Windelpilz
Was ist Windelpilz?
Windelpilz bezeichnet eine Pilzinfektion der Haut im Windelbereich bei Säuglingen und Kleinkindern. Die Erkrankung wird in den meisten Fällen durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöst und gehört zu den häufigsten Hautproblemen im Babyalter. Medizinisch wird sie auch als Windeldermatitis mit Candidainfektion oder Windelsoor bezeichnet. Der Pilz gedeiht besonders gut in warmer, feuchter Umgebung, wie sie unter einer Windel entsteht.
Ursachen
Die wichtigste Ursache für Windelpilz ist die Überwucherung des Hefepilzes Candida albicans, der natürlicherweise auf der Haut und im Darm vorkommt. Verschiedene Faktoren begünstigen eine Infektion:
- Feuchtigkeit und Wärme unter der Windel schaffen ideale Wachstumsbedingungen für Pilze.
- Vorbestehende Windeldermatitis (wunder Po) schwacht die Hautbarriere und erleichtert dem Pilz das Eindringen.
- Antibiotikagabe beim Kind oder bei der stillenden Mutter: Antibiotika zerstören auch nützliche Bakterien und fördern so das Pilzwachstum.
- Geschwachtes Immunsystem des Säuglings, z. B. bei Fruh- oder Neugeborenen.
- Durchfall: Häufiger Stuhlgang reizt die Haut und beginstigt Pilzinfektionen.
- Übertragung durch den Geburtskanal, wenn die Mutter an Scheidenpilz leidet.
Symptome
Windelpilz unterscheidet sich optisch deutlich von einer gewöhnlichen Windeldermatitis. Typische Anzeichen sind:
- Kräftig rote, glänzende Hautrötung im Windelbereich, oft mit scharf begrenzten Rändern
- Sogenannte Satellitenherde: kleine rote Flecken oder Pusteln rund um den Hauptausschlag
- Die Haut im Bereich der Hautfalten ist besonders stark betroffen
- Gelegentlich kleine Bläschen oder Pusteln am Rand des Ausschlags
- Das Baby zeigt Unbehagen, Weinen oder Unruhe beim Windelwechseln
- Im Gegensatz zur normalen Windeldermatitis bessert sich Windelpilz nicht allein durch herkömmliche Wundschutzcreme
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin anhand des typischen klinischen Bildes gestellt. Das charakteristische Erscheinungsbild mit Satellitenhäu der roten Stellen ist oft bereits ausreichend zur Diagnose. In Zweifelsfallen kann ein Hautabstrich entnommen und im Labor auf Pilze untersucht werden. Eine Blutuntersuchung ist bei gesunden Säuglingen in der Regel nicht notwendig.
Behandlung
Windelpilz muss gezielt mit antimykotischen (pilztötenden) Mitteln behandelt werden, da herkömmliche Wundschutzmittel nicht wirksam sind.
Lokale antimykotische Behandlung
Die Standardtherapie besteht in der Anwendung einer antimykotischen Creme oder Salbe, die direkt auf die betroffene Hautpartie aufgetragen wird. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind:
- Nystatin: Gilt als Mittel der ersten Wahl bei Säuglingen, da es kaum in den Blutkreislauf aufgenommen wird und gut verträglich ist.
- Clotrimazol: Ebenfalls häufig eingesetzt, wirksam gegen Candida-Pilze.
- Miconazol: Weiteres bewährtes Antimykotikum für die äußerliche Anwendung.
Die Creme wird in der Regel 2- bis 3-mal täglich nach jedem Windelwechsel auf die gereinigte und trockene Haut aufgetragen. Die Behandlung dauert meist 1 bis 2 Wochen.
Unterstützende Maßnahmen
- Häufiger Windelwechsel, um Feuchtigkeit und Stuhlkontakt zu reduzieren
- Luftbader: Das Baby so oft wie möglich ohne Windel liegen lassen
- Sanfte Reinigung der Haut mit lauwarmem Wasser, kein aggressives Reiben
- Verwendung von atmungsaktiven Windeln
- Bei Windelsoor im Zusammenhang mit Soor im Mundbereich (Mundsoor) ist eine zusätzliche orale Behandlung mit Nystatin-Lösung notwendig
Wann zum Arzt?
Eltern sollten unbedingt ärztlichen Rat suchen, wenn:
- sich der Ausschlag trotz herkömmlicher Wundschutzcreme nicht bessert
- Satellitenflecken oder Pusteln auftreten
- das Baby hohes Fieber hat oder stark leidet
- der Ausschlag sich auf andere Körperstellen ausbreitet
Vorbeugung
Durch einige einfache Maßnahmen lässt sich das Risiko für Windelpilz deutlich reduzieren:
- Windeln regelmäßig und zeitnah wechseln
- Haut nach dem Windelwechsel gut trocknen lassen
- Regelmäßige Luftbader einplanen
- Nach einer Antibiotikatherapie auf Anzeichen von Pilzinfektionen achten
- Bei stillenden Müttern mit Scheidenpilz: gleichzeitige Behandlung beider Parteien erwägen
Quellen
- Paller A.S., Mancini A.J. - Hurwitz Clinical Pediatric Dermatology, 5th Edition. Elsevier, 2016.
- Robert Koch-Institut (RKI) - Informationen zu Candidainfektionen. Verfugbar unter: www.rki.de
- Heimall L.M. et al. - Beginning at the bottom: evidence-based care of diaper dermatitis. MCN: The American Journal of Maternal/Child Nursing, 2012; 37(1): 10-16.