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Die Nabelschnur (lateinisch: Funiculus umbilicalis) ist eine schlauchförmige Verbindungsstruktur, die das ungeborene Kind (Fetus) während der gesamten Schwangerschaft mit der Plazenta verbindet. Sie stellt die lebensnotwendige Verbindung zwischen dem Kreislauf des Kindes und dem der Mutter her und übernimmt dabei zentrale Versorgungs- und Entsorgungsfunktionen.
Die Nabelschnur entsteht in der Frühphase der Schwangerschaft und begleitet das Kind bis zur Geburt. Nach der Entbindung wird sie durchtrennt, wodurch das Neugeborene von der Plazenta getrennt wird. Der verbleibende kleine Stumpf am Bauch des Kindes trocknet innerhalb weniger Wochen ein und fällt ab – dabei entsteht der spätere Bauchnabel.
Eine gesunde, ausgereifte Nabelschnur ist durchschnittlich 50 bis 60 Zentimeter lang und hat einen Durchmesser von etwa 1 bis 2 Zentimetern. Sie besteht aus folgenden Strukturen:
Die Nabelschnurgefäße verlaufen häufig in einer leichten Spiralform, was sie flexibel und widerstandsfähig gegen Zug und Druck macht.
Die Nabelschnur erfüllt während der Schwangerschaft mehrere lebenswichtige Aufgaben:
In einigen Fällen können Probleme mit der Nabelschnur auftreten, die das ungeborene Kind gefährden. Zu den wichtigsten gehören:
Die Nabelschnurumschlingung (Nuchalschlinge) bezeichnet die Lage der Nabelschnur um den Hals oder andere Körperteile des Fetus. Sie tritt bei etwa 20–30 % aller Geburten auf und ist häufig harmlos, kann in seltenen Fällen jedoch zu einer Beeinträchtigung der Durchblutung führen.
Beim Nabelschnurvorfall tritt die Nabelschnur noch vor dem kindlichen Körper durch den Muttermund aus. Dies ist ein gebürtshilflicher Notfall, da die Nabelschnur durch den Druck des kindlichen Körpers abgeklemmt werden und die Blutversorgung des Kindes unterbrochen werden kann. Ein sofortiger Kaiserschnitt ist in der Regel erforderlich.
Echte Knoten in der Nabelschnur entstehen, wenn sich der Fetus durch eine Schlinge der Nabelschnur bewegt. Sie können, wenn sie sich fest zuziehen, die Durchblutung einschränken. Scheinknoten (Pseudoknoten durch lokale Gefäßerweiterungen) sind hingegen harmlos.
In etwa 1 % der Schwangerschaften fehlt eine der beiden Nabelschnurarterien. Diese Anomalie wird als singuläre Nabelschnurarterie bezeichnet und kann mit bestimmten fetalen Fehlbildungen assoziiert sein. Eine engmaschige Ultraschallüberwachung wird in diesen Fällen empfohlen.
Selten können Blutansammlungen (Hämatome) oder flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) in der Nabelschnur auftreten, die ärztlich beobachtet werden sollten.
Die Nabelschnur wird im Rahmen der regulären Schwangerschaftsvorsorge routinemäßig untersucht. Folgende Methoden kommen dabei zum Einsatz:
Das in der Nabelschnur und der Plazenta enthaltene Nabelschnurblut ist reich an hämatopoetischen Stammzellen (blutbildenden Stammzellen). Diese können nach der Geburt entnommen und in spezialisierten Biobanken eingelagert werden. Nabelschnurblut wird heute erfolgreich zur Behandlung bestimmter Bluterkrankungen und Immundefekte eingesetzt, zum Beispiel bei Leukämie oder bei der allogenen Stammzelltransplantation.
Unmittelbar nach der Geburt des Kindes wird die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt. In der sogenannten Nachgeburtsphase (dritte Geburtsphase) werden Plazenta und Nabelschnur vollständig ausgestoßen. Am Neugeborenen verbleibt ein kurzer Nabelschnurstumpf, der in der Regel innerhalb von 1 bis 3 Wochen eintrocknet und abfällt. Eine sorgfältige Nabelschnurpflege ist wichtig, um Infektionen zu vermeiden.