Säugling Schnupfen
Was ist Schnupfen beim Säugling?
Schnupfen beim Säugling, medizinisch als Rhinitis bezeichnet, ist eine Entzündung der Nasenschleimhaut, die häufig durch Viren verursacht wird. Säuglinge sind besonders anfällig für Schnupfen, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Da Babys in den ersten Lebensmonaten ausschließlich durch die Nase atmen (sogenannte obligate Nasenatmer), kann eine verstopfte Nase das Trinken und Schlafen erheblich erschweren und das Wohlbefinden des Kindes stark beeinträchtigen.
Ursachen
Die häufigsten Ursachen für Schnupfen bei Säuglingen sind:
- Virusinfektionen: Rhinoviren, RS-Viren (Respiratory Syncytial Virus) und andere Erkältungsviren sind die häufigsten Auslöser.
- Bakterielle Infektionen: Seltener, aber möglich, besonders als Folge einer viralen Infektion.
- Trockene Raumluft: Besonders im Winter kann trockene Heizungsluft die Nasenschleimhaut reizen.
- Allergische Reaktionen: Obwohl bei sehr jungen Säuglingen selten, können Allergene die Nasenschleimhaut reizen.
- Zahnen: Das Zahnen kann gelegentlich eine vermehrte Schleimproduktion verursachen.
Symptome
Typische Symptome eines Schnupfens beim Säugling umfassen:
- Laufende oder verstopfte Nase mit wässrigem oder dickflüssigem Sekret
- Schniefen und geräuschereiches Atmen
- Schwierigkeiten beim Trinken an Brust oder Flasche
- Gestörter Schlaf durch Atemschwierigkeiten
- Erhöhte Reizbarkeit und Weinen
- Leicht erhöhte Körpertemperatur oder Fieber
- Gelegentlich Husten durch nachlaufendes Sekret
Diagnose
In den meisten Fällen wird Schnupfen beim Säugling durch eine einfache körperliche Untersuchung durch den Kinderarzt diagnostiziert. Der Arzt beurteilt dabei:
- Den Zustand der Nasenschleimhaut
- Die Farbe und Konsistenz des Nasensekrets
- Die Ohren (auf mögliche Mittelohrentzündung)
- Den Rachen und die Lunge (zum Ausschluss einer tiefer liegenden Infektion)
Bei anhaltenden oder schwerwiegenden Beschwerden können weitere Untersuchungen, wie ein Abstrich zur Erregerbestimmung, notwendig sein.
Behandlung
Allgemeine Maßnahmen
Da Schnupfen bei Säuglingen in der Regel durch Viren verursacht wird, gibt es keine spezifische medikamentöse Behandlung. Die Therapie zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden des Kindes zu verbessern:
- Kochsalzlösung (physiologische Nasenlösung): Einige Tropfen in jedes Nasenloch träufeln, um den Schleim zu verflüssigen und die Nase zu befeuchten.
- Nasensekret absaugen: Mit einem speziellen Baby-Nasensauger oder einem Nasensauger mit Mundstück kann angesammelter Schleim sanft entfernt werden.
- Raumluft befeuchten: Ein Luftbefeuchter kann helfen, die Nasenschleimhaut zu entlasten.
- Erhöhte Schlafposition: Den Kopf des Säuglings leicht erhöht lagern (z.B. durch Unterlegen eines Kissens unter die Matratze), um das Abfließen des Sekrets zu erleichtern.
- Ausreichend Flüssigkeit: Häufigeres Anlegen oder Flasche anbieten, um eine gute Hydratation sicherzustellen.
Medikamentöse Behandlung
Abschwellende Nasentropfen oder -sprays dürfen bei Säuglingen und Kleinkindern nur nach Absprache mit dem Kinderarzt angewendet werden. Herkömmliche Schnupfenmittel für Erwachsene sind für Säuglinge nicht geeignet und können gefährlich sein. Bei Fieber kann nach Absprache mit dem Arzt ein geeignetes, altersgerechtes Fiebermittel (z.B. Paracetamol-Suppositorien) eingesetzt werden.
Wann zum Arzt?
Eltern sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn:
- Der Säugling jünger als 3 Monate ist und Schnupfen oder Fieber zeigt
- Fieber über 38,5 °C (bei Säuglingen unter 3 Monaten bereits ab 38 °C)
- Das Baby deutliche Atemschwierigkeiten hat oder die Lippen bläulich verfärbt sind
- Das Kind kaum oder gar nicht trinkt
- Der Schnupfen länger als 10 Tage andauert oder sich verschlimmert
- Ohrenschmerzen oder Eiterfluß aus dem Ohr auftreten
- Das Allgemeinbefinden des Kindes stark beeinträchtigt ist
Vorbeugung
Vollständig verhindern lässt sich Schnupfen beim Säugling kaum, da das Immunsystem noch in der Entwicklung ist. Dennoch können einige Maßnahmen das Risiko verringern:
- Stillen: Muttermilch enthält Antikörper, die das Immunsystem des Säuglings unterstützen.
- Händehygiene: Regelmäßiges Händewaschen von Eltern und Geschwistern reduziert die Übertragung von Viren.
- Kontakt mit erkrankten Personen meiden: Besonders in den ersten Lebensmonaten sollten kranke Personen möglichst keinen engen Kontakt zum Baby haben.
- Rauchfreie Umgebung: Tabakrauch reizt die Atemwege und erhöht die Anfälligkeit für Infekte.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI): Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 7. Auflage, Thieme Verlag.
- World Health Organization (WHO): Pocket book of hospital care for children, 2nd edition (2013). Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241548373
- Kliegman RM et al.: Nelson Textbook of Pediatrics, 21st edition, Elsevier (2020).