Was ist Wickeln?
Wickeln bezeichnet den Vorgang des Wechselns und Anlegens einer Windel bei Säuglingen und Kleinkindern. Es ist ein zentraler Bestandteil der täglichen Babypflege und dient der Körperhygiene sowie dem Schutz der empfindlichen Haut des Kindes vor Irritationen durch Urin und Stuhl. Gleichzeitig bietet das Wickeln eine wichtige Möglichkeit zur näheren Bindung zwischen Eltern und Kind.
Warum ist regelmäßiges Wickeln wichtig?
Neugeborene und Kleinkinder können ihre Blasen- und Darmfunktion noch nicht kontrollieren. Regelmäßiges Wickeln ist daher notwendig, um:
- Hautirritationen und Windeldermatitis (Windelausschlag) zu vermeiden
- Infektionen durch Bakterien und Pilze vorzubeugen
- das Wohlbefinden und den Komfort des Kindes zu gewährleisten
- die körperliche Hygiene des Kindes aufrechtzuerhalten
Häufigkeit des Wickelns
Neugeborene müssen in der Regel 8 bis 12 Mal pro Tag gewickelt werden. Mit zunehmendem Alter des Kindes nimmt die Häufigkeit ab. Als Faustregel gilt: Die Windel sollte nach jedem Stuhlgang sowie alle 2 bis 3 Stunden gewechselt werden, um die Haut trocken und sauber zu halten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Wickeln
Vorbereitung
Bevor das eigentliche Wickeln beginnt, sollten alle notwendigen Materialien griffbereit sein:
- Frische Windel (in der richtigen Größe)
- Feuchttücher oder ein weiches, feuchtes Tuch
- Wundschutzpaste oder Pflegecreme (bei Bedarf)
- Eine saubere Unterlage oder Wickelmatte
Durchführung
Die folgenden Schritte beschreiben den korrekten Ablauf des Wickelns:
- Sicherheit gewährleisten: Das Kind niemals unbeaufsichtigt auf dem Wickeltisch lassen. Eine Hand stets am Kind halten.
- Schmutzige Windel entfernen: Die Klebestreifen öffnen und die Windel vorsichtig nach unten falten. Den Popo mit einem Feuchttuch von vorne nach hinten abwischen (besonders bei Mädchen wichtig, um Infektionen zu vermeiden).
- Haut reinigen: Alle Hautfalten sorgfältig säubern und anschließend sanft trockentupfen.
- Pflegemittel auftragen: Bei Bedarf eine dünne Schicht Wundschutzcreme oder Babypflege auftragen, um die Haut zu schützen.
- Frische Windel anlegen: Die neue Windel so anlegen, dass sie gut sitzt – nicht zu fest und nicht zu locker. Der Rückenbereich der Windel sollte auf Höhe der Taille liegen.
- Hände waschen: Nach dem Wickeln die Hände gründlich waschen.
Windelarten
Es gibt verschiedene Arten von Windeln, die je nach Bedarf und Vorliebe eingesetzt werden können:
- Einwegwindeln: Praktisch und weit verbreitet. Sie bestehen aus saugfähigem Material und sind leicht zu handhaben.
- Mehrwegwindeln (Stoffwindeln): Umweltfreundliche Alternative, die gewaschen und wiederverwendet werden kann. Erfordert etwas mehr Aufwand, ist aber langfristig kostengünstiger.
- Schwimmwindeln: Speziell für den Einsatz im Wasser konzipiert und nicht saugfähig.
Windeldermatitis (Windelausschlag) vorbeugen und behandeln
Windeldermatitis ist eine häufige Hautreizung im Windelbereich, die sich durch Rötung, Schwellung und gelegentlich durch kleine Bläschen oder offene Stellen äußert. Ursachen sind unter anderem längerer Kontakt mit Urin oder Stuhl, Reibung und bestimmte Substanzen in Windeln oder Feuchttüchern.
Zur Vorbeugung und Behandlung empfehlen sich folgende Maßnahmen:
- Häufiger Windelwechsel
- Gründliche, aber sanfte Reinigung der Haut
- Auftragen von zinkhaltiger Wundschutzcreme
- Windelpausen, damit die Haut Luft bekommt
- Bei anhaltendem oder schwerem Ausschlag: Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt, da auch ein Pilzbefall möglich ist
Wickeln und Bindung
Das regelmäßige Wickeln ist nicht nur eine Hygieneaufgabe, sondern bietet auch eine wertvolle Gelegenheit zur emotionalen Bindung. Durch Augenkontakt, sanfte Berührungen, Sprechen und Singen während des Wickelns wird die Eltern-Kind-Bindung gestärkt und das soziale sowie emotionale Wohlbefinden des Kindes gefördert.
Wickeln und Sicherheit
Beim Wickeln auf einem erhöhten Wickeltisch ist besondere Vorsicht geboten. Kinder können sich bereits ab dem zweiten Lebensmonat so stark bewegen, dass die Sturzgefahr besteht. Daher gilt:
- Das Kind stets mit einer Hand festhalten oder einen Sicherheitsgurt verwenden
- Alle Materialien vor dem Wickeln bereitlegen, damit man das Kind nicht allein lässt
- Alternativ auf einer gesicherten, bodennahen Unterlage wickeln
Ab wann ist Wickeln nicht mehr nötig?
Die meisten Kinder beginnen zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr mit dem Sauberwerden (Toilettentraining). Der Zeitpunkt variiert von Kind zu Kind und hängt von der individuellen Entwicklung ab. Eltern sollten das Kind nicht unter Druck setzen, sondern den Prozess geduldig und positiv begleiten.
Quellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Babypflege und Wickeln – Empfehlungen für Eltern. www.bzga.de
- American Academy of Pediatrics (AAP): Diaper Rash – HealthyChildren.org. www.healthychildren.org
- World Health Organization (WHO): Child Growth Standards and Early Childhood Care Guidelines. Geneva: WHO Press.