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Molenschwangerschaft

Was ist eine Molenschwangerschaft?

Eine Molenschwangerschaft, medizinisch auch als Mola hydatidosa oder Blasenmole bezeichnet, ist eine seltene, aber ernste Komplikation der Schwangerschaft. Dabei kommt es zu einer Fehlentwicklung nach der Befruchtung der Eizelle: Anstatt eines gesunden Embryos wächst unkontrolliert verändertes Plazentagewebe, das charakteristische, traubenartige Bläschen bildet. Eine normale Schwangerschaft ist in diesem Fall nicht möglich. Die Molenschwangerschaft gehört zur Gruppe der Trophoblasterkrankungen und betrifft etwa 1 von 1.000 bis 2.000 Schwangerschaften in Europa.

Formen der Molenschwangerschaft

Vollständige Blasenmole (komplette Mole)

Bei der vollständigen Blasenmole fehlt das genetische Material der Mutter vollständig. Die Eizelle wird von einer oder zwei Samenzellen befruchtet, enthält jedoch kein mütterliches Erbgut. Es entwickelt sich kein Embryo und kein Fruchtwasser. Das gesamte Plazentagewebe verwandelt sich in blasige Strukturen.

Unvollständige Blasenmole (partielle Mole)

Bei der partiellen Mole ist sowohl mütterliches als auch väterliches Erbgut vorhanden, jedoch in abnormaler Menge (meist ein dreifacher Chromosomensatz). Es können rudimentäre embryonale Strukturen vorhanden sein, eine lebenstüchtige Schwangerschaft ist jedoch nicht möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen einer Molenschwangerschaft sind nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um einen Fehler bei der Befruchtung der Eizelle. Folgende Risikofaktoren wurden identifiziert:

  • Alter der Mutter unter 20 Jahren oder über 35 Jahren
  • Vorangegangene Molenschwangerschaft
  • Wiederholte Fehlgeburten in der Vorgeschichte
  • Bestimmte geografische und ernährungsbedingte Faktoren (häufiger in Südostasien)
  • Mangelernährung, insbesondere Vitamin-A-Mangel

Symptome

Die Symptome einer Molenschwangerschaft ähneln zunächst denen einer normalen Frühschwangerschaft, können jedoch deutlich ausgeprägter sein:

  • Vaginale Blutungen im ersten Schwangerschaftsdrittel (häufig das erste Anzeichen)
  • Stark erhöhter hCG-Spiegel (Schwangerschaftshormon) im Blut
  • Ausgeprägte Übelkeit und Erbrechen (Hyperemesis gravidarum)
  • Schnelleres Wachstum der Gebärmutter als erwartet
  • Keine nachweisbaren Herzaktionen des Embryos im Ultraschall
  • Gelegentlich Schilddrüsenüberfunktion durch hCG-ähnliche Wirkung
  • Zysten an den Eiern (sog. Thekaluteinzysten)

Diagnose

Die Diagnose einer Molenschwangerschaft erfolgt durch mehrere Untersuchungen:

  • Ultraschall: Charakteristisches "Schneegestober"-Muster im Ultraschall ohne sichtbaren Embryo oder Herzaktionen
  • Bluttest: Stark erhöhte hCG-Werte (Beta-hCG), die weit über den für die Schwangerschaftswoche erwarteten Werten liegen
  • Histologische Untersuchung: Feingewebliche Analyse des entfernten Gewebes zur Sicherung der Diagnose und Ausschluss von Bösartigkeit

Behandlung

Ausschabung (Saugkürettage)

Die Standardbehandlung ist die vollständige Entfernung des Molengewebes durch eine Saugkürettage (Absaugung) der Gebärmutterhöhle unter Narkose. Dieser Eingriff erfolgt in der Regel im Krankenhaus. Danach wird das Gewebe feingeweblich untersucht, um bösartige Veränderungen auszuschließen.

Nachsorge und hCG-Kontrolle

Nach der Behandlung ist eine sorgfältige Nachsorge essenziell. Der hCG-Wert wird regelmäßig im Blut kontrolliert, bis er auf null abgefallen ist. Dies kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Eine erneute Schwangerschaft sollte während der Nachsorgezeit (mindestens 6 Monate, manchmal bis zu 1 Jahr) vermieden werden, da ein steigender hCG-Wert auf einen Rückfall hinweisen kann.

Chemotherapie bei Komplikationen

In seltenen Fällen kann sich aus einer Molenschwangerschaft ein bösartiger Tumor entwickeln, das sogenannte Chorionkarzinom oder eine invasive Mole. In diesen Fällen ist eine Chemotherapie notwendig, die in der Regel sehr gut anspricht und hohe Heilungsraten aufweist.

Prognose und weitere Schwangerschaften

Die Prognose nach einer Molenschwangerschaft ist in den meisten Fällen sehr gut. Nach abgeschlossener Nachsorge und wenn die hCG-Werte normalisiert sind, ist eine erneute Schwangerschaft in der Regel möglich. Das Risiko für eine weitere Molenschwangerschaft ist leicht erhöht (etwa 1–2 %), bleibt aber insgesamt gering. Eine psychologische Begleitung kann nach dem Verlust der Schwangerschaft sehr hilfreich sein.

Quellen

  1. Seckl, M. J. et al. (2013): Gestational trophoblastic disease. In: The Lancet, 382(9894), 1543–1552. DOI: 10.1016/S0140-6736(12)60319-3
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie Trophoblasterkrankungen, aktuelle Fassung. Verfügbar unter: www.dggg.de
  3. World Health Organization (WHO): Gestational Trophoblastic Disease – Classification and Treatment Guidelines. Geneva: WHO Press.
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