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Bindehautentzündung Neugeborenes

Was ist eine Bindehautenzündung beim Neugeborenen?

Die Bindehautentzündung beim Neugeborenen, medizinisch als Ophthalmia neonatorum oder Neonatale Konjunktivitis bezeichnet, ist eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktiva) des Auges, die innerhalb der ersten vier Lebenswochen auftritt. Sie zählt zu den häufigsten Augenerkrankungen bei Säuglingen und muss zügig diagnostiziert und behandelt werden, da unbehandelte Fälle in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Hornhautschäden oder Sehverlust führen können.

Ursachen

Die Ursachen der neonatalen Bindehautentzündung lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen:

Chemisch-toxische Ursachen

In der Vergangenheit wurde kurz nach der Geburt häufig Silbernitrat zur Vorbeugung bakterieller Infektionen in die Augen der Neugeborenen geträufelt (Crédé-Prophylaxe). Dies konnte selbst eine vorübergehende chemische Bindehautentzündung ausloösen. Diese Methode ist heute in vielen Ländern nicht mehr üblich.

Bakterielle Ursachen

Bakterielle Infektionen sind die häufigste Ursache. Das Neugeborene infiziert sich meist beim Durchtritt durch den Geburtskanal der Mutter. Typische Erreger sind:

  • Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken): Verursacht die schwerste Form der neonatalen Konjunktivitis mit eitrigem Ausfluss, meist 2–5 Tage nach der Geburt. Kann unbehandelt zur Erblindung führen.
  • Chlamydia trachomatis: Häufigster bakterieller Erreger in Industrieländern. Die Symptome treten typischerweise 5–14 Tage nach der Geburt auf.
  • Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und andere Bakterien: Können ebenfalls eine Konjunktivitis verursachen.

Virale Ursachen

Das Herpes-simplex-Virus (HSV) kann beim Neugeborenen eine schwere Augeninfektion ausloösen, oft im Rahmen einer systemischen Herpesinfektion. Auch Adenoviren kommen als Erreger vor.

Symptome

Die Symptome können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Typische Anzeichen sind:

  • Gerötung und Schwellung der Bindehaut und Augenlider
  • Eitriger oder schleimiger Ausfluss aus einem oder beiden Augen
  • Verklebte Augenlider, besonders nach dem Schlafen
  • Lichtscheu (Photophobie)
  • Tränenäugigkeit

Bei einer gonokokkalen Infektion ist der Ausfluss besonders stark und eitrig, während eine Chlamydien-Infektion eher mit schleimig-eitrigem Ausfluss einhergeht.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch eine sorgfältige klinische Untersuchung sowie mikrobiologische Abstriche vom Auge. Dabei werden:

  • Abstrichkulturen angelegt, um Bakterien zu identifizieren und die Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika zu testen.
  • PCR-Tests (Polymerase-Kettenreaktion) durchgeführt, um Chlamydien oder Herpesviren nachzuweisen.
  • Gefärbte Ausstriche (z.B. Giemsa-Färbung) auf Chlamydien-Einschlusskörperchen untersucht.

Eine ophthalmologische Untersuchung ist wichtig, um Hornhautbeteiligung auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Erreger:

Gonokokkale Konjunktivitis

Systemische Antibiotika wie Ceftriaxon sind die Therapie der Wahl. Zusätzlich werden die Augen regelmäßig mit Kochsalzlösung gespült. Eine Krankenhauseinweisung ist in der Regel notwendig.

Chlamydien-Konjunktivitis

Systemisches Erythromycin oder Azithromycin wird oral verabreicht, da topische Behandlungen allein nicht ausreichen und eine gleichzeitige Lungenentzündung durch Chlamydien ausgeschlossen werden muss.

Virale (Herpes-simplex-)Konjunktivitis

Antivirale Mittel wie Aciclovir werden systemisch eingesetzt. Aufgrund des Risikos einer systemischen Herpes-Erkrankung ist eine stationäre Behandlung erforderlich.

Nicht-infektiöse / chemische Konjunktivitis

In den meisten Fällen heilt diese Form innerhalb von 24–48 Stunden von selbst ab. Kühlende Umschläge und Spülungen können Linderung verschaffen.

Vorbeugung

Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist das Screening und die Behandlung von Infektionen der Mutter (insbesondere Gonorrhoe und Chlamydien) während der Schwangerschaft. In vielen Ländern wird auch eine prophylaktische Gabe von Antibiotika-Augentropfen (z.B. Erythromycin-Salbe) unmittelbar nach der Geburt empfohlen, um bakterielle Infektionen zu verhindern.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten sofort einen Arzt oder eine Kinderklinik aufsuchen, wenn ihr Neugeborenes:

  • gerötete, geschwollene oder verklebte Augen hat,
  • Ausfluss aus den Augen zeigt,
  • die Augen nicht öffnen kann oder Lichtscheu zeigt.

Eine frühzeitige ärztliche Behandlung ist entscheidend, um dauerhafte Schäden zu verhindern.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Guidelines for the management of sexually transmitted infections, WHO Press, Genf, 2003.
  2. American Academy of Pediatrics (AAP): Red Book: Report of the Committee on Infectious Diseases, 32. Auflage, 2021.
  3. Darling EK, McDonald H: A meta-analysis of the efficacy of ocular prophylactic agents used for the prevention of gonococcal and chlamydial ophthalmia neonatorum. Journal of Midwifery & Women's Health, 55(4):319–327, 2010.
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