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Plazentaablösung

Was ist eine Plazentaablösung?

Die Plazentaablösung (medizinisch: Abruptio placentae) bezeichnet die vorzeitige, vollständige oder teilweise Trennung der Plazenta (Mutterkuchen) von der inneren Wand der Gebärmutter (Uterus) während der Schwangerschaft – vor der eigentlichen Geburt des Kindes. Die Plazenta ist für die Versorgung des ungeborenen Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig. Eine vorzeitige Lösung unterbricht diese lebenswichtige Verbindung und stellt eine ernsthafte Notfallsituation dar.

Die Plazentaablösung tritt in etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Schwangerschaften auf und zählt zu den häufigsten Ursachen für Blutungen im dritten Schwangerschaftsdrittel. Je nach Ausmaß der Lösung wird zwischen einer partiellen (teilweisen) und einer totalen (vollständigen) Plazentaablösung unterschieden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache einer Plazentaablösung ist häufig nicht eindeutig klärbar. Es gibt jedoch verschiedene Faktoren, die das Risiko erhöhen:

  • Bluthochdruck (Hypertonie) in der Schwangerschaft, einschließlich Präeklampsie
  • Bauchtrauma, z. B. durch einen Unfall oder einen Sturz
  • Rauchen während der Schwangerschaft
  • Drogenkonsum, insbesondere Kokain
  • Frühere Plazentaablösung in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • Mehrlingsschwangerschaften (z. B. Zwillinge)
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Thrombophilie (erhöhte Blutgerinnungsneigung)
  • Hohes mütterliches Alter sowie eine große Anzahl vorangegangener Schwangerschaften
  • Unterernährung oder Mangel an bestimmten Nährstoffen wie Folat

Symptome

Die Symptome einer Plazentaablösung können je nach Schweregrad variieren. Typische Anzeichen sind:

  • Vaginale Blutung: oft plötzlich auftretend, kann jedoch auch fehlen (verdeckte Blutung hinter der Plazenta)
  • Plötzliche, starke Bauchschmerzen oder Unterleibskrämpfe
  • Dauerhaft angespannter, harter Bauch (Uterustonus)
  • Rückenschmerzen
  • Veränderte Kindsbewegungen oder ausbleibende Kindsbewegungen
  • Zeichen eines Schocks bei der Mutter: Schwindel, Blass sein, schneller Herzschlag, Bewusstlosigkeit

In schweren Fällen kann es zu einem lebensbedrohlichen Blutverlust bei der Mutter und zu einer akuten Unterversorgung (Hypoxie) des Kindes kommen.

Diagnose

Die Diagnose der Plazentaablösung wird in erster Linie klinisch gestellt, also auf Basis der Beschwerden und der körperlichen Untersuchung. Folgende Untersuchungen kommen zum Einsatz:

  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Kann ein Blutgerinnsel hinter der Plazenta sichtbar machen, schließt eine Ablösung aber nicht immer sicher aus
  • Kardiotokographie (CTG): Überwachung der kindlichen Herzfrequenz und der Wehentätigkeit
  • Laboruntersuchungen: Blutbild, Gerinnungswerte, Blutgruppe und Kreuzprobe
  • Klinische Untersuchung: Abtasten des Bauches, Beurteilung der Blutung und des Allgemeinzustands der Mutter

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Ablösung, dem Gestationsalter (Schwangerschaftswoche) und dem Zustand von Mutter und Kind.

Leichte bis moderate Plazentaablösung

Bei einer teilweisen Ablösung und stabilem Zustand von Mutter und Kind kann unter engmaschiger Überwachung im Krankenhaus eine abwartende Haltung eingenommen werden – insbesondere, wenn die Schwangerschaft noch nicht in der Nähe des errechneten Geburtstermins ist. Bettruhe und kontinuierliches CTG-Monitoring sind dabei obligatorisch.

Schwere Plazentaablösung

Bei einer schweren oder vollständigen Plazentaablösung ist eine sofortige Entbindung erforderlich – in der Regel per Kaiserschnitt (Sectio caesarea). Gleichzeitig werden stabilisierende Maßnahmen für die Mutter eingeleitet, wie Bluttransfusionen, Gabe von Gerinnungsfaktoren und intensivmedizinische Betreuung.

Nachsorge

Nach einer Plazentaablösung sind sowohl Mutter als auch Kind engmaschig zu überwachen. Das Risiko für körperliche und psychische Komplikationen ist erhöht. Bei späteren Schwangerschaften sollte das erhöhte Wiederholungsrisiko mit dem betreuenden Arzt oder der Hebamme besprochen werden.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Ausmaß der Ablösung und der Schnelligkeit der medizinischen Versorgung ab. Eine frühzeitige Diagnose und rasche Behandlung verbessern die Chancen für Mutter und Kind erheblich. Schwere Fälle können jedoch zu Komplikationen wie Nierenversagen, Gerinnungsstörungen (disseminierte intravasale Koagulopathie, DIC) oder dem Tod von Mutter oder Kind führen.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Managing Complications in Pregnancy and Childbirth: A Guide for Midwives and Doctors. 2. Auflage. Genf: WHO, 2017.
  2. Ananth CV, Lavery JA, Vintzileos AM et al.: Severe placental abruption: clinical definition and associations with maternal complications. American Journal of Obstetrics & Gynecology, 2016; 214(2): 272.e1–272.e9. PubMed PMID: 26363459.
  3. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S2k-Leitlinie: Peripartale Blutungen – Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 015-063, 2022.
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