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Wehen veratmen

Was bedeutet „Wehen veratmen“?

Wehen veratmen beschreibt die bewusste Steuerung des Atems während einer Wehe. Ziel ist es, den Schmerz besser zu tolerieren, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und eine Überspannung der Muskulatur zu vermeiden. Diese Technik ist ein zentraler Bestandteil der Geburtsvorbereitung und wird in Geburtsvorbereitungskursen, von Hebammen sowie in der Klinik gelehrt.

Warum ist das Veratmen von Wehen wichtig?

Während einer Wehe zieht sich die Gebärmutter kräftig zusammen. Dies kann als intensiver, krampfartiger Schmerz im Unterleib und Rücken wahrgenommen werden. Viele Frauen neigen in dieser Situation dazu, den Atem anzuhalten oder flach und schnell zu atmen – beides kann die Anspannung verstärken und die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind verschlechtern. Gezieltes Atmen hingegen:

  • fördert die Entspannung der Körpermuskulatur
  • sichert eine ausreichende Sauerstoffversorgung für Mutter und Kind
  • gibt der Gebärenden eine aktive Aufgabe während der Wehe
  • reduziert das Angst- und Panikgefühl
  • kann den Einsatz von Schmerzmitteln verringern

Atemtechniken für die Eröffnungsphase

In der Eröffnungsphase der Geburt, wenn der Muttermund sich öffnet, sind die Wehen regelmäßig, aber noch nicht so intensiv wie später. Folgende Atemtechniken haben sich bewährt:

Tiefes, ruhiges Atmen

Die gebräuchlichste Methode: Zu Beginn der Wehe tief durch die Nase einatmen, dann langsam und kontrolliert durch den leicht geöffneten Mund ausatmen. Die Ausatemphase sollte deutlich länger sein als die Einatemphase (z. B. 4 Sekunden einatmen, 6–8 Sekunden ausatmen). Diese Technik aktiviert das parasympathische Nervensystem und fördert Entspannung.

Rhythmisches Atmen

Manche Frauen finden es hilfreich, den Atem auf einen bestimmten Rhythmus abzustimmen, etwa durch innerliches Zählen oder durch Unterstützung einer Bezugsperson. Ein gleichmäßiger Atemrhythmus hilft, den Fokus zu behalten und Panik zu vermeiden.

Atemtechniken für die Übergangsphase und Pressphase

In der Übergangsphase (kurz vor der vollständigen Eröffnung des Muttermundes) werden die Wehen stärker und kürzer. Hier kann folgende Technik helfen:

Hecheln (kurzes, flaches Atmen)

Kurzes, schnelles Ein- und Ausatmen durch den Mund – ähnlich wie bei einem Hund, der hechelt – kann helfen, den Drang zu pressen zu unterdrücken, wenn dieser noch zu früh kommt. Diese Technik sollte nur kurzzeitig eingesetzt werden, da sie zu Schwindel führen kann.

Atmen während der Pressphase

In der Pressphase empfiehlt die Hebamme in der Regel, tief einzuatmen, den Atem kurz anzuhalten und gleichzeitig zu pressen – oder alternativ mit einem langen Ausatmen zu pressen (sogenanntes spontanes Pressen). Welche Methode besser geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab und wird von der begleitenden Hebamme oder dem medizinischen Personal begleitet.

Praktische Tipps zum Üben

  • Atemtechniken bereits während der Schwangerschaft üben, z. B. in Geburtsvorbereitungskursen
  • Die Bezugsperson (Partner, Doula) in die Atembegleitung einbeziehen
  • Eine bequeme Position einnehmen, z. B. sitzend auf einem Geburtshocker oder vielfüßig
  • Auf den eigenen Körper hören und die Technik bei Bedarf anpassen
  • Zwischen den Wehen vollständig entspannen und normale Atemzüge nehmen

Wann professionelle Unterstützung suchen?

Das Veratmen von Wehen ersetzt keine medizinische Betreuung während der Geburt. Wenn Schmerzen als nicht mehr beherrschbar empfunden werden, stehen weitere Methoden der Schmerzerleichterung zur Verfügung, wie Periduralanasthesie (PDA), Lachgas, Wasser (Geburtswanne) oder Schmerzmittel. Die Entscheidung hierfür sollte stets gemeinsam mit dem Geburtsteam getroffen werden.

Quellen

  1. Stadelmann, I. – Die Hebammensprechstunde. 10. Auflage. Stadelmann Verlag, 2015.
  2. Simkin, P. & Ancheta, R. – The Labor Progress Handbook: Early Interventions to Prevent and Treat Dystocia. Wiley-Blackwell, 2017.
  3. World Health Organization (WHO) – WHO Recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
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