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Plazenta Praevia

Was ist Plazenta Praevia?

Plazenta Praevia (auch: Placenta praevia) bezeichnet eine Lageanomalie der Plazenta während der Schwangerschaft. Dabei liegt die Plazenta im unteren Bereich der Gebärmutter und bedeckt den inneren Muttermund (den Eingang zum Gebärmutterhals) teilweise oder vollständig. Dies kann die natürliche Geburt erschweren oder unmöglich machen und stellt eine ernsthafte geburtshilfliche Komplikation dar.

Formen der Plazenta Praevia

Je nach Ausmaß der Bedeckung des Muttermunds unterscheidet man verschiedene Schweregrade:

  • Plazenta praevia totalis: Die Plazenta bedeckt den inneren Muttermund vollständig.
  • Plazenta praevia partialis: Die Plazenta bedeckt den Muttermund nur teilweise.
  • Plazenta praevia marginalis: Der Rand der Plazenta reicht bis an den Muttermund heran, ohne ihn zu bedecken.
  • Tief sitzende Plazenta: Die Plazenta liegt im unteren Uterinsegment, aber ohne direkten Kontakt zum Muttermund. Diese Form gilt als leichteste Verlaufsform.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache einer Plazenta Praevia ist nicht immer klar. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die das Risiko erhöhen:

  • Vorherige Kaiserschnittgeburten oder andere Uterusoperationen (Narbengewebe im unteren Uterinsegment)
  • Mehrlingsschwangerschaften (z.B. Zwillinge)
  • Höheres mütterliches Alter (ab 35 Jahren)
  • Mehrfache Schwangerschaften (Multipara)
  • Frühere Ausschabungen (Ku­ret­ta­gen) oder Eingriffe an der Gebärmutter
  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Assistierte Reproduktionstechniken (z.B. In-vitro-Fertilisation)

Symptome

Das typische Leitsymptom der Plazenta Praevia ist eine schmerzlose vaginale Blutung im zweiten oder dritten Schwangerschaftstrimester. Diese Blutung tritt meist plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser auf. Weitere mögliche Zeichen sind:

  • Wiederholte Blutungsepisoden im Verlauf der Schwangerschaft
  • Regelwidrige Kindslage (z.B. Querlage oder Beckenendlage), da die Plazenta dem Kind keinen ausreichenden Platz im unteren Uterinsegment lässt
  • In schweren Fällen Zeichen eines Schocks durch starken Blutverlust

Wichtig: Im Gegensatz zu anderen Ursachen von Schwangerschaftsblutungen ist die Blutung bei Plazenta Praevia in der Regel nicht von Schmerzen begleitet.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt, die heutzutage standardmäßig im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge durchgeführt wird. Dabei wird die Lage der Plazenta im Verhältnis zum Muttermund beurteilt.

  • Transvaginaler Ultraschall: Gilt als genaueste Methode zur Bestimmung des Abstands zwischen Plazentarand und Muttermund.
  • Transabdominaler Ultraschall: Häufig als erste Screeningmethode eingesetzt.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): In unklaren Fällen oder bei Verdacht auf eine Plazenta accreta (eingewachsene Plazenta) kann ein MRT zusätzliche Informationen liefern.

Hinweis: Eine vaginale Tastuntersuchung sollte bei Verdacht auf Plazenta Praevia vermieden werden, da sie starke Blutungen auslösen kann.

Behandlung und Management

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Plazenta Praevia, dem Gestationsalter (Schwangerschaftswoche) und dem Ausmaß der Blutung.

Konservatives Vorgehen

Bei einer asymptomatischen oder leichten Plazenta Praevia ohne aktive Blutung kann eine engmaschige Überwachung mit regelmäßigen Ultraschallkontrollen ausreichen. Die Schwangere wird angewiesen, körperliche Schonung einzuhalten und auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. In manchen Fällen kann ein stationnärer Krankenhausaufenthalt erforderlich sein.

Medikamentöse Therapie

  • Tokolytika: Wehenhemmende Medikamente können eingesetzt werden, um frühzeitige Wehen zu verhindern.
  • Kortikosteroide: Zur Förderung der fetalen Lungenreife, wenn eine Frühgeburt droht.
  • Rhesusprophylaxe: Bei Rh-negativen Müttern wird Anti-D-Immunglobulin verabreicht, um eine Rhesusinkompatibilität zu verhindern.

Entbindung

Bei einer vollständigen (totalis) oder partiellen Plazenta Praevia ist in der Regel ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) die Geburtsart der Wahl, um lebensbedrohliche Blutungen zu vermeiden. Der Zeitpunkt der Entbindung wird individuell festgelegt, oft wird ab der 36. bis 37. Schwangerschaftswoche eine geplante Sectio angestrebt. Bei aktiven, schweren Blutungen kann auch eine notfallmäßige Entbindung früher notwendig sein.

Komplikationen

Plazenta Praevia kann, wenn sie unbehandelt bleibt oder spät erkannt wird, zu schwerwiegenden Komplikationen führen:

  • Starke mütterliche Blutungen mit Schockgefahr
  • Frühgeburt mit den entsprechenden Risiken für das Neugeborene
  • Plazenta accreta, increta oder percreta (Einwachsen der Plazenta in die Gebärmutterwand)
  • Erhöhtes Risiko für eine Hysterektomie (operative Entfernung der Gebärmutter) im Extremfall

Prognose und Prävention

Mit frühzeitiger Diagnose und angemessener medizinischer Betreuung ist die Prognose für Mutter und Kind in den meisten Fällen gut. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft sind entscheidend für eine frühzeitige Erkennung. Das Risiko kann durch Verzicht auf Rauchen und die Vermeidung unnötiger Eingriffe an der Gebärmutter reduziert werden.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie zur Peri- und postpartalen Blutung (PPH), AWMF-Registernummer 015-063, 2022.
  2. Oppenheimer L; Society of Obstetricians and Gynaecologists of Canada (SOGC): Diagnosis and Management of Placenta Previa. Journal of Obstetrics and Gynaecology Canada, 2007;29(3):261-266.
  3. Cunningham FG et al.: Williams Obstetrics, 26th Edition. McGraw-Hill Education, 2022.
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