders reich an Immunglobulinen, Lactoferrin und Wachstumsfaktoren ist. Der Fettgehalt steigt im Verhältnis zur getrunkenen Menge an, sodass das Kind weiterhin wertvolle Energie und Schutzfaktoren erhält, auch wenn die Stillmahlzeiten seltener werden.

Häufige Bedenken und Missverständnisse

Langzeitstillen ist in vielen westlichen Gesellschaften mit Vorurteilen verbunden. Häufige Bedenken sind:

  • Abhängigkeit und Verselbständigung: Studien zeigen, dass Langzeitstillen die Entwicklung von Selbstständigkeit und sozialem Verhalten nicht negativ beeinflusst. Im Gegenteil kann eine sichere Bindung die Selbstständigkeit fördern.
  • Zahngesundheit: Das Stillen an der Brust (im Gegensatz zur Flasche) stellt bei regelmäßiger Zahnpflege kein erhöhtes Kariesrisiko dar.
  • Ernährungsersatz: Ab dem ersten Lebensjahr ersetzen Beikost und Familienmahlzeiten die Hauptnahrungsquelle; das Stillen ergänzt diese und liefert zusätzlichen Schutz.
  • Gesellschaftliche Akzeptanz: Die Entscheidung für oder gegen Langzeitstillen ist eine persönliche Familienentscheidung, die respektiert werden sollte.

Abstillen beim Langzeitstillen

Das Abstillen nach einer langen Stillzeit kann schrittweise oder auf Wunsch des Kindes (kind-geführtes Abstillen) erfolgen. Experten empfehlen einen sanften, behutsamen Übergang, der die emotionalen Bedürfnisse von Mutter und Kind berücksichtigt. Plötzliches Abstillen kann bei der Mutter zu Milchstau oder Mastitis (Brustdruse nentzündung) führen und sollte möglichst vermieden werden.

Wann ist Langzeitstillen nicht empfehlenswert?

In bestimmten medizinischen Situationen kann Stillen – unabhängig vom Alter des Kindes – nicht ratsam sein. Dazu gehören:

  • Einnahme bestimmter Medikamente, die in die Muttermilch übergehen und für das Kind schädlich sind
  • Bestimmte Infektionskrankheiten der Mutter (z. B. HIV in bestimmten Regionen)
  • Seltene Stoffwechselerkrankungen des Kindes (z. B. Galaktosämie)

Bei Unsicherheiten sollte immer eine ärztliche oder hebammenkundliche Beratung in Anspruch genommen werden.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Breastfeeding. Verfügbar unter: https://www.who.int/health-topics/breastfeeding (Zugriff 2024)
  2. Victora CG et al.: Breastfeeding in the 21st century: epidemiology, mechanisms, and lifelong effect. The Lancet, 2016; 387(10017): 475-490.
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Stillempfehlungen. Verfügbar unter: https://www.dgkj.de (Zugriff 2024)
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