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Abstillen

Was ist Abstillen?

Abstillen bezeichnet den Prozess, bei dem das Stillen schrittweise oder vollständig beendet wird. Dabei wird die Muttermilch als alleinige oder ergänzende Ernährungsquelle des Kindes durch andere Nahrungsmittel ersetzt. Der Zeitpunkt und die Methode des Abstillens sind individuell verschieden und hängen von den Bedürfnissen der Mutter, des Kindes sowie von gesundheitlichen und persönlichen Faktoren ab.

Empfehlungen zum Stillzeitraum

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen. Danach sollte das Stillen, ergänzt durch geeignete Beikost, idealerweise bis zum zweiten Lebensjahr oder länger fortgesetzt werden. Viele Fachgesellschaften, darunter die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), schließen sich dieser Empfehlung an.

Methoden des Abstillens

Graduelles Abstillen

Beim graduellen Abstillen wird die Anzahl der täglichen Stillmahlzeiten über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten schrittweise reduziert. Dies ist die schonendste Methode für Mutter und Kind, da sich der Körper der Mutter langsam an die verringerte Milchnachfrage anpassen kann und das Kind genügend Zeit hat, sich an alternative Nahrungsquellen zu gewöhnen.

Abruptes Abstillen

Das abrupte Abstillen bedeutet, das Stillen plötzlich zu beenden. Dies kann medizinisch notwendig sein, zum Beispiel bei bestimmten Erkrankungen der Mutter oder bei einer notwendigen medikamentösen Behandlung, die mit dem Stillen unvereinbar ist. Es kann bei der Mutter zu Milchstau, Brust­entzündung (Mastitis) oder Schmerzen führen und ist für das Kind emotionell belastender.

Körperliche Veränderungen bei der Mutter

Während des Abstillens passt sich der Körper der Mutter an die sinkende Nachfrage nach Muttermilch an. Die Milchproduktion (Laktation) nimmt schrittweise ab. Folgende körperliche Reaktionen können auftreten:

  • Milchstau: Ansammlung von Milch in den Milchdrüsen, die Schmerzen und Schwellungen verursachen kann.
  • Mastitis: Eine Entzündung des Brustgewebes, die mit Schmerzen, Rötung und Fieber einhergeht.
  • Hormonelle Veränderungen: Der Prolaktinspiegel sinkt, was den Hormonhaushalt beeinflusst und vorrübergehend zu Stimmungsschwankungen führen kann.
  • Veränderungen der Brustform: Die Brust kann nach dem Abstillen vorrübergehend weicher und kleiner erscheinen.

Emotionale Aspekte

Das Abstillen ist nicht nur ein körperlicher, sondern auch ein emotionaler Prozess für Mutter und Kind. Viele Mütter empfinden beim Abstillen gemischte Gefühle wie Trauer, Erleichterung oder Schuldgefühle. Auch Kinder reagieren unterschiedlich: manche akzeptieren die Änderung problemlos, andere brauchen zusätzliche Zuwendung und alternative Berührungsrituale als Ersatz für das Stillen.

Praktische Tipps zum Abstillen

  • Mahlzeiten schrittweise reduzieren, beginnend mit der Stillmahlzeit, auf die das Kind am wenigsten angewiesen ist.
  • Alternative Ernährungsmöglichkeiten wie Flasche, Becher oder Beikost frühzeitig einführen.
  • Bei Milchstau die Brust vorsichtig abpumpen oder ausstreichen, um Druck zu lindern, ohne die Milchproduktion zusätzlich anzuregen.
  • Kühle Kompressen oder Kohlblätter können bei Schmerzen und Schwellungen lindernd wirken.
  • Bei Anzeichen einer Mastitis ärztlichen Rat einholen.
  • Dem Kind zusätzliche Nähe und Zuwendung schenken, um den Übergang zu erleichtern.

Medizinische Gründe fürs Abstillen

In einigen Fällen kann ein medizinisch indiziertes Abstillen notwendig werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Einnahme von Medikamenten, die in die Muttermilch übergehen und für das Kind schädlich sind.
  • Schwere Erkrankungen der Mutter (z. B. bestimmte Infektionskrankheiten oder Chemotherapie).
  • Bestimmte angeborene Stoffwechselerkrankungen des Kindes, wie Galaktösämie, bei der Muttermilch nicht vertragen wird.

Wann ärztlichen Rat suchen?

Bei folgenden Anzeichen sollte eine Ärztin oder ein Arzt sowie eine Stillberaterin aufgesucht werden:

  • Starke Schmerzen oder Schwellungen in der Brust
  • Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl (Hinweis auf Mastitis)
  • Anhaltende depressive Verstimmungen oder starke Stimmungsschwankungen
  • Das Kind verweigert jegliche alternative Ernährung

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Infant and young child feeding. Fact Sheet. Genf, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/infant-and-young-child-feeding
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): Empfehlungen zur Säuglingser nährung und zum Stillen. Berlin, 2022.
  3. Lawrence R.A., Lawrence R.M.: Breastfeeding: A Guide for the Medical Profession. 8th Edition. Elsevier, Philadelphia, 2016.
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