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Wehencocktail

Was ist ein Wehencocktail?

Der Begriff Wehencocktail bezeichnet eine Mischung aus verschiedenen Zutaten, die schwangere Frauen kurz vor oder nach dem errechneten Geburtstermin einnehmen, um die Geburt auf natürlichem Wege einzuleiten. Am häufigsten wird ein Getränk auf Basis von Rizinusöl (Castoröl) verwendet, das mit Fruchtsaft, Mandelmus oder anderen Zutaten gemischt wird. Der Wehencocktail wird vor allem im deutschsprachigen Raum diskutiert und in manchen Hebammenpraxen angewandt, ist jedoch medizinisch nicht einheitlich empfohlen und sollte niemals ohne ärztliche oder hebammenkundliche Begleitung eingenommen werden.

Zusammensetzung und typische Rezepte

Die genaue Zusammensetzung eines Wehencocktails variiert je nach Hebamme oder Region. Typische Zutaten sind:

  • Rizinusöl (meist 50–100 ml) – der zentrale Wirkstoff
  • Mandel- oder Aprikosensaft als Trägerflüssigkeit
  • Mandelmus oder Mandelmus-Alternativen
  • Aprikosenmarmelade oder Fruchtpüree
  • Gelegentlich ätherische Öle wie Rosenholzöl

Diese Mischungen werden in der Regel als einmalige Dosis oral eingenommen. Die genaue Dosierung sollte immer von einer Fachkraft festgelegt werden.

Wirkmechanismus

Der entscheidende Wirkstoff im Wehencocktail ist das Rizinusöl, das aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) gewonnen wird. Nach der Einnahme wird Rizinusöl im Dünndarm durch Lipasen in Rizinolsäure gespalten. Diese bindet an spezifische Prostanoid-Rezeptoren (EP3-Rezeptoren) im Darm und in der Gebärmutter. Die Stimulation dieser Rezeptoren führt zu:

  • Erhöhter Darmperistaltik (fördert Stuhlgang und Darmkontraktionen)
  • Anregung von Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur (Myometrium)
  • Möglicherweise Freisetzung von endogenem Oxytocin, das Wehen verstärkt

Durch diese kombinierten Effekte kann bei einem reifen Muttermund eine Geburtseinleitung angeregt werden. Fehlt die ausreichende Reife des Muttermunds, ist der Effekt deutlich weniger zuverlässig.

Anwendung und Voraussetzungen

Ein Wehencocktail sollte ausschließlich in Absprache mit einer Hebamme oder einem Arzt bzw. einer Ärztin eingenommen werden. Grundlegende Voraussetzungen für eine Anwendung sind:

  • Schwangerschaftswoche 40+0 oder später (oder nach ärztlicher Anweisung)
  • Reifer Muttermund (Bishop-Score ausreichend hoch)
  • Einlingsschwangerschaft in Schädellage
  • Kein medizinischer Ausschlussgrund (z. B. Plazenta prävia, Zustand nach Kaiserschnitt)
  • Normale Kindslage und unauffällige CTG-Befunde

Risiken und Nebenwirkungen

Die Einnahme eines Wehencocktails ist nicht ohne Risiken. Mögliche Nebenwirkungen umfassen:

  • Starker Durchfall und Erbrechen (häufig und belastend für die Mutter)
  • Dehydratation durch Flüssigkeitsverlust
  • Abgang von Mekonium beim Kind (erster Stuhlgang des Neugeborenen noch im Mutterleib), was zu Komplikationen führen kann
  • Zu starke oder unkoordinierte Wehentätigkeit (Wehensturm)
  • Stress für das ungeborene Kind durch übermäßige Uteruskontraktionen

Diese Risiken unterstreichen, warum eine eigenständige Einnahme ohne medizinische Begleitung dringend abzuraten ist.

Wissenschaftliche Evidenz

Die Studienlage zur Wirksamkeit des Wehencocktails ist begrenzt und nicht eindeutig. Einige Studien, darunter eine Untersuchung der Universität Frankfurt, konnten zeigen, dass Rizinusöl bei reifen Schwangerschaften die Geburtseinleitung beschleunigen kann. Andere Studien fanden keinen signifikanten Vorteil gegenüber einem Placebo. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie internationale Leitlinien empfehlen die Anwendung nicht als Standardmethode, schließen sie aber unter bestimmten Umständen nicht kategorisch aus.

Alternativen zur Geburtseinleitung

Neben dem Wehencocktail existieren weitere Methoden zur Einleitung oder Unterstützung der Geburt:

  • Medizinische Einleitung mit Prostaglandinen oder Oxytocin im Krankenhaus
  • Mechanische Methoden (z. B. Ballonkatheter, Amniotomie)
  • Brustwarzenreizung zur Oxytocinausschüttung
  • Akupunktur oder Akupressur (komplementarmedizinisch)
  • Gehen und Bewegung

Welche Methode geeignet ist, hängt immer von der individuellen Situation der Schwangeren und des Kindes ab und sollte gemeinsam mit dem medizinischen Fachpersonal entschieden werden.

Quellen

  1. Neri I, Dante G, Pignatti L, Salvioli C, Facchinetti F. - Castor oil for induction of labour: a retrospective study. - Journal of Maternal-Fetal and Neonatal Medicine, 2018.
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Leitlinie: Geburtseinleitung (S1-Leitlinie), 2020. Verfügbar unter: www.dggg.de
  3. Modlock J, Nielsen BB, Uldbjerg N. - Acupuncture for the induction of labour: a double-blind randomised controlled study. - BJOG: An International Journal of Obstetrics and Gynaecology, 2010.
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