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Wehensimulator

Was ist ein Wehensimulator?

Ein Wehensimulator ist ein medizinisches Trainings- und Demonstrationsgerät, das die Schmerzempfindungen von Geburtsswehen künstlich nachahmt. Mithilfe von elektrischen Impulsen (transkutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS) werden Muskelkontraktionen im Bauchbereich simuliert, die den Wehen einer natürlichen Geburt ähneln. Das Gerät wird hauptsächlich zu Bildungs-, Aufklärungs- und Empathiezwecken eingesetzt.

Wie funktioniert ein Wehensimulator?

Der Wehensimulator arbeitet auf Basis der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS). Dabei werden Elektroden auf der Bauchfläche der Testperson befestigt. Das Gerät sendet dann kontrollierte, niedrig- bis mittelfrequente elektrische Ströme durch die Haut, die die Bauchmuskulatur zur Kontraktion anregen. Die Intensität der Impulse lässt sich stufenweise steigern, um verschiedene Phasen des Geburtsprozesses darzustellen:

  • Latenzphase: Leichte, unregelmäßige Kontraktionen zu Beginn der Geburt
  • Aktive Phase: Stärkere, regelmäßigere Wehen mit zunehmendem Schmerzniveau
  • Transitionsphase: Sehr intensive, kurz aufeinanderfolgende Kontraktionen kurz vor der Entbindung

Die erzeugten Empfindungen können je nach Gerät und Einstellung von einem leichten Drücken bis hin zu starken, krampfartigen Schmerzen reichen.

Wofür wird ein Wehensimulator eingesetzt?

Empathieschulung und Aufklärung

Der wohl bekannteste Einsatzzweck des Wehensimulators ist die Empathieschulung. Partner, Angehörige oder Interessierte – meist Männer – können damit selbst erleben, wie sich Geburtsswehen anfühlen. Dies soll das Verständnis für die körperlichen Belastungen der Geburt fördern und die Empathie gegenüber Gebärenden stärken.

Medizinische Ausbildung

In der medizinischen und pflegerischen Ausbildung wird der Wehensimulator eingesetzt, um angehenden Ärzten, Hebammen und Pflegekräften ein praktisches Verständnis für den Geburtsschmerz zu vermitteln. Dieses Wissen kann die Patientenbetreuung und Kommunikation verbessern.

Präventive und psychologische Vorbereitung

Schwangere können den Simulator nutzen, um sich mental auf den Schmerz der Geburt vorzubereiten und Entspannungs- oder Atemtechniken unter kontrollierten Bedingungen zu üben. Dies kann dazu beitragen, Geburtsängste zu reduzieren.

Unterhaltung und Medien

Wehensimulationen werden auch in Unterhaltungsformaten – etwa in Reality-TV-Sendungen oder sozialen Medien – eingesetzt, um ein breites Publikum für das Thema Geburt und Geburtsschmerz zu sensibilisieren.

Wie realistisch ist ein Wehensimulator?

Obwohl der Wehensimulator ein nützliches Hilfsmittel zur Veranschaulichung von Geburtsschmerzen ist, gibt es wichtige Unterschiede zur echten Geburt:

  • Die Dauer der Schmerzen unterscheidet sich: Echte Wehen dauern Stunden bis Tage, eine Simulation meist nur Minuten.
  • Der Simulator erfasst nicht die hormonellen Veränderungen (z. B. Ausschüttung von Oxytocin und Endorphinen), die den Geburtsschmerz beeinflussen.
  • Die psychologische Komponente – die Erwartung, Angst und das Wissen um die Entbindung – fehlt beim Simulator vollständig.
  • Die Schmerzqualität kann sich unterscheiden, da bei echten Wehen auch tiefe Gewebsstrukturen und das Becken betroffen sind.

Dennoch wird der Simulator von vielen Anwendern als äußerst schmerzhaft und aufschlussreich beschrieben.

Sicherheit und Kontraindikationen

Der Einsatz eines Wehensimulators ist in der Regel sicher, sollte jedoch bei bestimmten Personengruppen vermieden werden:

  • Personen mit Herzschrittmacher oder implantierten elektrischen Geräten
  • Personen mit bekannten Herzerkrankungen
  • Personen mit Epilepsie
  • Schwangere (ohne ausdrückliche medizinische Freigabe)
  • Personen mit Hauterkrankungen oder Verletzungen im Elektrodenbereich

Vor der Nutzung sollte stets eine kurze medizinische Befragung durchgeführt werden, um Risiken auszuschließen.

Quellen

  1. Simkin, P., Whalley, J., Keppler, A. (2018). Pregnancy, Childbirth, and the Newborn: The Complete Guide. Meadowbrook Press.
  2. Lowe, N. K. (2002). The nature of labor pain. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 186(5), S16-S24. doi:10.1067/mob.2002.121427
  3. World Health Organization (WHO) (2018). WHO recommendations: Intrapartum care for a positive childbirth experience. WHO Press, Genf.
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