Zahnen
Was ist Zahnen?
Als Zahnen oder Zahndurchbruch bezeichnet man den natürlichen Vorgang, bei dem die ersten Zähne eines Säuglings durch das Zahnfleisch brechen. Insgesamt entwickeln Kleinkinder im Laufe der ersten Lebensjahre 20 Milchzähne, die später durch die bleibenden Zähne ersetzt werden. Der Prozess des Zahnens ist ein normaler Entwicklungsschritt und betrifft alle Kinder, kann jedoch in Intensität und Zeitpunkt stark variieren.
Zeitlicher Ablauf des Zahnens
Der Zahndurchbruch verläuft bei den meisten Kindern in einer ähnlichen Reihenfolge, wobei individuelle Abweichungen häufig sind:
- 4. bis 7. Lebensmonat: Die unteren mittleren Schneidezähne (untere Frontzähne) brechen zuerst durch.
- 8. bis 12. Lebensmonat: Die oberen mittleren und seitlichen Schneidezähne folgen.
- 12. bis 16. Lebensmonat: Die ersten Milchmahlzähne erscheinen.
- 16. bis 20. Lebensmonat: Die Eckzähne (sogenannte "Augenzähne") brechen durch.
- 20. bis 30. Lebensmonat: Die zweiten Milchmahlzähne schließen das Milchgebäss ab.
Mit etwa 2,5 bis 3 Jahren sind in der Regel alle 20 Milchzähne vorhanden.
Symptome und Beschwerden beim Zahnen
Viele Säuglinge und Kleinkinder zeigen während des Zahnens charakteristische Beschwerden. Diese können einige Tage vor und nach dem Zahndurchbruch auftreten:
- Erhöhter Speichelfluss (Hypersalivation)
- Beissen und Kauen an Gegenständen, Fingern oder dem Zahnfleisch
- Reizbarkeit und Unruhe sowie häufigeres Weinen
- Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch im Bereich des durchbrechenden Zahnes
- Verändertes Schlafverhalten und gestörter Nachtschlaf
- Verminderter Appetit, da das Kauen schmerzhaft sein kann
- Wangengerötung auf der Seite des durchbrechenden Zahnes
Wichtig: Hohes Fieber, Durchfall oder schwere Allgemeinsymptome gehören nicht typischerweise zum Zahnen und sollten ärztlich abgeklärt werden, da sie auf eine andere Erkrankung hinweisen können.
Was hilft beim Zahnen? Behandlung und Linderung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Beschwerden beim Zahnen zu lindern und das Kind zu unterstützen:
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Gekühlte Beissringe (nicht eingefroren): Die Kälte kann das Zahnfleisch betäuben und den Druck lindern. Beissringe sollten immer aus sicherem, BPA-freiem Material bestehen.
- Sanfte Zahnfleischmassage mit einem sauberen Finger kann den Druck des durchbrechenden Zahnes mindern.
- Gekühlte Nahrungsmittel wie Karottensticks oder Gurkenstifte (unter Aufsicht) für ältere Säuglinge.
- Ablenkung und Zuwendung durch Eltern und Betreuungspersonen.
Medikamentöse Maßnahmen
- Zahngele mit lokalbetäubenden Wirkstoffen (z. B. Lidocain) können kurzfristig eingesetzt werden, sollten jedoch nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden, da Risiken bestehen.
- Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen (für Säuglinge geeignete Präparate) können bei starken Beschwerden helfen. Die Dosierung muss dem Gewicht des Kindes angepasst werden.
- Präparate auf homeopathischer Basis werden von manchen Eltern verwendet, jedoch ist ihre Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt.
Mundhygiene während des Zahnens
Sobald der erste Zahn sichtbar ist, sollte mit der Zahnpflege begonnen werden. Empfohlen wird:
- Zähne zweimal täglich mit einer altersgerechten, weichen Kinderzahnbürste reinigen.
- Verwendung einer erbsengroßen Menge fluoridierter Kinderzahnpasta (ab dem ersten Zahn empfohlen gemäß DGZMK-Leitlinien).
- Zuckerhaltigen Getränken und Speisen möglichst früh einschränken, um Karies vorzubeugen.
Wann zum Arzt?
Eltern sollten einen Kinder- oder Zahnarzt aufsuchen, wenn:
- das Kind bis zum 12. Lebensmonat noch keine Zähne zeigt,
- starke Schmerzen oder anhaltend hohes Fieber (39 °C oder mehr) auftreten,
- das Kind Zeichen einer Infektion im Mundbereich zeigt (Eiterbildung, starke Schwellung),
- das Kind einen Zähnungsverlauf zeigt, der stark von der Norm abweicht.
Die erste Zahnarztuntersuchung sollte spätestens 6 Monate nach dem ersten Zahndurchbruch stattfinden.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Leitlinie zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden, 2021.
- American Academy of Pediatrics (AAP): Teething: 4 to 7 Months. HealthyChildren.org, 2022.
- Macknin ML et al. - Symptoms associated with infant teething: a prospective study. Pediatrics. 2000;105(4):747-752.