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Zwillinge

Was sind Zwillinge?

Als Zwillinge bezeichnet man zwei Kinder, die gleichzeitig im Mutterleib heranwachsen und gemeinsam geboren werden. Eine Zwillingsschwangerschaft ist die häufigste Form einer Mehrlingsschwangerschaft. Weltweit kommen auf etwa 80 Geburten eine Zwillingsgeburt, wobei die Häufigkeit in den letzten Jahrzehnten durch den Einsatz von Reproduktionsmedizin und künstlicher Befruchtung deutlich gestiegen ist.

Arten von Zwillingen

Eineiige Zwillinge (monozygot)

Eineiige Zwillinge entstehen, wenn sich eine einzige befruchtete Eizelle (Zygote) in einem frühen Entwicklungsstadium in zwei getrennte Embryonen aufteilt. Da beide Embryonen aus demselben genetischen Material hervorgehen, sind eineiige Zwillinge genetisch identisch und immer gleichen Geschlechts. Sie teilen sich in den meisten Fällen eine gemeinsame Plazenta (monochorial), was bestimmte medizinische Risiken mit sich bringen kann.

Zweieiige Zwillinge (dizygot)

Zweieiige Zwillinge entstehen, wenn zwei verschiedene Eizellen gleichzeitig befruchtet werden. Sie haben unterschiedliche Erbinformationen und können verschiedenen Geschlechts sein. Jeder Embryo hat eine eigene Plazenta (dichorial). Zweieiige Zwillinge sind genetisch nicht ähnlicher als normale Geschwister.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung von Zwillingen kann spontan erfolgen oder durch verschiedene Faktoren begünstigt werden:

  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung von Zwillingen erhöht die Wahrscheinlichkeit.
  • Mütterliches Alter: Ältere Mütter haben häufiger Mehrlingsschwangerschaften, da sie öfter mehrere Eizellen gleichzeitig eisprungen.
  • Reproduktionsmedizin: Hormonbehandlungen zur Stimulation des Eisprungs (Ovulationsinduktion) sowie In-vitro-Fertilisation (IVF) erhöhen das Risiko einer Mehrlingsgeburt erheblich.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Bestimmte Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel in West-Afrika, haben eine höhere Rate an Zwillingsgeburten.
  • Paritiät: Frauen, die bereits Kinder geboren haben, sind häufiger von Zwillingsschwangerschaften betroffen.

Medizinische Besonderheiten der Schwangerschaft

Eine Zwillingsschwangerschaft gilt medizinisch als Risikoschwangerschaft und erfordert engmaschige ärztliche Betreuung. Zu den häufigen Herausforderungen gehören:

  • Frühgeburt: Zwillinge werden im Durchschnitt früher geboren als Einlinge, meist um die 37. Schwangerschaftswoche.
  • Niedriges Geburtsgewicht: Durch den geteilten Platz im Mutterleib sind Zwillinge häufig leichter als Einlinge.
  • Plazentaprobleme: Insbesondere bei eineiigen Zwillingen mit gemeinsamer Plazenta kann es zu fetofetalem Transfusionssyndrom (FFTS) kommen, bei dem ein Zwilling mehr Blut erhält als der andere.
  • Präeklampsie: Schwangerschaftsvergiftung tritt bei Mehrlingsschwangerschaften häufiger auf.
  • Gebärmutterüberdehnung: Die vergrößerte Gebärmutter kann frühzeitige Wehen auslösen.

Diagnose

Eine Zwillingsschwangerschaft wird in der Regel im Rahmen der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) festgestellt, die routinemäßig im ersten Schwangerschaftstrimester durchgeführt wird. Dabei können auch die Anzahl der Plazenten und die Art der Eihäute bestimmt werden, was für die weitere medizinische Betreuung entscheidend ist.

Betreuung und Geburt

Schwangere mit Zwillingen werden engmaschiger betreut als Schwangere mit einem Kind. Die Geburtsplanung richtet sich nach der Lage der Kinder, der Plazentasituation und dem Gesundheitszustand der Mutter. Viele Zwillingsgeburten erfolgen per Kaiserschnitt (Sectio caesarea), besonders wenn sich ein oder beide Kinder nicht in Schädellage befinden. Eine vaginale Geburt ist unter bestimmten Voraussetzungen jedoch ebenfalls möglich.

Entwicklung von Zwillingen

Zwillinge entwickeln sich in vieler Hinsicht ähnlich wie andere Kinder, jedoch gibt es einige Besonderheiten. Da sie früher geboren werden und oft ein niedrigeres Geburtsgewicht haben, benötigen sie zu Beginn manchmal intensivere medizinische Unterstützung. Viele Zwillinge entwickeln eine enge emotionale Bindung zueinander. In der Sprachentwicklung kann es gelegentlich zu Verzögerungen kommen, da Zwillinge eine eigene, von außen schwer verständliche Kommunikationsform entwickeln können (sogenannte Kryptophasie oder Zwillingssprache).

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit – Informationen zur Schwangerschaft und Geburt (2023): Mehrlingsschwangerschaften. Verfügbar unter: www.bundesgesundheitsministerium.de
  2. Benirschke, K. & Kim, C.K. (2021): Multiple pregnancy. In: Creasy & Resnik's Maternal-Fetal Medicine: Principles and Practice. Elsevier.
  3. World Health Organization (WHO) (2023): Preterm birth and multiple pregnancies. Verfügbar unter: www.who.int
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