Wehen erkennen
Was sind Wehen?
Wehen sind rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter, die den Körper auf die Geburt vorbereiten oder diese aktiv einleiten. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von Hormonen – insbesondere Oxytocin – und der glatten Muskulatur der Gebärmutter. Für werdende Mütter ist es wichtig, echte Wehen von harmlosen Vorwehen oder Übungswehen zu unterscheiden, um rechtzeitig in die Klinik zu kommen.
Arten von Wehen
Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)
Übungswehen treten ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche auf und dienen der Vorbereitung der Gebärmutter. Sie sind in der Regel unregelmäßig, schmerzärm und lassen nach, wenn die Schwangere ihre Position wechselt oder sich ausruht. Sie werden nicht stärker und verschwinden von selbst.
Vorwehen (Senkwehen)
Vorwehen, auch Senkwehen genannt, treten in den letzten Wochen vor der Geburt auf. Sie helfen dabei, den Kopf des Kindes tiefer ins Becken zu senken. Diese Wehen sind ebenfalls unregelmäßig und weniger schmerzhaft als echte Geburtswehen, können aber ein deutliches Druckgefühl im Unterleib verursachen.
Echte Geburtswehen
Echte Wehen sind das sicherste Zeichen, dass die Geburt beginnt. Sie unterscheiden sich durch folgende Merkmale von Vorwehen:
- Sie kommen regelmäßig in gleichmäßigen Abständen
- Die Abstände werden kürzer (z. B. alle 10 Minuten, dann alle 5 Minuten)
- Die Dauer der einzelnen Wehe verlängert sich (von ca. 30 auf bis zu 60–90 Sekunden)
- Die Intensität nimmt zu und lässt sich durch Positionswechsel nicht reduzieren
- Der Schmerz strahlt häufig vom Rücken in den Unterleib aus
Wehen erkennen: Die wichtigsten Anzeichen
Um Wehen sicher zu erkennen, empfiehlt es sich, die Kontraktionen zu stoppen und zu timen. Notieren Sie Beginn, Ende und Abstand jeder Wehe. Folgende Faustregeln helfen bei der Einschätzung:
- 5-1-1-Regel: Wehen alle 5 Minuten, jede Wehe dauert mindestens 1 Minute, seit mindestens 1 Stunde – dann sollte die Klinik aufgesucht werden.
- Zusätzliche Zeichen können sein: Abgang des Schleimpfropfs, Rötlich-brauner Ausfluss (Zeichnungsblutung) oder Blasensprung.
Wann sofort in die Klinik?
In bestimmten Situationen sollte die Klinik sofort aufgesucht oder der Notruf gewählt werden:
- Bei Blasensprung (Fruchtwasserabgang), auch ohne Wehen
- Bei starken Blutungen
- Bei weniger als 37 vollendeten Schwangerschaftswochen und regelmäßigen Wehen (Frühgeburtsverdacht)
- Bei starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schwellungen (mögliche Präeklampsie)
- Wenn die Wehen sehr plötzlich und extrem stark werden
Unterschied: Wehen vs. Übungswehen im Überblick
- Regelmäßigkeit: Echte Wehen – regelmäßig; Übungswehen – unregelmäßig
- Intensität: Echte Wehen – zunehmend; Übungswehen – gleich bleibend oder nachlassend
- Reaktion auf Bewegung: Echte Wehen – keine Besserung; Übungswehen – oft Besserung bei Lagewer chsel
- Dauer: Echte Wehen – länger werdend; Übungswehen – kurz und unregelmäßig
Tipps für die Geburtsphase
Sobald echte Wehen einsetzen, ist es hilfreich, ruhig zu bleiben und auf die Atemsignale des Körpers zu hören. Atemtechniken aus dem Geburtsvorbereitungskurs können helfen, die Wehen besser zu verarbeiten. Eine Hebamme oder das geburtshilfliche Team steht jederzeit für Rückfragen zur Verfügung.
Quellen
- World Health Organization (WHO): WHO Recommendations: Intrapartum Care for a Positive Childbirth Experience. Geneva: WHO, 2018.
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie: Vaginale Geburt am Termin. AWMF-Registernummer 015-083, 2020.
- Stanton C et al.: Recognition of signs and symptoms of labor. Midwifery, Elsevier, 2017.