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Die Bindehautentzündung beim Neugeborenen, medizinisch als Ophthalmia neonatorum oder Neonatale Konjunktivitis bezeichnet, ist eine Entzündung der Bindehaut (Konjunktiva) des Auges, die innerhalb der ersten vier Lebenswochen auftritt. Sie zählt zu den häufigsten Augenerkrankungen bei Säuglingen und muss zügig diagnostiziert und behandelt werden, da unbehandelte Fälle in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Hornhautschäden oder Sehverlust führen können.
Die Ursachen der neonatalen Bindehautentzündung lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen:
In der Vergangenheit wurde kurz nach der Geburt häufig Silbernitrat zur Vorbeugung bakterieller Infektionen in die Augen der Neugeborenen geträufelt (Crédé-Prophylaxe). Dies konnte selbst eine vorübergehende chemische Bindehautentzündung ausloösen. Diese Methode ist heute in vielen Ländern nicht mehr üblich.
Bakterielle Infektionen sind die häufigste Ursache. Das Neugeborene infiziert sich meist beim Durchtritt durch den Geburtskanal der Mutter. Typische Erreger sind:
Das Herpes-simplex-Virus (HSV) kann beim Neugeborenen eine schwere Augeninfektion ausloösen, oft im Rahmen einer systemischen Herpesinfektion. Auch Adenoviren kommen als Erreger vor.
Die Symptome können je nach Ursache und Schweregrad variieren. Typische Anzeichen sind:
Bei einer gonokokkalen Infektion ist der Ausfluss besonders stark und eitrig, während eine Chlamydien-Infektion eher mit schleimig-eitrigem Ausfluss einhergeht.
Die Diagnose erfolgt durch eine sorgfältige klinische Untersuchung sowie mikrobiologische Abstriche vom Auge. Dabei werden:
Eine ophthalmologische Untersuchung ist wichtig, um Hornhautbeteiligung auszuschließen.
Die Behandlung richtet sich nach dem jeweiligen Erreger:
Systemische Antibiotika wie Ceftriaxon sind die Therapie der Wahl. Zusätzlich werden die Augen regelmäßig mit Kochsalzlösung gespült. Eine Krankenhauseinweisung ist in der Regel notwendig.
Systemisches Erythromycin oder Azithromycin wird oral verabreicht, da topische Behandlungen allein nicht ausreichen und eine gleichzeitige Lungenentzündung durch Chlamydien ausgeschlossen werden muss.
Antivirale Mittel wie Aciclovir werden systemisch eingesetzt. Aufgrund des Risikos einer systemischen Herpes-Erkrankung ist eine stationäre Behandlung erforderlich.
In den meisten Fällen heilt diese Form innerhalb von 24–48 Stunden von selbst ab. Kühlende Umschläge und Spülungen können Linderung verschaffen.
Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist das Screening und die Behandlung von Infektionen der Mutter (insbesondere Gonorrhoe und Chlamydien) während der Schwangerschaft. In vielen Ländern wird auch eine prophylaktische Gabe von Antibiotika-Augentropfen (z.B. Erythromycin-Salbe) unmittelbar nach der Geburt empfohlen, um bakterielle Infektionen zu verhindern.
Eltern sollten sofort einen Arzt oder eine Kinderklinik aufsuchen, wenn ihr Neugeborenes:
Eine frühzeitige ärztliche Behandlung ist entscheidend, um dauerhafte Schäden zu verhindern.