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Für viele Mütter kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie das Stillen verändern oder beenden möchten. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die aktuelle Leitlinie empfiehlt, reifgeborene Säuglinge bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend zu stillen. Wie lange eine Mutter tatsächlich stillt, hängt jedoch von ihrer individuellen Situation und der ihres Kindes ab.
Wer vom Stillen auf die Flasche umstellen möchte, kann einzelne Stillmahlzeiten schrittweise durch Flaschenmahlzeiten ersetzen. So kann sich sowohl das Baby an die neue Art des Trinkens als auch die Milchbildung der Mutter an die veränderte Nachfrage anpassen.
Die Milchbildung richtet sich unter anderem danach, wie häufig die Brust stimuliert und entleert wird. Wird weniger gestillt, passt sich die Milchproduktion allmählich an den veränderten Bedarf an. Beim Abstillen kann dieser Prozess genutzt werden, indem nach und nach einzelne Stillmahlzeiten durch Flaschenmahlzeiten ersetzt werden. [2]
Eine Möglichkeit ist, zunächst eine Stillmahlzeit auszuwählen, die sich im Alltag gut durch ein Fläschchen ersetzen lässt. Haben sich Mutter und Baby an diese Veränderung gewöhnt, kann nach und nach eine weitere Stillmahlzeit ersetzt werden. Welche Mahlzeit zuerst wegfällt, kann sich an den Bedürfnissen der Familie orientieren.
Für ein Baby, das bisher ausschließlich gestillt wurde, ist das Trinken aus der Flasche zunächst eine neue Erfahrung. Das Saugen an der Flasche unterscheidet sich vom Saugen an der Brust und kann daher eine gewisse Eingewöhnung erfordern. Auch die Beschaffenheit von Flasche und Sauger kann dabei eine Rolle spielen. So kann etwa die Größe des Saugerlochs den Milchfluss beeinflussen. Ein langsamerer Milchfluss kann wiederum mit einer längeren Trinkdauer verbunden sein. [2,3]
Mit jeder reduzierten Stillmahlzeit erhält die Brust weniger Stimulation. Dadurch verändert sich mit der Zeit auch die Milchbildung. Beim Abstillen sollte deshalb nicht nur das Trinkverhalten des Babys, sondern auch die körperliche Situation der Mutter berücksichtigt werden.
Unangenehme Brustfülle, Schmerzen oder Verhärtungen können darauf hinweisen, dass die Umstellung für die Brust gerade zu schnell erfolgt. Auch Milchstau und Brustentzündungen gehören zu den möglichen Problemen im Zusammenhang mit der Stillzeit. Treten stärkere Beschwerden oder Fieber auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. [2]
Wenn ein Baby nicht oder nur teilweise gestillt wird, kann industriell hergestellte Säuglingsanfangsnahrung verwendet werden. Als Anfangsnahrung sind Pre- und 1-Nahrung erhältlich. Pre-Nahrung enthält als einziges verdauliches Kohlenhydrat Laktose, während 1-Nahrung zusätzlich weitere Kohlenhydrate enthalten kann. Beide Formen sind für die Ernährung im ersten Lebensjahr geeignet. [2] Folgenahrung, die meist mit einer „2“ gekennzeichnet ist, kann frühestens mit Beginn der Beikost gegeben werden.
Beim Responsive Feeding steht die Reaktion auf die Signale des Babys im Mittelpunkt. Das Baby zeigt, wann es Hunger hat, wann es während der Mahlzeit eine Pause benötigt und wann es satt ist. Die Bezugsperson nimmt diese Signale wahr und passt Zeitpunkt, Tempo und Dauer der Mahlzeit daran an.
Bei der Flaschenfütterung bedeutet das, das Baby nicht zum Austrinken der gesamten Flasche zu drängen. Wenn es den Kopf vom Sauger wegdreht oder andere Sättigungssignale zeigt, sollte die Mahlzeit beendet werden. So kann das Baby dabei unterstützt werden, seine Hunger- und Sättigungssignale wahrzunehmen und seine Nahrungsaufnahme entsprechend zu regulieren.
Auch beim Füttern mit der Flasche bleibt die Nähe zwischen Baby und Bezugsperson wichtig. Eine Flaschenmahlzeit ist nicht nur die Aufnahme von Nahrung, sondern auch eine gemeinsame Interaktion. Das Baby ist dabei ein aktiver Partner des Fütterungsprozesses und sendet Signale, auf die die Bezugsperson reagieren kann. Studien zeigen, dass die Kommunikation und das gegenseitige Reagieren während der Fütterung auch mit der aufgenommenen Milchmenge zusammenhängen können. Blickkontakt, körperliche Nähe und das Beobachten der Reaktionen des Kindes machen die Flaschenmahlzeit zu einer gemeinsamen Situation. [3, 4]
Abstillen und die Umstellung auf das Fläschchen sind individuelle Prozesse. Ein schrittweises Vorgehen kann Mutter und Baby Zeit geben, sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Wichtig ist, auf die Signale des Babys zu achten und die Umstellung ohne unnötigen Druck zu gestalten.
Quellen
[1] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V., Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V., Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e. V.: S3-Leitlinie Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung, Version 1.0, Registernummer 027-072, 2025. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-072
[2] Netzwerk Gesund ins Leben: Basiswissen Stillen – Eltern praxisnah informieren und begleiten. 2023. https://www.gesund-ins-leben.de/netzwerk-gesund-ins-leben/kommunikation-zur-stillfoerderung/basiswissen-stillen/
[3] Kotowski, J., Fowler, C., Hourigan, C., Orr, F.: Bottle-feeding an infant feeding modality: An integrative literature review. Maternal & Child Nutrition. 2020;16. DOI: 10.1111/mcn.12939
[4] Ventura, A. K., Drewelow, V. M., Richardson, T. N.: Does paced bottle-feeding improve the quality and outcome of bottle-feeding interactions? Early Human Development. 2025;201:106181. DOI: 10.1016/j.earlhumdev.2024.106181
[5] National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Postnatal care: Formula feeding information and support – Evidence review. NICE Guideline NG194. 2021. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK571565/