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Wehensturm

Was ist ein Wehensturm?

Ein Wehensturm (medizinisch auch als Tachysystolie oder Uterushyperstimulation bezeichnet) beschreibt eine pathologisch erhöhte Wehentätigkeit während der Geburt. Unter normalen Umständen treten Wehen in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Minuten auf, dauern etwa 60 bis 90 Sekunden und ermöglichen dem Uterus (der Gebärmutter) und dem Kind in der Pause eine ausreichende Erholung.

Bei einem Wehensturm treten mehr als fünf Kontraktionen innerhalb von zehn Minuten auf, die Wehen dauern länger als üblich oder der Gebärmuttertonus erhöht sich dauerhaft, ohne dass sich die Muskulatur vollständig entspannt. Dies kann die Durchblutung der Plazenta (des Mutterkuchens) erheblich einschränken und zu einem gefährlichen Sauerstoffmangel beim ungeborenen Kind führen.

Ursachen

Ein Wehensturm kann verschiedene Ursachen haben. Häufig ist er mit dem Einsatz wehenstimulierender Mittel oder anderen geburtshilflichen Eingriffen verbunden:

  • Wehenmittel (Oxytocin): Die häufigste Ursache ist die überdosierte oder zu rasch gesteigerte Gabe von Oxytocin zur Geburtseinleitung oder Wehenförderung.
  • Prostaglandine: Medikamente wie Misoprostol oder Dinoproston, die zur Zervixreifung (Vorbereitung des Muttermundes) eingesetzt werden, können eine Hyperstimulation des Uterus auslösen.
  • Spontane Ursachen: In seltenen Fällen kann ein Wehensturm ohne medikamentösen Auslöser auftreten, etwa bei einer Plazentaablvolution (vorzeitiger Plazentalvolution) oder einer Uterusinfektion.
  • Amniotomie: Die künstliche Blasensprengung kann ebenfalls zu einer verstärkten Wehentätigkeit führen.

Symptome und Erkennung

Ein Wehensturm wird in der Regel durch kontinuierliches CTG-Monitoring (Kardiotokografie) erkannt, das sowohl die Wehentätigkeit als auch die Herzfrequenz des Kindes aufzeichnet. Typische Zeichen eines Wehensturms sind:

  • Mehr als fünf Wehen innerhalb von zehn Minuten
  • Kontraktionen mit einer Dauer von mehr als 120 Sekunden
  • Unvollständige Entspannung des Uterus zwischen den Wehen (erhöhter Basistonus)
  • Pathologische Veränderungen im CTG des Kindes, insbesondere späte Dezelerationen (Herzfrequenzabfälle nach einer Wehe) als Zeichen des fetalen Sauerstoffmangels

Die betroffene Mutter empfindet häufig starke, kaum nachlassende Schmerzen, da zwischen den Wehen keine ausreichende Pause zur Erholung besteht.

Diagnose

Die Diagnose eines Wehensturms erfolgt klinisch durch die Überwachung mittels Kardiotokografie (CTG). Das CTG zeichnet gleichzeitig die Wehentätigkeit (Tokometrie) und die fetale Herzfrequenz auf. Zusätzlich kann eine intrauterine Druckmessung (IUPC) eingesetzt werden, um den tatsächlichen Druck innerhalb der Gebärmutter zu messen und einen erhöhten Basistonus zu objektivieren.

Risiken und Komplikationen

Ein unbehandelter Wehensturm birgt ernsthafte Risiken für Mutter und Kind:

  • Fetale Hypoxie: Durch die eingeschränkte Plazentadurchblutung kann es zu einem akuten Sauerstoffmangel beim Kind kommen.
  • Uterusruptur: In seltenen, schweren Fällen kann die Gebärmutter durch den übermäßigen Druck einreißen.
  • Fetale Azidose: Anhaltender Sauerstoffmangel führt zu einer Versäuerung des kindlichen Blutes, was langfristige neurologische Schäden verursachen kann.
  • Notfallkaiserschnitt: Bei anhaltender fetaler Gefährdung kann ein sofortiger operativer Eingriff notwendig werden.

Behandlung

Die Behandlung eines Wehensturms richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der fetalen Beeinträchtigung. Folgende Maßnahmen werden in der Regel ergriffen:

  • Stopp oder Reduktion wehenstimulierender Mittel: Wird Oxytocin infundiert, wird die Zufuhr sofort gestoppt oder deutlich reduziert.
  • Tokolyse: Einsatz wehenhemmender Medikamente (z. B. Betamimetika wie Fenoterol oder Calciumantagonisten), um die übermäßige Kontraktilität des Uterus zu dämpfen.
  • Lagerung: Die Mutter wird in Linksseitenlage gebracht, um den Druck der Gebärmutter auf die großen Blutgefäße (Vena cava) zu entlasten und die Plazentadurchblutung zu verbessern.
  • Sauerstoffgabe: Zusätzliche Sauerstoffzufuhr über eine Maske kann die fetale Sauerstoffversorgung kurzfristig verbessern.
  • Flüssigkeitszufuhr: Intravenöse Volumensubstitution zur Verbesserung der Plazentaperfusion.
  • Notfallentbindung: Bei anhaltender oder sich verschlechternder fetaler Gefährdung kann eine sofortige Entbindung per Kaiserschnitt oder vaginal-operativ (Saugglocke, Geburtszange) indiziert sein.

Vorbeugung

Das Risiko eines Wehensturms lässt sich durch sorgfältiges Monitoring der Wehenmittelgabe und eine engmaschige CTG-Überwachung minimieren. Standardisierte Protokolle zur Oxytocin-Dosierung und zur Anwendung von Prostaglandinen sind entscheidend, um eine Überstimulation zu vermeiden. Bei Patientinnen mit einem erhöhten Risiko (z. B. nach vorherigem Kaiserschnitt) wird besondere Vorsicht bei der Geburtseinleitung empfohlen.

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie "Geburtseinleitung", AWMF-Register Nr. 015-088 (2020).
  2. Macones GA, Hankins GD, Spong CY et al.: The 2008 National Institute of Child Health and Human Development Workshop Report on Electronic Fetal Monitoring. Obstetrics & Gynecology 2008; 112(3): 661-666.
  3. World Health Organization (WHO): WHO Recommendations for Induction of Labour. Geneva: WHO Press, 2011.
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