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Taurin

Was ist Taurin?

Taurin (chemisch: 2-Aminoethansulfonsäure) ist eine schwefelhaltige organische Säure, die strukturell den Aminosäuren ähnelt, jedoch keine echte Aminosäure im klassischen Sinne ist, da sie keine Carboxylgruppe besitzt. Der Körper kann Taurin selbst aus den Aminosäuren Cystein und Methionin synthetisieren, weshalb es als bedingt essenziell gilt. Taurin kommt in hohen Konzentrationen in Muskelgewebe, im Gehirn, in der Netzhaut des Auges sowie im Herz vor.

Biologische Funktionen

Taurin übernimmt im menschlichen Körper eine Vielzahl wichtiger physiologischer Aufgaben:

  • Gallensäurekonjugation: Taurin wird in der Leber zur Bildung von Gallensäuren benötigt, die für die Fettverdauung und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine unerlässlich sind.
  • Antioxidative Wirkung: Taurin kann reaktive Sauerstoffspezies (freie Radikale) neutralisieren und schützt so Zellen vor oxidativem Stress.
  • Osmoregulation: Es reguliert den Flüssigkeitshaushalt innerhalb der Zellen und unterstützt die Zellvolumenkontrolle.
  • Neuromodulation: Im Nervensystem wirkt Taurin als modulierender Neurotransmitter und hat beruhigende sowie nervenschutzende Eigenschaften.
  • Herzfunktion: Taurin ist am Kalziumtransport im Herzmuskel beteiligt und trägt zur normalen Herzkontraktion bei.
  • Netzhautschutz: Im Auge ist Taurin für die Gesundheit der Netzhautzellen (Photorezeptoren) unverzichtbar.

Nahrungsquellen

Taurin kommt hauptsächlich in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Gute Quellen sind:

  • Fisch und Meesfrüchte (z. B. Muscheln, Garnelen, Thunfisch)
  • Fleisch (insbesondere Rind- und Hühnerfleisch)
  • Milch und Milchprodukte

Pflanzliche Lebensmittel enthalten kaum oder kein Taurin, weshalb Veganer und Vegetarier ein erhöhtes Risiko für einen niedrigen Taurinspiegel haben können. Dennoch ist ein schwerer Taurinmangel beim gesunden Erwachsenen durch die körpereigene Synthese selten.

Empfohlene Zufuhr

Es gibt keine offiziell festgelegte tägliche Zufuhrempfehlung für Taurin durch die WHO oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), da der Körper Taurin selbst herstellen kann. Über die normale Mischkost nehmen Erwachsene durchschnittlich 40 bis 400 mg Taurin pro Tag auf. In klinischen Studien wurden therapeutische Dosen von bis zu 3 g täglich als sicher eingestuft.

Taurin als Nahrungsergänzungsmittel

Taurin wird häufig in Energydrinks, Sportnahrung und als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel angeboten. In der Sporternährung wird es für eine mögliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine schnellere Regeneration diskutiert. Die wissenschaftliche Evidenz ist in diesen Bereichen noch im Wachsen, einzelne Studien zeigen jedoch positive Effekte auf die Ausdauerleistung und die Muskelgesundheit.

Taurinmangel

Ein Taurinmangel kann bei bestimmten Personengruppen auftreten, darunter:

  • Frühgeborene (unzureichende Eigenproduktion)
  • Menschen mit schweren Lebererkrankungen
  • Streng pflanzlich ernährte Personen ohne Supplementierung
  • Patienten unter bestimmter Medikation (z. B. einige Antiepileptika)

Symptome eines Mangels können Sehstörungen (durch Beeinträchtigung der Netzhaut), Herzschwierigkeiten sowie Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Säuglingen umfassen. Bei Katzen ist Taurin eine essenziell notwendige Aminosäure, da sie es nicht selbst synthetisieren können.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Taurin gilt bei moderater Dosierung als gut verträglich und sicher. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Taurinmengen von bis zu 6 g pro Tag als unbedenklich eingestuft. Wechselwirkungen mit gängigen Medikamenten sind bisher kaum bekannt, bei der Einnahme von Lithium oder blutdrucksenkenden Mitteln sollte jedoch Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden. Energydrinks, die Taurin in Kombination mit Koffein und Alkohol enthalten, können gesundheitliche Risiken bergen und sollten mit Vorsicht konsumiert werden.

Quellen

  1. Schaffer, S. W. et al. - "Physiological roles of taurine in heart and muscle" - Journal of Biomedical Science, 2010. Verfügbar auf PubMed.
  2. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) - "Scientific Opinion on the safety of taurine as practiced in energy drinks" - EFSA Journal, 2009.
  3. Ripps, H. & Shen, W. - "Review: Taurine: A very essential amino acid" - Molecular Vision, 2012. Verfügbar auf PubMed.
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