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Bindehautentzündung Schwangerschaft

Was ist eine Bindehautentzündung in der Schwangerschaft?

Eine Bindehautentzündung (medizinisch: Konjunktivitis) ist eine Entzündung der Bindehaut – der dünnen, transparenten Schleimhaut, die den Augapfel und die Innenseite der Augenlider bedeckt. Während der Schwangerschaft sind Frauen aufgrund hormoneller Veränderungen und einer veränderten Immunlage anfälliger für verschiedene Infektionen, darunter auch die Konjunktivitis. Die Erkrankung ist in der Regel nicht gefährlich, sollte aber in der Schwangerschaft stets ärztlich abgeklärt werden, da nicht alle Behandlungsmöglichkeiten für Schwangere geeignet sind.

Ursachen

Eine Bindehautentzündung kann in der Schwangerschaft durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Bakterielle Infektionen: Häufig verursacht durch Bakterien wie Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae oder Haemophilus influenzae. Auch sexuell übertragbare Erreger wie Chlamydia trachomatis oder Neisseria gonorrhoeae können eine Rolle spielen und müssen besonders beachtet werden, da sie auch auf das Neugeborene übertragen werden können.
  • Virale Infektionen: Vor allem durch Adenoviren, aber auch im Rahmen eines Erkrankungsgeschehens wie Erkältungen oder Grippe.
  • Allergische Reaktionen: Pollen, Hausstaub, Tierhaare oder andere Allergene können eine allergische Konjunktivitis auslösen. Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft können bestehende Allergien verstärken.
  • Reizungen: Durch Rauch, Chlor im Schwimmbad, Kontaktlinsen oder Kosmetika.
  • Trockene Augen: Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft können die Talgdrüsen und Tränenflüssigkeit beeinflussen, was zu trockenen, gereizten Augen führt.

Symptome

Die typischen Anzeichen einer Bindehautentzündung umfassen:

  • Gerötete, entzündete Augen
  • Brennendes oder juckendes Gefühl in den Augen
  • Absondern von Sekret (wässrig, schleimig oder eitrig, je nach Ursache)
  • Verklebte Augenlider, besonders morgens nach dem Aufwachen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Gefühl eines Fremdkörpers im Auge
  • Geschwollene Augenlider

Bei allergischer Konjunktivitis steht in der Regel starkes Jucken im Vordergrund, während bakterielle Formen oft mit gelblich-grünem Ausfluss einhergehen. Virale Formen verursachen eher wässrigen Ausfluss und können beide Augen betreffen.

Diagnose

Die Diagnose einer Bindehautentzündung erfolgt in erster Linie klinisch – also durch die Beurteilung der Symptome und eine Untersuchung des Auges durch einen Arzt oder eine Ärztin. In der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, die genaue Ursache der Entzündung festzustellen. Mögliche diagnostische Maßnahmen sind:

  • Spaltlampenuntersuchung: Detaillierte Betrachtung des vorderen Augenabschnittes
  • Abstrich und Laboranalyse: Zur Identifizierung von Bakterien oder Viren, besonders bei Verdacht auf Chlamydien oder Gonokokken
  • Allergietest: Bei Verdacht auf allergische Ursache

Schwangere Frauen sollten bei Augenbeschwerden stets einen Frauenarzt und ggf. einen Augenarzt aufsuchen, um die Diagnose zu sichern und eine geeignete, sichere Therapie zu erhalten.

Behandlung

Die Behandlung der Bindehautentzündung in der Schwangerschaft hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab und muss die Sicherheit für das ungeborene Kind berücksichtigen.

Allgemeine Maßnahmen

  • Regelmäßiges und gründliches Händewasche, um eine Übertragung zu vermeiden
  • Augenpflege mit sauberen, feuchten Tuchkompressen zur Linderung von Beschwerden
  • Vermeidung von Kontaktlinsen während der Entzündung
  • Vermeiden des Reibens der Augen

Medikamentöse Behandlung

  • Bakterielle Konjunktivitis: In leichten Fällen kann eine konservative Behandlung ausreichen. Bei Bedarf können Antibiotikaaugentropfen wie Erythromycin oder Azithromycin eingesetzt werden, die als vergleichsweise sicher in der Schwangerschaft gelten. Tetracyclin-haltige Präparate sind dagegen in der Schwangerschaft kontraindiziert. Die Wahl des Antibiotikums sollte immer durch einen Arzt erfolgen.
  • Virale Konjunktivitis: Eine spezifische antivirale Therapie ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Die Erkrankung heilt meist von selbst ab. Befeuchtende Augentropfen (künstliche Tränen) können die Beschwerden lindern. Hinweis: Preservativfreie Augentropfen sind generell zu bevorzugen.
  • Allergische Konjunktivitis: Sofern möglich, sollte der Kontakt mit dem Allergen vermieden werden. Kühlende, befeuchtende Augentropfen helfen zur Symptomlinderung. Antihistaminika in Augentropfenform sollten nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt angewendet werden. Systemische (orale) Antihistaminika sind in der Schwangerschaft nicht uneingeschränkt empfohlen.

Besondere Hinweise bei sexuell übertragbaren Infektionen

Wenn eine Chlamydien- oder Gonokokkeninfektion als Ursache festgestellt wird, ist eine gezielte systemische Antibiotikatherapie notwendig. Dies ist besonders wichtig, um eine Übertragung auf das Neugeborene bei der Geburt zu verhindern, die zu einer schwerwiegenden Neugeborenenkonjunktivitis (Ophthalmia neonatorum) führen kann. In Deutschland ist die prophylaktische Behandlung der Augen von Neugeborenen ("Credeschem Augenprophylaxe") ein etabliertes Verfahren, wird aber nicht mehr routinemäßig empfohlen und richtet sich nach dem individuellen Risiko.

Wann zum Arzt?

Schwangere sollten bei folgenden Anzeichen unverzüglich ärztliche Hilfe suchen:

  • Starke Schmerzen im Auge
  • Deutliche Sehveränderungen oder Sehverlust
  • Hohes Fieber zusätzlich zur Augenentzündung
  • Eitriger, reichlicher Ausfluss aus dem Auge
  • Kein Ansprechen auf Selbstbehandlungsmaßnahmen nach wenigen Tagen
  • Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Bindehautentzündung während der Schwangerschaft zu reduzieren:

  • Häufiges Händewaschen, besonders nach dem Berühren öffentlicher Oberflächen
  • Nicht mit schmutzigen Händen die Augen berühren
  • Kein Teilen von Handtuchern, Waschlappen oder Kosmetika
  • Regelmäßiger Wechsel und hygienische Handhabung von Kontaktlinsen
  • Behandlung bestehender Allergien unter ärztlicher Aufsicht

Quellen

  1. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie Konjunktivitis. Abrufbar unter: www.dog.org
  2. Mylonas I, Friese K: Infektionskrankheiten in der Schwangerschaft. Springer Medizin Verlag, 2014.
  3. World Health Organization (WHO): Guidelines for the management of sexually transmitted infections. Geneva: WHO, 2016. Abrufbar unter: www.who.int
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