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Wachstumsschub

Was ist ein Wachstumsschub?

Ein Wachstumsschub (auch Wachstumsspurt genannt) bezeichnet eine Phase, in der der Körper in kurzer Zeit deutlich schneller wächst als üblich. Dieses Phänomen tritt in bestimmten Lebensphasen auf und ist ein natürlicher Bestandteil der körperlichen Entwicklung. Betroffen sind vor allem Säuglinge in den ersten Lebensmonaten, Kleinkinder sowie Jugendliche in der Pubertät. Während eines Wachstumsschubs können Körpergröße, Körpergewicht und Muskulatur rasch zunehmen.

Wann treten Wachstumsschübe auf?

Wachstumsschübe folgen einem typischen Muster, das sich an bestimmten Lebensaltern orientiert:

Bei Säuglingen

Säuglinge erleben in den ersten Lebensmonaten besonders intensive Wachstumsschübe. Typische Phasen sind:

  • Rund um den 7. bis 10. Lebenstag
  • Um die 3. bis 6. Lebenswoche
  • Um den 3. Lebensmonat
  • Um den 6. Lebensmonat
  • Um den 9. Lebensmonat

Während dieser Phasen benötigen Säuglinge häufiger Nahrung, da der Energiebedarf stark ansteigt. Gestillte Kinder legen deshalb oft häufiger an, um die Milchproduktion anzuregen.

Bei Kleinkindern und Schulkindern

Auch im Kleinkind- und Schulkindalter gibt es Phasen schnelleren Wachstums, die jedoch weniger abrupt verlaufen als bei Säuglingen. Kinder können in solchen Phasen müder wirken, mehr essen und über Wachstumsschmerzen klagen.

In der Pubertät

Der größte Wachstumsschub im Leben eines Menschen findet in der Pubertät statt. Mädchen erleben ihn typischerweise zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr, Jungen etwas später zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr. In dieser Phase können Jugendliche mehrere Zentimeter pro Jahr wachsen.

Anzeichen und Symptome eines Wachstumsschubs

Ein Wachstumsschub kündigt sich durch verschiedene Zeichen an, die Eltern und Betroffene erkennen können:

  • Erhöhter Hunger und Appetit: Der Energiebedarf steigt deutlich an.
  • Vermehrter Schlafbedarf: Der Körper regeneriert und wächst hauptsächlich im Schlaf.
  • Unruhe und Quengeligkeit (besonders bei Säuglingen): Das Kind ist schwächer zu beruhigen als üblich.
  • Wachstumsschmerzen: Ziehende oder dumpfe Schmerzen, vor allem in den Beinen, können auftreten.
  • Sichtbare Veränderungen: Kleider und Schuhe passen plötzlich nicht mehr.
  • Verändertes Trinkverhalten bei Säuglingen: Häufigeres Anlegen oder größere Trinkmengen.

Ursachen und biologische Grundlagen

Wachstumsschübe werden durch Wachstumshormone gesteuert, die von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziert werden. Während der Pubertät spielen zusätzlich Geschlechtshormone wie Östrogen und Testosteron eine zentrale Rolle. Das Wachstum findet vor allem in den Wachstumsfugen (Epiphysenfugen) der Knochen statt. Diese Fugen schließen sich am Ende der Pubertät, wodurch das Längenwachstum endet.

Was hilft während eines Wachstumsschubs?

Ein Wachstumsschub ist ein natürlicher Vorgang und erfordert in der Regel keine medizinische Behandlung. Folgende Maßnahmen können jedoch helfen, die Phase angenehmer zu gestalten:

  • Ausreichende Ernährung: Eine nährstoffreiche Kost mit genügend Kalorien, Protein, Kalzium und Vitamin D unterstützt gesundes Knochenwachstum.
  • Viel Schlaf: Da Wachstumshormone hauptsächlich im Tiefschlaf ausgeschüttet werden, ist ausreichend Schlaf essenziell.
  • Wärme bei Wachstumsschmerzen: Wärmflaschen oder sanfte Massagen können Schmerzen lindern.
  • Geduld und Verständnis: Eltern sollten die veränderten Bedürfnisse ihres Kindes ernst nehmen.
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Kinderarzttermine helfen, das Wachstum zu überwachen und Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.

Wann zum Arzt?

Ein Wachstumsschub ist in der Regel harmlos. Ärztlichen Rat sollte man jedoch einholen, wenn:

  • das Kind dauerhaft starke Schmerzen hat,
  • das Wachstum deutlich über oder unter dem Durchschnitt liegt,
  • Begleiterscheinungen wie hohes Fieber, Schwellungen oder starke Stimmungsschwankungen auftreten,
  • Eltern sich grundsätzlich Sorgen über die Entwicklung ihres Kindes machen.

Ein Pädiater (Kinderarzt) kann mithilfe von Wachstumskurven und bei Bedarf mit Blutuntersuchungen oder Knochenalterbestimmung beurteilen, ob die Entwicklung im normalen Bereich liegt.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO) - Child Growth Standards: WHO Child Growth Standards: Length/height-for-age, weight-for-age, weight-for-length, weight-for-height and body mass index-for-age. Genf, 2006. Verfügbar unter: https://www.who.int/tools/child-growth-standards
  2. Largo, R. H. - Babyjahre: Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht. Piper Verlag, München, 2019.
  3. Ranke, M. B. & Wit, J. M. - Growth hormone - past, present and future. Nature Reviews Endocrinology, 14(5), 285-300, 2018. DOI: 10.1038/nrendo.2018.22
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